Keine Versetzung nach 2017 2016 muss wiederholen

Jetzt nicht jammern, 2016. Dass das mit der Versetzung nichts wird, hast du dir selbst eingebrockt.

Jetzt nicht jammern, 2016. Dass das mit der Versetzung nichts wird, hast du dir selbst eingebrockt.

Foto: manager magazin online

Also, 2016, das war wohl nichts. David Bowie tot, Trump US-Präsident in spe, Flüchtlingskatastrophen, Hiobsbotschaften aus Wirtschaft, Politik und Umwelt - da kann man nur sagen: Mangelhaft bis ungenügend in fast allen Fächern. Sechs, setzen!

Wenn es so schlechte Noten gibt, gehen natürlich im Nachhinein die Diskussionen los. Dem wollen wir von vorneherein den Wind aus den Segeln nehmen. Hier sind die Gründe, warum 2016 auf keinen Fall nach 2017 versetzt werden kann. Es geht schon los mit den Kopfnoten:

Lernverhalten: 2016 arbeitete wenig zielgerichtet und teilte sich die Zeit schlecht ein. Aufgaben wurden willkürlich, oft gar nicht bearbeitet und wenn, dann oft mit mangelhaften Ergebnissen. Neue Aufgaben hätte das Jahr mutiger angehen sollen. Probleme blieben oft liegen.

Sozialverhalten: 2016 legte eine verheerende Unfähigkeit an den Tag, Konflikte mit konstruktiven Vorschlägen zu lösen. Ein Sinn für Empathie und Gerechtigkeit war in weiten Teilen nicht zu erkennen. Im nächsten Anlauf sollte 2016 weniger Menschenverachtung an den Tag legen und sich Gedanken darüber machen, wie es anderen geht.

Und bei den Fächern im Einzelnen sieht es noch verheerender aus:

Deutsch

Ernsthaft, 2016? Das soll deine Leistung in Deutsch sein?

Ernsthaft, 2016? Das soll deine Leistung in Deutsch sein?

Foto: Facebook / @WillyNachdenklich

Also, 2016, deine Leistungen in Deusch sind unterirdisch. Wir reden hier nicht vom Jugendwort des Jahres ("fly sein", seriously? Sagt doch kein Mensch. Noch nicht mal im Tindergarten. Isso.). Wir reden davon, wie sehr die Sprache das Denken bestimmt und umgekehrt.

"Postfaktisch" ist das Wort des Jahres 2016, das ginge ja noch an, aber leider ist es auch der Schrieb des Jahres und wird es bleiben: In Diskussionen geht es neuerdings nicht mehr um Tatsachen. Wenn einer sagt, er baut eine Mauer, und dann baut er sie nicht, ist das im Zeitalter des Postfaktischen kein Problem mehr. Dann postet er halt einfach ein Bild von irgendeiner Mauer und behauptet, die Mauer stünde doch da, jeder könne sie sehen. Oder er behauptet, er habe das mit der Mauer nie gesagt. Oder er sagt einfach ganz etwas anderes. Das spielt einfach keine Rolle mehr.

Und auf rein sprachlicher Ebene hat dich, 2016, kaum jemand mehr geprägt als Sebastian Zawrel, der Macher von "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder", einer seit Ende 2015 unaufhaltsam boomenden Facebook-Seite. "Man muss in Lebem Piruetten setzen und auf das kontieren was wichtig ist" steht da etwa vor dem kitschigen Foto eines Sonnenuntergangs. Das ist ironisch, da kommt man sich toll vor, wenn man das kapiert, und kann sich über die lustig machen, die sich in den Kommentaren noch immer über die falschen Schreibweisen mokieren. Erbärmlich. Das Regt uns SO AUF, wir könnem ums gahr nicht mer beruhigem!11111111

Mathe

Wahlmaschinen bei der US-Wahl: Das System ist doch bescheuert, wenn einer 2,7 Millionen Stimmen mehr hat und dann doch die Wahl verliert

Wahlmaschinen bei der US-Wahl: Das System ist doch bescheuert, wenn einer 2,7 Millionen Stimmen mehr hat und dann doch die Wahl verliert

Foto: Ethan Miller/ AFP

Klar, 2016, du hattest alles im Griff, nicht wahr? Wortreich haben uns deine Experten auseinandergesetzt, wieso der Brexit nicht kommen wird. Und auch, warum Donald Trump auf keinen Fall Präsident werden kann.

Und dann hat Hillary Clinton 2,7 Millionen Stimmen  mehr, aber Trump wird trotzdem Präsident? Wie soll das bitteschön mathematisch zu begründen sein? Dafür kann es nur eine Note geben: Ungenügend! Das machst du bitte alles noch einmal von vorne.

Wirtschaft/Politik

Flüchtlinge auf dem Weg nach Spanien: 2016 war für viele Menschen einfach nur entsetzlich

Flüchtlinge auf dem Weg nach Spanien: 2016 war für viele Menschen einfach nur entsetzlich

Foto: STRINGER / REUTERS

Deine Defizite in diesem Bereich, 2016, waren so groß, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Furchtbare Kriege, verzweifelte Flüchtlinge, humanitäre Katastrophen auf dem Mittelmeer, in Syrien, in Afrika - und in Deutschland zünden Terroristen Häuser an, halten aber ihre Opfer für die Gefahr, obwohl die keine Häuser anzünden. In Amerika flammt der Rassismus neu auf, unterstützt von ganz oben und mitfinanziert von deutschen Firmen (wenn auch nicht immer mit Absicht).

