Freitag, 19. Juli 2019

Prozess gegen Kunstberater Achenbach räumt überhöhte Preise für Aldi-Erben ein

Kunstberater Helge Achenbach: Aussage mit teils stockender Stimme

Er habe sich einen wirtschaftlichen Puffer verschaffen und Verluste ausgleichen wollen: Mit dieser Begründung hat der Kunstberater Helge Achenbach überhöhte Preise teilweise eingestanden - etwa im Fall des Aldi-Erben Berthold Albrecht.

Essen - Seine Aussage ist mit Spannung erwartet worden: Der Kunstberater Helge Achenbach ist wegen Millionenbetrugs an reichen Kunden angeklagt. Nun hat der 62-Jährige erstmals selbst vor Gericht ausgesagt und die Vorwürfe gegen ihn teilweise eingestanden.

Er habe bei einigen Kunstverkäufen an den Aldi-Erben Berthold Albrecht "unberechtigte Aufschläge" vorgenommen und auch Rechnungen eigenhändig verändert, sagte Achenbach vor dem Landgericht Essen. Dies bedauere er sehr.

Mit den erhöhten Preisen habe er einen "wirtschaftlichen Puffer" für Rücknahmegarantien schaffen wollen, die Albrecht versprochen worden waren, sagte Achenbach. Laut früheren Angaben seines Anwalts hatte der Kunstberater dem Aldi-Erben und später seiner Witwe eine Rücknahmegarantie für gekaufte Objekte gewährt.

Außerdem habe er Geld wegen der Verluste seiner Restaurants in Düsseldorf gebraucht, begründete Achenbach die erhöhten Preise. Zum Imperium des Kunstberaters gehören auch Restaurants unter dem Namen Monkey's.

Die Staatsanwaltschaft wirft Deutschlands bekanntestem Kunstberater vor, Berthold Albrecht bei 22 Kunst- und Oldtimerverkäufen um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Albrecht ist 2012 gestorben und ist ein Sohn des ebenfalls bereits gestorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht. In einem Zivilverfahren fordern Erben von Berthold Albrecht Schadensersatz von Achenbach.

Dieser soll laut Staatsanwaltschaft mit einem mitangeklagten Ex-Geschäftspartner zwei weitere schwerreiche Kunden bei Kunstverkäufen getäuscht haben.

In seiner Aussage wies Achenbach einige weitere Anklagepunkte auch zurück. Seine Ausführung fielen dem Angeklagten offenbar nicht leicht. Der Vorsitzende Richter unterbrach die Verhandlung kurzfristig für eine Pause, als Achenbachs Stimme stockte.

mmq/spon

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