Sonntag, 25. August 2019

"Hooligans gegen Lokführer" Gewerkschaft fürchtet Gewalt gegen Lokführer

Am Pranger: Lokführer der Gewerkschaft GDL

Der Bahnstreik nimmt im wahrsten Wortsinn gefährliche Züge an. Medien haben das Wohnhaus und Telefonnummern von GDL-Chef Weselky veröffentlicht. In sozialen Medien tauchen Gruppen wie "Hooligans gegen Lokführer" auf. Polizeischutz lehnt der umstrittene Gewerkschafter bis jetzt ab.

Hamburg - Gewerkschaftschef Claus Weselsky ist wegen des viertägigen Streiks der Lokomotivführer derzeit wohl der meistgehasste Mann in Deutschland. Nicht nur Politiker auch so manche Kommentatoren vergreifen sich im Ton. Besonders bedenklich stimmt, dass einzelne Medien zuletzt sogar sein Wohnhaus oder seine Dienstnummer im Internet veröffentlicht haben.

Lehnt Polizeischutz bis jetzt ab: GDL-Chef Claus Weselsky
Weselsky sieht seine Privatsphäre bedroht und hat die Polizei eingeschaltet. Personenschutz habe er noch nicht beantragt. Verstecken - wie ihm so manches Medium nachsagt - wolle er sich aber nicht. "Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun", sagte Weselsky der ARD.

Dass die Situation eskalieren könnte befürchtet offenbar selbst der Chef der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner. Er appellierte am Freitag für einen fairen Umgang mit dem Chef der Lokführergewerkschaft GDL. "Wir kritisieren die Hetze gegen Weselsky. Das muss aufhören", sagte Kirchner in Berlin.

So seien in den sozialen Medien zwischenzeitlich Gruppen aufgetaucht, die sich "Hooligans gegen Lokführer" nennen und zur Gewalt gegen Kollegen aufgerufen hätten. "Ich bin entsetzt", sagte Kirchner. Das mache ihm Angst damit werde "eine Grenze überschritten".

Gleichwohl bezeichnete Kirchner das Vorgehen der GDL als "völlig falsch". Der viertägige Streik führe zur Konfrontation sowohl zwischen Bahnbeschäftigten und Kunden als auch unter Eisenbahnern.

Der Krankenstand bei der Bahn gehe in den vom Streik betroffenen Bereichen "drastisch nach oben", teils auf 30 bis 35 Prozent. "Die Kollegen entziehen sich so der Situation oder sind wirklich so krank, dass sie nicht mehr kommen können."

rei mit Nachrichtenagenturen

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