Mittwoch, 11. Dezember 2019

Die tägliche Wirtschaftsglosse Gott schützt die Kaufhaus-Liebenden

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften liegen im Trend. Davon können sich am Ende des Tages auch Warenhauskonzerne nicht abkoppeln.

Es war die Zeitung DIE WELT, die sich einst bitter beklagte: Nun gebe es die Homo-Ehe, also die eingetragene Lebenspartnerschaft von Gleichgeschlechtlichen, schon seit dem 1. August 2001. Aber Deutschland warte immer noch auf die wirklich prominente Schwulen- oder Lesbenhochzeit. Anders hingegen England. Wo sich ein gewisser Sir Elton Hercules John (aus Middlesex) und ein Kanadier namens David Furnish (Toronto), kaum war das einschlägige Gesetz in Kraft, unter glamouröser Anteilnahme der Brit-Pop-Society zu Windsor spektakulär vermählten - tu felix britannia.

Dietmar Student
Dietmar Student
Sicher, wir haben Westerwelle und Mronz, auch Will und Meckel sind schon länger liiert, aber für eine publizistische Vollwerttrauung im - sagen wir mal - Boris-Becker-Stil hat es bislang nicht gereicht.

Nun hat das lange Warten auf den Casus promi ein Ende. Schon bald soll sich nämlich das gleichgeschlechtliche Produktepaar Karstadt und Kaufhof vereinigen, das es - was den Glitzerfaktor angeht - locker mit Elton John aufnehmen kann (und Pop-Musik wird dort auch immer irgendwo gespielt). Wohlgemerkt: Alles noch unter dem Siegel der Verschwiegenheit, aber immerhin schon unter einem Siegel, was einer standesamtlichen Beglaubigung schon recht nahe kommt.

Warenhausspanner wussten ja schon immer: Ja, die passen prima zueinander. Man hockte in vielen Innenstädten derart dicht zusammen, dass man einander bequem in die Auslagen blicken konnte. Im Schwung der Drehtüren entfalteten die Parfümerieabteilungen wechselseitig ihre aphrodisierende Wirkung. Eifersüchtig wurden die Kundenströme vice und versa beäugt. Mit einem heuchlerischen Beileidsschnief hatten die Liebenden den Niedergang von Nebenbuhlern wie Hertie oder Horten quittiert.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Wie sind nun die Aussichten, dass der Bund keiner fürs Sterben sondern einer fürs Leben ist? Im Prinzip gut. Klar, es sind die äußeren Werte, die man begehrt. Weil wir in die Seelen der Bilanzen lieber nicht schauen wollen.

Sei's drum. Jedenfalls gibt es jetzt, nach dem Kaufhaus-Vorspiel, durchaus Hoffnung auch für andere gleichgeschlechtliche Paare. BDI und BDA finden womöglich doch Gefallen aneinander, Mercedes und BMW vielleicht auch. Ja, sogar ADAC und ADFC könnten es mal miteinander probieren, schließlich verbindet beide eine tiefgründige Schlagloch-Aversion. Und in der hochzeitsaffinen Lebensmittelbranche berichten gut informierte Heiratsvermittler von einer knisternden Affäre, die einmal unter dem Doppelnamen "Aldilidl" in eine mutmaßlich harmonische Dauerbeziehung münden könnte.

Was aber, falls sich der Bund Karstadt/Kaufhof zum Schlechten wendet? Kein Problem. Auch Homo-Ehen können natürlich geschieden werden. In diesem Fall bietet sich die kambodschanische Methode an. Weil der Rechtsweg dort offenbar so lang ist, hat ein Paar aus Phnom Penh kurzerhand das gemeinsame Wohnhaus in der Mitte zersägt; ein Partner ist anschließend mit seiner Hälfte unbekannt verzogen. Eine solche Form der Gütertrennung scheint wie geschaffen für eine gescheiterte Warenhausliaison.

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