Samstag, 23. November 2019

Die tägliche Wirtschaftsglosse Am Ende der Tage

Künstler streben, so die gängige Auffassung, nach Unsterblichkeit. Ausgerechnet der millionenschwere Kunst-Punk Damien Hirst aber nicht - behauptet er jedenfalls. Am Ende des Tages ist die eigene Vergänglichkeit aber sowieso nur eine Hypothese.

Der britische Skandalkünstler Damien Hirst hat ein inniges Verhältnis zum Tod. Das gehört sich auch so für jemanden, der vom Einlegen großer toter Tiere und dem Inkrustieren von Schädeln mit Diamanten lebt (und das, nebenbei bemerkt, gar nicht mal schlecht). Trotzdem überrascht das Statement, das er jüngst in einem Interview von sich gab: Er wolle nicht unsterblich sein. Begründung des bebrillten, eher unscheinbaren 44-Jährigen: "Es ist wie mit einer Blume: Ist sie nicht schöner, weil sie nur für eine begrenzte Zeit blüht?"

Maren Hoffmann
Maren Hoffmann
Nun reden Künstler viel, wenn der Tag lang ist, und das ist er ja meistens. Wer wüsste das besser als wir, die wir von morgens früh bis abends spät richtig arbeiten müssen. Hirst hingegen wählt seine Lebensanalogien, mal wieder typisch Künstler, aus einem anderen Bereich: "Es ist ein wenig wie bei einer Party: Jeder ist traurig, wenn sie vorüber ist. Dabei geht es darum, dabei gewesen zu sein."

Mit diesen tiefsinnigen Gedanken reiht Hirst sich in die Phalanx großer Denker über die Vergänglichkeit ein - von Nietzsche, der den Tod Gottes verkündete, dann aber selbst starb, über Woody Allen, der nach eigenen Angaben nicht durch seine Werke unsterblich zu werden wünschte, sondern vielmehr ganz einfach den Löffel nicht abgeben will, bis zu den Spontis der 80er Jahre, die an Häuserwände sprühten: "Der Tod ist wie ein Butterkeks, nur andersrum - er verschlingt uns."

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Es lohnt sich, einmal die Perspektive zu wechseln und das Thema mit der gebotenen emotionalen Distanz anzugehen. Für uns alle, die wir heute leben, ist die eigene Vergänglichkeit ja erst einmal nur eine Hypothese, ein reiner Analogieschluss - denn bewiesen ist da ja wohl noch gar nichts, schließlich sitzen wir alle noch hier, nicht wahr?

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Tod ziemlich ambivalent. Nüchtern betrachtet, spart es einfach eine Menge laufender Kosten, nicht mehr zu leben, von der verheerenden CO2-Bilanz eines unendlichen Daseins ganz zu schweigen. Andererseits kann man, wenn man seine Altersvorsorge geschickt gestaltet und einfach mal am Leben bleibt, überaus attraktive Rentenmodelle für die nächsten paar Milliarden Jahre finden.

Aber eine dringende Warnung müssen wir an dieser Stelle doch aussprechen. Spätestens so in drei bis vier Milliarden Jahren müsste man noch mal einen sehr genauen Blick aufs Anlageportfolio werfen. Dann nämlich stürzt voraussichtlich unser ganzer Planet in die Sonne, und was das für die Immobilienpreise selbst in Toplagen bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen.

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