Und die Wirtschaft: Immobilien-Blasen in China und anderswo, die deutsche Autoindustrie, die sich selbst zerlegt, ach, es macht alles keinen Spaß. Nein, 2016, das musst du nochmal ganz von vorne machen. Sechs.

Englisch

Wie heißt Fettnäpfchen nochmal auf Englisch? No blass shimmer, but I talk einfach mal hier rein

Wie heißt Fettnäpfchen nochmal auf Englisch? No blass shimmer, but I talk einfach mal hier rein

Foto: Gregor Fischer/ dpa

Tja, liebes 2016, auch bei der ersten Fremdsprache (und nein, die kannst du nicht abwählen) hast du richtig Mist gebaut. Erst leistet VW-Konzernchef Matthias Müller sich bei einem englischsprachigen Interview dermaßen derbe Schnitzer, dass die ohnehin ramponierte Glaubwürdigkeit seines Konzerns völlig vor die Wand fährt - und dann macht er ein paar Monate später Englisch zur offiziellen Konzernsprache. Fine maked!

Getoppt wird das nur vom allseits (________________) (hier bitte ein deutschsprachiges (!) Adjektiv eigener Wahl einsetzen) EU-Kommissar Günther Öttinger, der sich für eine Rede entschuldigen musste , bei der er unter anderem Chinesen als "Schlitzaugen" bezeichnet hatte: "I was frank and open - it was not a speech readout, but 'frei von der Leber' as we say in German."

No, you were not frank and open. You were Günther and as close-minded as ever. Perhaps better to hold "einfach mal die Klappe", as we say in German.

Musik

Das war David Bowie vor 13 Jahren, und wir hätten ihn gerne noch länger unter uns gehabt.

Das war David Bowie vor 13 Jahren, und wir hätten ihn gerne noch länger unter uns gehabt.

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS

Um eine Sechs in Musik zu bekommen, liebes 2016, dafür muss man schon nicht nur völlig talentfrei, sondern auch noch bösartig sein. Was um alles in der Welt hast du dir dabei gedacht? Es ging schon im Januar los: David Bowie. Herrgott, 2016, der Mann war gerade mal 69 Jahre alt - das ist doch kein Alter heutzutage! Und es ist ja nicht so, als hätte der nichts Neues mehr zu sagen gehabt!

Und dann einfach munter so weitergemacht, was, 2016? Immer drauf, genau. Prince ist auch gestorben, mit 57, außerdem Leonard Cohen. Und Maurice White, der Gründer von Earth, Wind and Fire, und auch einer der wenigen wirklich guten deutschen Musiker, Roger Cicero, der wurde gerade mal 45 Jahre alt. Nein, 2016, das geht gar nicht. Das machst du bitte nochmal von vorne und ganz anders. Wir brauchen diese Leute.

Erdkunde

So sieht die Grenze zwischen den USA und Mexiko derzeit aus. Ein Zaun reicht aber nicht, Trump will eine Mauer.

So sieht die Grenze zwischen den USA und Mexiko derzeit aus. Ein Zaun reicht aber nicht, Trump will eine Mauer.

Foto: Gregory Bull/ AP

Genau, 2016. Grenzen sind dazu da, gezogen zu werden, nicht wahr? Irgendwas hast du an dem Erziehungsklassiker "Kinder brauchen Grenzen" falsch verstanden. Kinder brauchen Sicherheit. Aber was machst du? Grenzkonflikte hier, Grenzkonflikte da und dann auch noch diese glorreiche Idee: Jemandem zum US-Präsidenten zu machen, der eine Frau in sein Team beruft , die sich stolz vor die Berliner Mauer stellt und zu dem Bild schreibt: Mauern funktionieren.

Dass die Mauer in Berlin nicht dazu diente, Leute von außen fernzuhalten, sondern Leute, die weg wollten, im Land zu halten, hat die Dame doch glatt übersehen. Denn dann müsste man die Mauer, die Trump bauen will, nicht an der Grenze zu Mexiko errichten, sondern an der zu Kanada. Und wer diese beiden Länder verwechselt, hat in Erdkunde nichts Besseres verdient als eine Fünf.

Sport

Ganz großes Damentennis: Angelique Kerber

Ganz großes Damentennis: Angelique Kerber

Foto: ROSLAN RAHMAN/ AFP

Okay, 2016, sportlich war nicht allzuviel auszusetzen. Tennisstar Angelique Kerber hat groß aufgespielt, und Portugal ist Europameister - denen kann man es wenigstens gönnen. Dafür bekommst du eine Zwei.

Warum keine Eins, fragst du allen Ernstes? Weil wir hier im Sportunterricht weder Korruption noch Doping dulden, deshalb. Da kannst du über die Zwei noch froh sein. Die wird zwar deine Versetzung nicht retten, aber so hast du wenigstens noch ein Jahr mehr Zeit, um dir zu überlegen, in welche Länder man Veranstaltungen wie die Fußball-WM wirklich guten Gewissens geben könnte. Viel Erfolg dabei. Wir sehen uns im Januar wieder. Und diesmal machst du es bitte besser.