Donnerstag, 19. September 2019

Vertrag mit Bund - Aktien von Drillisch und United Internet heben ab Ausbau des 5G-Netzes - Betreiber können kooperieren und Zahlungen bis 2030 strecken

5G-Mobilfunknetz: Die Betreiber Telekom, Vodafone , Telefónica Deutschland und 1&1 Drillisch können beim Ausbau kooperieren - und ihre Milliardenzahlungen an den Bund für die Frequenzen in Raten bis 2030 strecken

Optimistische Äußerungen zur Finanzierung des Mobilfunk-Netzes nach dem neuen 5G-Standard beflügeln die Aktien des Mobilfunkanbieters 1&1 Drillisch und die Papiere der Konzernmutter United Internet Börsen-Chart zeigen. Die Aktien von Drillisch Börsen-Chart zeigen stiegen am Freitag um bis zu elf Prozent auf 28,50 Euro und steuerten auf den größten Tagesgewinn seit Zweieinhalb-Jahres-Hoch zu. Die Titel von United Internet gewannen rund 10 Prozent und waren mit 33,40 Euro so teuer wie zuletzt vor drei Monaten.

Drillisch bekräftigte, dass die Kosten für den Aufbau eines 5G-Netzes größtenteils aus laufenden Einnahmen finanziert werden können. Außerdem gab die Firma eine Vereinbarung mit der Bundesregierung zum Ausbau des bestehenden Handy-Netzes in ländlichen Gebieten bekannt.

Vor allem die Aussagen zur Finanzlage würden positiv gewertet, sagte ein Börsianer. Schließlich habe das Unternehmen kürzlich betont, dass die Befürchtung, die hohen Kosten für die Mobilfunk-Frequenzen könnten das Geschäft lähmen, falsch sei. Die laufenden Einnahmen böten genügend Spielraum.

1&1 schließt Vereinbarung mit dem Bund

Hinzu kommt eine Vereinbarung mit dem Bund zum Ausbau von 5G. Mit einem zusätzlichen Ausbau des Netzes sollen ärgerliche Funklöcher für Handynutzer in Deutschland vor allem auf dem Land verringert werden. Der Bund schloss dazu Verträge mit den Mobilfunknetzbetreibern Telekom, Vodafone , Telefónica Deutschland und 1&1 Drillisch, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach von einer "Ausbauoffensive" für ländliche Räume.

Im vergangenen Sommer hatten die Betreiber und der Bund in einer Vereinbarung die Absicht erklärt, dass bis Ende 2021 durch neu zu errichtende Mobilfunkstandorte künftig 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland eine LTE-Versorgung erhalten sollen. Diese Zusage wurde nun durch die am Donnerstag geschlossenen Verträge rechtlich verbindlich gemacht.

Betreiber können Zahlungen für 5G bis 2030 strecken

Im Gegenzug ermöglicht der Bund den Netzbetreibern nun laut Ministerium, ihre Zahlungspflichten aus der 5G-Frequenzauktion 2019 mit jährlichen Raten über einen Zeitraum bis 2030 zu strecken.

Im Juni waren 5G-Frequenzblöcke versteigert worden, und zwar an die vier Provider Deutsche Telekom , Vodafone, Telefónica und die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch . Sie zahlten insgesamt 6,55 Milliarden Euro.

Scheuer sagte, für die neuen Ziele sollten mehr als 1400 neue Mobilfunkmasten errichtet werden. "Das ist ein klares Signal, dass der Mobilfunkausbau in bislang unterversorgten Regionen mit voller Kraft vorangetrieben wird."

Konkret sieht der Vertrag eine Versorgung von 99 Prozent der Haushalte bundesweit bis Ende 2020 vor und von 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland bis 2021 - also auch in Flächenländern. Damit soll die Versorgung gerade in ländlichen Räumen verbessert werden. Allerdings beziehen sich die Ausbauziele auf die Zahl der Haushalte - und nicht auf die Fläche.

Bis 2020 sollen 98 Prozent der Haushalt mobiles Breitband haben

Bereits jetzt gilt für die Netzbetreiber eine Verpflichtung, bis Januar 2020 deutschlandweit 98 Prozent der Haushalte mit mobilem Breitband zu versorgen. Diese Bedingung war ihnen bei der Versteigerung von Frequenzen im Jahr 2015 auferlegt worden. Nun sollen es 99 Prozent der Haushalte sein. Scheuer hatte im Juli 2018 gesagt, damit könnten eine halbe Million Haushalte zusätzlich ans Mobilfunknetz angeschlossen werden.

Beim nun beschlossenen Ausbau wollen die Mobilfunkbetreiber untereinander stärker zusammenarbeiten und sich die finanzielle Belastung teilen. Die geplanten mindestens 1400 zusätzliche Mobilfunkmasten sollen für eine Nutzung durch jeden Betreiber offen stehen.

Im Zusammenhang mit der 5G-Auktion hatte es bereits weitere Ausbauvorgaben gegeben, zum Beispiel zur Versorgung an Autobahnen, Bund- und Landstraßen sowie allen Zugstrecken und wichtigen Wasserstraßen.

Dommermuth: Ausbau in Kooperation mit den anderen Netzbetreibern

Ralph Dommermuth: "Erster und wichtiger Schritt"
picture alliance / dpa
Ralph Dommermuth: "Erster und wichtiger Schritt"

Der Vorstandsvorsitzende von Telefónica Deutschland, Markus Haas, sprach von einer guten Nachricht für die 45 Millionen Vodafone-Kunden im O2-Netz. "Für eine digitale Vernetzung Deutschlands auf Weltniveau müssen wir jetzt mutig weitere Schritte gehen", sagte Haas.

Drillisch-Vorstandschef Ralph Dommermuth sagte, dass der Ausbau in Kooperation mit den drei anderen Netzbetreibern geschehe, sei ein erster und wichtiger Schritt. "Denn kein Netzbetreiber wird ein leistungsstarkes 5G-Netz für ganz Deutschland alleine bauen können." Der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, sagte, mit dem Mobilfunkpakt werde die Ausbaugeschwindigkeit deutlich erhöht.

Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner betonte: "Ein Jahr nach dem Mobilfunkgipfel haben wir einen entscheidenden Schritt gemacht, um Funklöcher zu schließen."

Im Gegenzug bestehe Einigkeit über die Zahlungsmodalitäten für die Vergabe der 5G-Lizenzen. "Das ist wichtig. Denn nun haben wir Planungssicherheit und können mit 5G loslegen.

la/dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung