Britischer Mineralölkonzern Ex-RWE-Managerin Dotzenrath heuert bei BP an

Kaum hat Anja-Isabel Dotzenrath RWE verlassen, stellt sie ihre Expertise im Geschäft mit Erneuerbaren Energien in den Dienst von BP. Die Managerin wird dort in den Vorstand einziehen und dürfte schon bald auf ihren ehemaligen Arbeitgeber treffen.
Fängt beim Ölmulti BP an: Die ehemalige RWE-Vorständin Anja-Isabel Dotzenrath soll mit dem Ökostromgeschäft ein weiteres Standbein für den Konzern aufbauen

Fängt beim Ölmulti BP an: Die ehemalige RWE-Vorständin Anja-Isabel Dotzenrath soll mit dem Ökostromgeschäft ein weiteres Standbein für den Konzern aufbauen

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Kay Nietfeld / picture alliance/dpa

Nur wenige Wochen nach dem Abgang bei RWE hat die frühere Ökostrom-Chefin Anja-Isabel Dotzenrath (54) bei BP angeheuert. Dotzenrath übernehme im März kommenden Jahres die Leitung des Geschäftsbereichs Gas & Low Carbon Energy, teilte der Mineralölkonzern am Dienstag mit . Sie ziehe zugleich in den Vorstand des Konzerns ein, der mit Milliardeninvestitionen sein Geschäft mit Erneuerbaren Energien ausbauen will.

Die Managerin tritt die Nachfolge von Dev Sanyal (54) an, der Ende des Jahres BP verlassen werde. Sanyal hatte erst im Juli vergangenen Jahres die Leitung des Bereichs übernommen.

Dotzenrath hatte bis August das Erneuerbare-Energien-Geschäft von RWE geleitet und war zuvor in ähnlicher Funktion für Eon tätig. Für Aufsehen sorgte damals der Zeitpunkt ihres Abgangs: Noch am selben Tag, an dem RWE die Neuordnung seines Ökostromgeschäfts mit neuen Verantwortlichkeiten verkündet hatte, räumte Dotzenrath ihren Posten - ohne selbst ein Wort zur Begründung oder zum Abschied zu publizieren. Ein harmonischer Abgang verläuft erfahrungsgemäß anders.

RWE beteiligt sich ebenfalls an Ausschreibungen für Offshore-Windprojekte

Die studierte Elektrotechnikerin ginge auf eigenen Wunsch, hieß es seitens des Unternehmens. RWE-Chef Markus Krebber (48) dankte ihr für ihre "herausragende Arbeit" und bedauerte, dass sie sich entschieden habe, den Konzern zu verlassen. Sie hatte seit Oktober 2019 das Geschäftsfeld geführt und musste dabei - einmalig in der Energieszene - einen trilateralen Merger bewältigen, mit Beteiligten von Eon sowie dem RWE-Spin-off Innogy, und alles unter dem Dach von "New RWE". Die gelungene Integration der Mannschaften und Geschäftsfelder gilt intern zum Großteil als ihr Verdienst. Das manager magazin zählte Dotzenrath zu den 100 einflussreichsten Wirtschaftsfrauen in Deutschland.

Ironie der Geschichte: Bei BP dürfte sie schon bald wieder auf ihren früheren Arbeitgeber treffen, da auch RWE sein Ökostromgeschäft ausbaut und sich an Ausschreibungen etwa für Offshore-Windprojekte beteiligt. Ölmultis wie BP, Shell oder Total wollen sich mit dem Ökostromgeschäft ein weiteres Standbein neben dem Öl- und Gasgeschäft aufbauen und konkurrieren damit zusehends mit klassischen Stromkonzernen um die Flächen auf hoher See .

BP will bis 2025 Ökostromkapazitäten von netto 20 Gigawatt aufbauen und bis 2030 von insgesamt 50 Gigawatt. Dazu peilt der Konzern im laufenden Jahr Investitionen von etwa zwei Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) an. Bis 2025 sollen diese auf drei bis vier Milliarden pro Jahr ansteigen und 2030 bis auf rund fünf Milliarden Dollar.

rei/Reuters