Sonntag, 25. August 2019

Die tägliche Wirtschaftsglosse Der geheime Plan der Angela M.

Die Bundesregierung zeigt eine harte Haltung gegen die Euro-Partner, die Währungsunion droht am Ende des Tages auseinanderzubrechen? Nur zu! Dann werden wir statt Export- eben Importweltmeister.

Was ist nur mit Angela Merkel los? Versteht sie so wenig von Wirtschaft, dass sie auf dem EU-Gipfel die neue Maggie "I want my money back" Thatcher markieren muss? Begreift sie nicht die von Kommissionspräsident Barroso vorgebrachte Logik, dass Deutschland als größte Wirtschaftsmacht am meisten Interesse an einem stabilen Europa und damit an Finanzhilfe für Griechenland und Co. hat?

Arvid Kaiser
Arvid Kaiser
Mein Tipp: Die Kanzlerin weiß genau, was sie tut. Dank ihrer uckermärkischen Wurzeln kennt sie sicher den Spruch "Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim Wessi ist es andersrum". Und Merkel tut es dem Fuchs gleich.

Sie verfolgt einen Plan, der weit über die Landtagswahl in NRW hinausweist und der Zukunft unseres fleißigen Gemeinwesens dient.

Ihr Szenario dürfte in etwa so aussehen:

Phase 1 - Ob mit oder ohne IWF-Kredit, Griechenland und die anderen schwachen Euro-Länder werden zu hartem Sparen gezwungen, Löhne und Preise müssen dort um ein Drittel oder mehr sinken. Die Arbeitslosenzahlen schnellen in die Höhe. Gleichzeitig erhöht die EZB die Zinsen, hält damit die Inflation in Deutschland in Schach und beschleunigt die Abwärtsspirale im Süden. Der Euro Börsen-Chart zeigen verliert weiter an Wert, was kurzfristig den deutschen Exporteuren hilft.

Phase 2 - Das geht natürlich nicht lange gut. Die Bürger in den schwachen Euro-Staaten rebellieren gegen den Sparkurs, die Regierungen zerstreiten sich. Griechenland und Co. begreifen, dass sie wenig zu verlieren haben und riskieren Staatsbankrott und Austritt aus dem Euro.

Phase 3 - Die neuen nationalen Währungen schießen in unterschiedliche Richtungen davon. Drachme, Lira, Peseta fallen in den Keller. Kapital flieht massenhaft in die harte D-Mark, die drastisch aufwertet.

Phase 4 - Alle sind glücklich und zufrieden, der Frieden in Europa ist gesichert. Die Südländer können mit einem Schlag wieder auf dem Weltmarkt konkurrieren, genauso plötzlich verliert Deutschland die mit jahrelanger Lohnzurückhaltung erkaufte Wettbewerbsfähigkeit. Was soll's? Dafür bekommen wir irre viel Kaufkraft.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Statt an Werkzeugmaschinen zu tüfteln oder Autos zusammenzuschrauben, kaufen wir die Dinger lieber im Ausland. Frankreichs Finanzministerin Lagarde kann meckern wie sie will, wir kaufen die Austernbänke und Champagnerkeller leer. Unsere Liegeplätze an den Stränden von Antigua, Mykonos oder St. Tropez reservieren wir mit dicken Geldbündeln. Wir leben auch einmal über unsere Verhältnisse, und brauchen dafür nicht einmal Kredit. Hurra, wir werden Importweltmeister!

Geht es noch besser? Natürlich, in Phase 5 müsste wieder zwischen West- und Ost-Mark unterschieden werden. Aber so weit hat die Kanzlerin wohl doch nicht vorausgedacht.

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