Mittwoch, 27. Mai 2020

50.000 Personendaten abgegriffen Uber verschweigt Datenleck über Monate

Smartphone mit Uber-App: Klage gegen Unbekannt eingereicht

Uber verhält sich wieder rüpelhaft beim Datenschutz: Im Mai griffen Unbefugte 50.000 Personendaten ab, im September bemerkte Uber das Leck - und erst jetzt räumt der Fahrdienst-Vermittler den Diebstahl ein.

San Francisco - Datenleck bei Uber: Unbefugte haben sich Zugriff auf Daten von rund 50.000 Fahrern des umstrittenen Fahrdienst-Vermittlers Uber verschafft. Es handele sich um Namen und Führerschein-Nummern von Fahrern aus verschiedenen US-Staaten, erklärte Uber in einem Blogeintrag am späten Freitag.

Der Zugriff Unbefugter sei bereits Mitte September festgestellt worden, hieß es. Ereignet habe er sich Mitte Mai. Das Unternehmen machte in der Mitteilung keine weiteren Angaben etwa zu den Umständen des Datenzugriffs. Es sei aber bisher kein Missbrauch festgestellt worden, hieß es. Die betroffenen Fahrer bekommen Unterstützung von einem Dienst, der hilft, die digitale Identität im Netz zu kontrollieren. Uber reichte auch eine Klage gegen Unbekannt ein.

Uber war erst vor einigen Wochen in die Diskussion wegen seiner Datenschutz-Politik geraten. Unter anderem hatte sich eine Journalistin beschwert, dass ein ranghoher Uber-Mitarbeiter in New York ohne ihre Erlaubnis auf ihre Fahrt-Daten zugegriffen habe. Uber betonte, man nehme den Datenschutz sehr ernst, der Mitarbeiter sei bestraft worden.

In Deutschland gerät die Expansion von Uber unterdessen nach dem heftigen Gegenwind aus der Taxibranche ins Stocken. Zu Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf kämen vorerst keine weiteren Städte hinzu, bestätigte das Unternehmen der "Wirtschaftswoche".

Zugleich stellte ein Sprecher am Samstag klar: "Uber stellt die Expansion in Deutschland nicht ein." Uber könne in den Städten, in denen der Dienst Uber-Pop zu 35 Cent pro Kilometer angeboten werde, nicht so schnell wachsen, "wie das aufgrund der Nachfrage eigentlich nötig wäre", räumte er ein. "Einen generellen Anwerbestopp für Partner-Fahrer", gebe es allerdings auch in diesen Städten nicht. "Die 35-Cent-Regel erlaubt nur ein begrenzt nachhaltiges Geschäft", zitierte das Magazin einen Uber-Vertreter.

Taxi-Unternehmer erreichten in Deutschland mehrere Gerichtsentscheidungen, die das Geschäftsmodell von Uber einschränkten. Anfangs hatte das Startup aus San Francisco auf eine sehr schnelle Expansion auch in Deutschland gesetzt.

Neben seinem Limo-Service vermittelt das kalifornische Unternehmen auch Fahrgäste an private Fahrer. Dieser Dienst ist schon weltweit in die Schlagzeilen geraten. Der Taxi-Branche ist das Angebot seit längerem ein Dorn im Auge. Der Vorwurf ist, dass sich Uber damit wettbewerbswidrig verhält, da sich die Fahrer nicht an Regeln des Personenbeförderungsgesetzes halten.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP bekräftigte am Samstag noch einmal seine Position: "Beförderungsleistungen dürfen nicht ohne staatliche Genehmigung und von Fahrpersonal ohne Personenbeförderungsschein erbracht werden." Uber kritisiert weltweit, viele Regeln seien veraltet und dienten dem Schutz der Platzhirsche aus der Taxi-Branche.

Uber-Chef Travis Kalanick warb bei einem Auftritt auf der Internet-Konferenz DLD in München im Januar für Partnerschaften mit großen Städten in Europa. Uber könne unter anderem helfen, Verkehrsprobleme zu bewältigen und Zehntausende neue Jobs schaffen, argumentierte er. Uber holte sich mehrere Milliarden Dollar bei Investoren vor allem für die internationale Expansion und ist damit eines der am besten mit Geld ausgestatteten Startups weltweit.

ts/dpa-afx

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