Inflationsausgleich Apple erhöht Löhne - gegen Frust und Gewerkschaftspläne

Die Inflation hoch, die Mitarbeiter unzufrieden - um die Beschäftigten zu binden und bei Laune zu halten, öffnet Apple-Chef Tim Cook die Konzern-Schatulle. Die Einstiegsgehälter sollen drastisch steigen.
Apple-Chef Tim Cook will mehr für seine Beschäftigten ausgeben

Apple-Chef Tim Cook will mehr für seine Beschäftigten ausgeben

Foto: STEPHEN LAM / REUTERS

Um seine Mitarbeiter in Zeiten hoher Inflation und knapper Arbeitskräfte zu binden, greift Apple tief in die Tasche und wird die Gehälter deutlich erhöhen. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal"  will der iPhone-Konzern das Einstiegsgehalt für stundenweise Beschäftigte in den USA zum 1. Juli auf 22 Dollar pro Stunde anheben. Das wäre ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 - je nach Marktlage könnten die Stundenlöhne auch noch stärker steigen. Auch die Einstiegsgehälter der Vollzeitbeschäftigen sollen steigen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine E-Mail an die Beschäftigten.

Apple plane das Budget für diese höheren Vergütungen zusätzlich zu den Gehaltserhöhungen und Sonderzahlungen ein, die der Konzern bereits im vergangenen Jahr geleistet hat. Der Konzern ringt auf einem angespannten US-Arbeitsmarkt mit Microsoft und anderen Wettbewerbern um Talente und Arbeitskräfte. So hatte Microsoft unlängst erklärt, dass der Konzern sein globales Budget für leistungsbezogene Gehaltserhöhungen fast verdoppeln werde.

Für gewöhnlich locken Konzerne Mitarbeiter und Talente mit Aktien als Vergütungsbestandteil. Angesichts des enormen Kursrückgangs insbesondere bei Technologiewerten in jüngster Vergangenheit hat dieses Instrument der Mitarbeiterbindung zuletzt aber an Attraktivität verloren. Die Apple-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 21 Prozent an Wert eingebüßt.

Zugleich reagiert Apple-Chef Tim Cook mit diesem Schritt auf eine offensichtlich zunehmende Unruhe unter der Belegschaft. Die anscheinend weit verbreitete Unzufriedenheit reiche von Mitarbeitern in Einzelhandelsgeschäften, die sich gewerkschaftlich organisieren wollen, bis hin zu hoch qualifizierten Ingenieuren, die gegen eine Anwesenheitspflicht im Büro in der Post-Corona-Ära rebellieren. Die Anwesenheitspflicht von mindestens drei Tagen die Woche setzte Apple jetzt aus.

Nach Zahlen des US-Arbeitsministeriums haben die Arbeitgeber in den USA in den ersten drei Monaten des Jahres rund 4,5 Prozent mehr für ihre Beschäftigten ausgegeben. Dies ist zwar der schnellste Anstieg seit mehr als zwei Jahrzehnten. Angesichts einer deutlich höheren Inflation sind die Löhne und Gehälter im privaten Sektor in diesem Zeitraum allerdings real gesunken. Auch das dürfte dem Apple-Management nicht entgangenen sein, wobei die Vollzeitbeschäftigten dort mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 68.254 Dollar noch mehr verdienen dürften als Beschäftigte in manch anderer Branche.

Der Tech-Gigant hat in den letzten zwei Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet. Der Verkauf von iPhones, Laptops und Tablets an Beschäftigte und Studenten, die während der Pandemie zu Hause unter Quarantäne standen, hat Apple zu Rekordgewinnen verholfen. Im vierten Geschäftsquartal zum 25. Dezember 2021 steigerte Apple seinen Gewinn um rund ein Fünftel auf 34,6 Milliarden Dollar. Im Folgequartal schlug noch ein Gewinn von 25 Milliarden Dollar zu Buche. Leisten kann sich Apple die Lohnsteigerungen also allemal.

rei
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