Dienstag, 26. Mai 2020

Die besten Corona-Krisentipps Homeoffice für alle - so wird es professionell

Schreibtisch ist schon mal gut, aber ersetzen Sie die heimelige Deko im Hintergrund lieber durch eine Weltkarte mit farbigen Stecknadeln auf allen Kontinenten - so wirken Sie bei Videokonferenzen wichtiger

Etliche Betriebe haben im Laufe der Corona-Krise ihre Bürotätigkeiten flächendeckend ins Homeoffice verlagert. Es hatte ja schon immer etwas für sich, es den eigenen Mitarbeitern als Privileg zu verkaufen, dass sie solche externen Büroflächen dem eigenen Unternehmen gratis zur Verfügung stellen, obwohl sie selbst dafür Miete zahlen müssen. (Smarter Move, Kapitalismus!) Aber wenn alle nach Hause gehen, um dort zu arbeiten, kann natürlich auch alles außer Kontrolle geraten. Deshalb hier die wichtigsten Tipps für Führungskräfte und Mitarbeiter. Passen Sie auf sich auf!

So reagieren Sie als Führungskraft richtig

Dass Ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten, heißt nicht, dass Sie nun alleine in der Firma sitzen müssen. Oder gar selbst ins Homeoffice verbannt werden, wo Ihr Partner oder Ihre Partnerin dann eventuell sehen könnte, dass Ihr Job so stressig gar nicht ist, wie Sie immer behauptet haben! Alles, nur das nicht! Aber das Gute ist: Sie haben ja schließlich eine Fürsorgepflicht. Auch rein arbeitsschutztechnisch müssen Sie als Führungskraft jetzt gewährleisten, dass das Homeoffice für alle Ihre Mitarbeiter ein sicherer Arbeitsort ist.

Sie sollten also nun den Fokus Ihrer Tätigkeit darauf legen, alle Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, dort aufzusuchen. Natürlich tragen Sie dabei zur Sicherheit aller einen Ganzkörper-Schutzanzug (Achtung: Corporate Identity beachten! Firmenfarben sind ein Muss, das Logo gehört groß auf Brust und Rücken!). Und natürlich haben Sie ein Klemmbrett dabei, auf dem Sie Ihre Checkliste abarbeiten: Ist der Schreibtischstuhl korrekt eingestellt? Wann wurde die Kaffeemaschine in der Küche zuletzt gereinigt? Gibt es Tiere, obwohl in Ihrer Firma das Mitnehmen von Tieren verboten ist? Dann setzen Sie freundlich, aber bestimmt den Familienhund vor die Tür - solange drinnen gearbeitet wird, hat er nichts im Haus zu suchen!

Kontrollieren Sie abschließend das Badezimmer und lassen Sie sich zeigen, ob alle Familienmitglieder sich korrekt die Hände waschen. Kinder mit laufenden Nasen verbannen Sie in die Kinderzimmer zu einer 14-tägigen Quarantäne. Instruieren Sie alle Mitbewohner, dass arbeitsfremde Themen in der Kommunikation mit Ihrem Mitarbeiter nicht stattzufinden haben - und dass mit firmenfremden Personen aber natürlich auch nicht über Firmeninterna gesprochen werden darf. Das heißt im Klartext: Mitarbeiter und Familie dürfen bis auf weiteres gar nicht miteinander reden. Machen Sie allen klar, dass das fürs Privatleben keine Belastung ist, sondern im Gegenteil eine Chance sein kann. Bedanken Sie sich bei allen für das Verständnis in dieser ungewohnten Situation und tätscheln Sie im Hinausgehen dem vor der Tür fröstelnden Hund den Kopf - so wirken Sie menschlich nahbar und empathisch.

So reagieren Sie als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter richtig

Seit sechs Jahren predigt Ihnen Ihr Chef, dass es keine Alternative dazu gibt, jeden Tag in die Firma zu fahren - auch wenn Sie im Großraum sitzen, mit den Kollegen vorrangig über Skype oder Teams kommunizieren und den lieben langen Tag nur Telefonate abarbeiten. Aber jetzt geht es plötzlich doch, und derselbe Chef posiert im Intranet und sagt: "Wir sind digital so gut aufgestellt, dass Homeoffice für alle natürlich überhaupt kein Problem darstellt." Tja, drei Tage dieselben Klamotten tragen, selten duschen und aus Konserven essen - andere fahren dafür auf Festivals, Sie machen Homeoffice! Aber Spaß beiseite: Ein paar Regeln können helfen, auch im heimischen Büro das für die Performance so wichtige Firmenfeeling zu erzeugen.

Zunächst einmal stellen Sie statt des guten Porzellans ein paar wirklich geschmacklose Becher neben die Kaffeemaschine - gut sind Aufdrucke wie "Ich bin hier auf der Arbeit, nicht auf der Flucht" oder "Die ganze Welt ist ein Irrenhaus, aber hier ist die Zentrale" oder auch "Für einen Burnout fehlt mir einfach die Zeit". Achten Sie darauf, dass nie alle Becher gereinigt sind.

Setzen Sie eines Ihrer Kinder oder einen Mitbewohner in den Flur in eine große Pappbox, auf der "Empfang" steht. Grüßen Sie freundlich, wenn Sie dort vorbeigehen, und zeigen Sie jedes Mal Ihren Ausweis.

Checken Sie an Ihrem Schreibtisch, welchen Bildausschnitt Ihre Laptop-Kamera erfasst. Räumen Sie diesen Bereich auf (es reicht, wenn Sie das Chaos aus dem Erfassungsbereich herausschieben) und pinnen Sie eine Weltkarte an die Wand, auf der Sie willkürlich bunte Stecknadeln verteilen. Das wirkt im Gespräch mit externen Partnern extrem professionell. Drucken Sie sich den jüngsten Nachweis aus, den Sie für die Teilnahme am Erste-Hilfe-Kursus oder der Arbeitsschutzunterweisung bekommen haben, und stellen Sie es in einem Rahmen darunter auf - so, dass man die kleineren Zeilen nicht erkennen kann, wohl aber Worte wie "Zertifikat" oder imposante Siegel. Macht was her!

Führen Sie das "Sie" in der Familie ein. Bestehen Sie darauf, dass Ihr Partner oder Ihre Partnerin und die Kinder Sie mit "Herr" oder "Frau" und dem korrekten Titel (falls vorhanden) ansprechen. Soviel Zeit muss sein, damit das richtige Bürofeeling aufkommt! Verbinden Sie das Beste aus beiden Welten: Tragen Sie obenherum eine schicke Bluse oder ein Hemd mit Krawatte, untenherum eine Schlabberhose, einen bunten Sarong oder eine Boxershorts. So wirken Sie in Videokonferenzen professionell, haben es aber trotzdem bequem.

Stellen Sie einen Küchenplan auf. Achten Sie darauf, dass Sie die meisten Sachen nicht wirklich mögen - nur so können Sie weiter über das Essen lästern, wenn Ihnen die Kantine fehlt.

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