Erstes Urteil in App-Store-Streit mit Epic Games Richterin schockt Apple-Investoren

Apple und der Spiele-Entwickler Epic streiten heftig über die Rahmenbedingungen des App Stores. Nun hat ein Gericht ein Urteil gefällt, das Apple in die Schranken weist - und auf den Aktienkurs durchschlägt. Der Konzern interpretiert das Urteil jedoch als Sieg.
Epische Schlacht um App-Store-Provisionen: Apple hat im Gerichtsstreit gegen Epic Games einen schweren Rückschlag erlitten

Epische Schlacht um App-Store-Provisionen: Apple hat im Gerichtsstreit gegen Epic Games einen schweren Rückschlag erlitten

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Im Streit über die geschäftlichen Spielregeln im Apple App Store hat der iPhone-Konzern eine rechtliche Niederlage hinnehmen müssen. Nach einem Urteil eines Bundesgerichts in Oakland (Kalifornien) muss Apple den Entwicklern bei den Bestimmungen zur Bezahlung der Apps und Services entgegenkommen. Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

Laut dem Urteil der Richterin Yvonne Gonzalez Rogers dürfe der US-Konzern Entwickler nicht daran hindern, Links in ihre Apps einzubauen, die es Kunden erlauben, Zahlungen außerhalb des Apple-eigenen In-App-Kaufsystems vorzunehmen.

Apple-Aktien  drehten nach dem Urteil ins Minus und verloren binnen Minuten bis zu vier Prozent, pendelten sich jedoch dann auf ein Minus von rund 2,5 Prozent ein. Die Investoren waren sich offenbar unsicher, welche Auswirkungen das noch nicht rechtskräftige Urteil auf die künftigen Apple-Bilanzen haben wird.

Apple berechnet Spiele-Entwicklern, die ihre Produkte über Apples App-Store anbieten, zum Teil hohe Provisionen. Zudem untersagt Apple Entwicklern bislang, Kunden über Möglichkeiten zu informieren, wie sie den Entwickler direkt bezahlen können. Die Richterin erließ nun aber eine landesweite Anordnung, die es den Programmieren ermöglicht, in ihre Produkte Module einzubauen, die Kunden zu anderen Kaufmechanismen leiten.

Richterin: Apple muss einige Beschränkungen aufheben

Der iPhone-Hersteller müsse einige seiner Beschränkungen nun aufheben, urteilte Richterin Yvonne Gonzales Rogers von einem US-Bezirksgericht in Kalifornien. Zudem dürfe Apple Entwicklern nicht verbieten, mit Kunden über Kontaktinformationen zu kommunizieren, die die Entwickler erhalten haben, als sich Kunden in der App angemeldet haben. Allerdings kam die Richterin nicht der Forderung von Epic Games nach, wonach Apple gezwungen werden müsse, das iPhone für App-Stores von Drittanbietern zu öffnen.

Apple erhebt eine Gebühr von bis zu 30 Prozent, wenn jemand über den App-Store eine Anwendung kauft oder Abos abschließt. Die Auseinandersetzung eskalierte, als Epic in die Version seines beliebten "Fortnite"-Spiels eine alternative Zahlvariante integrierte, um die Gebührenabgabe an Apple und Google zu umgehen. Daraufhin entfernte Apple das Spiel aus seinem App-Store. Epic Games antwortete mit mehreren Klagen.

Epic Games hatte argumentiert, Apple habe mit seinem App-Store ein geschlossenes System geschaffen, um die eine Milliarde iPhone-Nutzer sowie Entwickler zu kontrollieren. Apple hatte indes erklärt, die Regeln des App Store hätten einen riesigen Markt geschaffen, in dem sich die Nutzer sicher genug fühlten, um Apps auch von unbekannten Entwickeln zu kaufen.

Auch Google, neben Apple der andere weltweit dominierende Betriebssystem-Anbieter, verlangt teils einen hohen Anteil des Umsatzes der App-Entwickler für sich. Google-Aktien standen nach dem Urteil am Freitag ebenfalls unter Druck und verloren rund ein Prozent.

Epic soll Schadenersatz an Apple zahlen

Das Urteil besagt auch, dass Apple den Entwicklern nicht verbieten könne, mit Kunden über Kontaktinformationen zu kommunizieren, die die Entwickler bei der Anmeldung innerhalb der App erhalten haben.

Epic hatte Apple im August 2020 verklagt, nachdem der iPhone-Hersteller "Fortnite" aus seinem App Store entfernt hatte. Die Spielefirma hatte heimlich Softwarecode in seine App eingebaut, dank dem Nutzer "Fortnite"-Artikel direkt bei Epic kaufen konnten, ohne dass Provisionen an Apple fällig wurden.

Rogers kam zum Schluss, dass Apple im Recht war, Epic von der Plattform zu verbannen und verurteilte den Spielehersteller zur Zahlung von Schadenersatz an Apple von vier Millionen Dollar. Das ist Apples Anteil von 30 Prozent an den Einnahmen, die Epic mit dem Direktverkauf erzielte. Das Gericht widersprach zugleich der Auffassung von Epic, dass Apple ein kartellrechtlicher Monopolist auf dem Teilmarkt für mobile Spieltransaktionen sei. Rogers stellte jedoch fest, dass das Verhalten von Apple bei der Durchsetzung von bestimmten Beschränkungen wettbewerbswidrig sei.

Wie Apple das Urteil zum Erfolg umdeutet

Apple interpretierte das Urteil dann auch trotz der einstweiligen Verfügung als Erfolg. "Heute hat das Gericht bestätigt, was wir schon immer wussten: Der App Store verstößt nicht gegen das Kartellrecht." Das Gericht habe auch festgestellt, dass "Erfolg nicht illegal" sei. "Apple ist in jedem Segment, in dem wir tätig sind, einem harten Wettbewerb ausgesetzt, und wir glauben, dass sich Kunden und Entwickler für uns entscheiden, weil unsere Produkte und Dienstleistungen die besten der Welt sind." Man werde sich weiter dafür einsetzen, dass der App Store ein sicherer und vertrauenswürdiger Marktplatz sei.

Epic-Chef Tim Sweeney kommentierte das Apple-Statement auf Twitter: "Das heutige Urteil ist weder für Entwickler noch für Verbraucher ein Gewinn. Epic kämpft für einen fairen Wettbewerb zwischen In-App-Zahlungsmethoden und App Stores für eine Milliarde Verbraucher." Das Epic-Spiel Fortnite werde in den iOS App Store zurückkehren, wenn Epic bei den In-App-Zahlungen in fairem Wettbewerb mit dem Apple-System eine Zahlungsmethode anbieten könne, bei dem die die Einsparungen an die Verbraucher weitergegeben werden könnten.

Epic, das im vergangenen Jahr mit Fortnite mehr als 5 Milliarden Dollar eingenommen hat, geht auch in der EU, in Großbritannien und in Australien mit Klagen gegen Apple vor. Außerdem verklagte der Spielehersteller den Internetkonzern Google wegen ähnlicher Geschäftsmodelle im Google Play Store.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels war nicht erwähnt, dass Epic an Apple Schadenersatz zahlen soll. Wir haben den Artikel nun entsprechend aktualisiert.

wed/Reuters/dpa