Montag, 22. Juli 2019

Fedex greift nach TNT Milliardenfusion am Paketmarkt

An Land, zu Wasser und in der Luft: Das sind die zehn größten Logistik-Konzerne der Welt
BNSF Railway

Angriff auf die Deutsche Post: Der US-Paketdienstleister Fedex will TNT Express übernehmen und damit sein Europa-Geschäft ausbauen. Das niederländische Unternehmen werde bei dem Geschäft mit 4,4 Milliarden Euro bewertet, teilte Fedex mit. Aktien des Deutsche-Post-Rivalen schossen in der Spitze um 31,4 Prozent auf 7,89 Euro nach oben und waren damit am Dienstag so teuer wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen sieht in der Kampfansage auch eine Chance für das eigene Unternehmen.

Die Amerikaner zahlen demnach acht Euro je Aktie in bar, was einem Aufschlag von 33 Prozent auf den TNT-Schlusskurs vom Donnerstag entspricht. Beide Konzerne seien zuversichtlich, etwaige Bedenken der Wettbewerbsbehörden rasch ausräumen zu können, hieß es weiter. Eine geplante Übernahme von TNT Express durch US-Weltmarktführer UPS war 2013 am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert.

Fedex will die Übernahme in der ersten Hälfte des Jahres 2016 abschließen. Vorstand und Aufsichtsrat von TNT hätten die Übernahmeplänen einstimmig befürwortet. Fedex werde den Kauf mit Barmitteln sowie durch bestehende und neue Kreditlinien finanzieren.

TNT ist seit der gescheiterten Übernahme durch UPS auf einen Sparkurs eingeschwenkt, hat Unternehmensanteile verkauft und zugleich massiv in seine Liefernetze investiert. So versucht das Unternehmen in dem schwächelnden Europa-Markt zu bestehen. Im Februar warnte TNT, das Geschäft in seinen westeuropäischen Kernmärkten bleibe auch in diesem Jahr schwierig. Fedex teilte am Dienstag weiter mit, nach der Fusion werde die Europa-Zentrale am TNT-Sitz in Hoofddorp bei Amsterdam angesiedelt.

Mit einem Jahresumsatz von mehr als 45 Milliarden Dollar ist Fedex deutlich größer als TNT Express. Die Niederländer kamen im Jahr 2014 auf einen Jahreserlös von 6,7 Milliarden Euro (7,4 Milliarden Dollar). Während Fedex im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 2,1 Milliarden Dollar verdiente, steckte TNT mit einem Minus von 195 Millionen Euro das vierte Jahr in Folge in den roten Zahlen. Der Konzern hat zuletzt Geschäftsteile verkauft, um seine Finanzlage zu verbessern.

Deutsche Post gibt sich gelassen

Die Deutsche Post rechnet sich durch die geplante Übernahme des niederländischen Wettbewerbers durchaus Chancen für das eigene Geschäft aus. Die Integration solch großer Zukäufe mit unterschiedlichen Kulturen verlaufe nicht immer glatt, sagte ein Post-Sprecher am Dienstag. Das führe bei Mitarbeitern wie auch bei Kunden und Partnerunternehmen zu Unruhe. Gerade im Expressgeschäft könnten sich Kunden daher umorientieren. "Wir sehen daher auch Businesschancen", sagte der Sprecher. Er betonte aber: "Wir schauen uns das in Ruhe an."

Das Marktvolumen im Express-Geschäft in Europa beziffern Experten mit sechs Milliarden Euro. Die Deutsche Post ist nach eigenen Angaben mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent führend für internationale Express-Sendungen. Auf Platz zwei rangiert UPS mit 25 Prozent gefolgt von TNT und Fedex mit zwölf beziehungsweise zehn Prozent.

Experte sieht Deutsche Post nun unter Zugzwang

Die Post-Aktie legte am Dienstagmorgen als einer der besten Dax-Werte um 1,86 Prozent auf 29,465 Euro zu. Börsianer sehen die Bonner nun aber unter Zugzwang. Börsenbrief-Autor Hans Bernecker zufolge muss der deutsche Logistikriese nun nach Möglichkeiten suchen, um seine Wettbewerbsposition zu verteidigen. Die Deutsche Post sei zwar durchaus in der Lage, ihre Weltmarktstellung deutlich auszubauen. Voraussetzung dafür sei aber, dass der Konzern dafür mindestens 5 bis 6 Milliarden Euro in die Hand nehme. Bernecker bemängelte, dass Vorstandschef Frank Appel diesbezüglich womöglich zu vorsichtig agiere, was ihn von seinem Vorgänger Klaus Zumwinkel unterscheide.

rei/dpa-afx/rtr

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung