Montag, 19. August 2019

Vor G20-Gipfel USA warnen Deutschland vor "verlorenem Jahrzehnt"

US-Finanzminister Jack Lew: Nach Frankreich fühlen sich auch die USA dazu berufen, sich in Deutschlands Haushaltspolitik einzumischen

Vor dem G20-Gipfel in Brisbane hat US-Finanzminister Jack Lew die Haushaltspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Deutschland soll mehr investieren und weniger sparen, sonst drohe "ein verlorenes Jahrzehnt":

Seattle - US-Finanzminister Jack Lew hat Deutschland mit ungewöhnlich klaren Worten dazu aufgefordert, die Haushaltspolitik zu lockern. Angesichts dre sich eintrübenden Konjunktur in Europa sei es entscheidend, dass Länder mit hohen Überschüssen und finanziellen Spielräumen aktiv würden, sagte Lew beim außenpolitischen Forum "World Affairs Council" in Seattle, einem Treffen in Vorbereitung auf den G20-Gipfel in Brisbane.

Dabei sprach Lew explizit Deutschland an und, wie das "Wall Street Journal" schreibt, "nur um nett zu sein" auch die Niederlande.

Lew: Nicht nur auf Erholung der USA verlassen

"Die globale Wirtschaft darf nicht allein darauf vertrauen, dass es den USA gelingt, schnell genug zu wachsen, um das schwache Wachstum in anderen Weltmärkten auszugleichen", so Lew. Sollten Deutschland und die Niederlande an ihrer strikten Haushaltspolitik festhalten, drohe ein "verlorenes Jahrzehnt" mit geringem Wirtschaftswachstum.

Lew ist nicht der erste, der sich in die deutsche Haushaltspolitik einmischt: Erst vor wenigen Wochen hatte Frankreich für Furore gesorgt mit der Forderung, Deutschland solle seine Invetitionen im gleichen Maße erhöhen, wie Frankreich Geld einspare.

Von Frankreich und Italien forderte der US-Finanzminister, dass sie ihre Reform-Anstrengungen erhöhen. Dazu sollten sie aber mehr Zeit beim Abbau ihrer Haushaltsdefizite erhalten.

töp/reuters/dpa

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