Die tägliche Wirtschaftsglosse Ein Hoch auf die Verblödung

Auf der Leipziger Buchmesse darf die Buchbranche wieder zeigen, was sie im vergangenen Jahr hervorgebracht hat. Mit dabei sind auffällig viele Werke über Verdummung. Am Ende des Tages ist das von den Verlagen gar nicht so blöd.

Mit Blödheit verdient man sich dumm und dämlich. Den Eindruck gewinnt man, wenn man dieser Tage durch die Buchhandlung seines Vertrauens schlendert: Zig Bücher über Idioten und Bescheuerte stehen da in den Regalen. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, selbst damit gemeint zu sein. Und irgendwie ziehen sie einen magisch an.

Allein die SPIEGEL-Bestsellerliste kann mit zwei Bekloppten-Büchern aufwarten, "Die verblödete Republik" auf Platz zwei und "Generation Doof" auf Platz zwölf. Beide Bücher versuchen dem mutmaßlich bereits verblödeten Leser auf anschauliche Art nahezubringen, warum es so weit kommen musste. In diesem Land, mit diesen korrupten Politikern und Wirtschaftsbossen und mit diesen unkritischen Medien kann es schließlich nur diese eine Sackgasse geben, die sich Massenverdummung nennt.

Das ist doch beruhigend. Verblödung kann man sich vorstellen wie Älterwerden. Irgendwie gruselt es einen bei dem Gedanken daran, dagegen tun kann man aber sowieso nichts. Da helfen noch nicht mal chirurgische Eingriffe.

Und wie wir also immer einfältiger werden, können wir uns in Ruhe den zahlreichen Büchern hingeben, die sich mit unserer Idiotie beschäftigen, etwa dem "Generation-Doof"-Nachfolger "Doof it yourself - Erste Hilfe für die Generation Doof", oder aber der Managerlektüre "Gemeinsam sind wir blöd!? - Die Intelligenz von Unternehmen, Managern und Märkten". Lesenswert sind auch diejenigen Werke, welche uns unsere Blödheit qua Buchtitel nur erahnen lassen, beispielsweise "Der Ehrliche ist der Dumme" von Ulrich Wickert oder der Bestseller des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar, "Sonst noch Fragen?".

Einer, der den Trend frühzeitig erkannt hat und ein Verblödungsbuch nach dem anderen auf den Markt schmeißt, ist der Autor Dieter Wischmeyer. Sein Erstlingswerk "Eine Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten" über deutschen Alltagsschwachsinn kam bereits 1997 heraus.

Das Buch muss wie bekloppt gekauft worden sein, denn bis zum heutigen Tag folgten ganze sieben Publikationen ähnlichen Zungenschlags. "Das Paradies der Bekloppten und Bescheuerten" aus dem Jahr 2000, "Das Schwarzbuch der Bekloppten und Bescheuerten" (2004), "Deutschbuch: Die Bescheuerten" (2005) oder "Deutschbuch: Die Bekloppten" (2006), um nur einige zu nennen. Ob es mit dem Titel "Die bekloppte Republik" (2009) Schwierigkeiten gab, weil im selben Jahr der oben erwähnte Bestseller "Die verblödete Republik" herauskam, ist nicht bekannt.

Statistisch könnte man es so ausdrücken: Die Wahrscheinlichkeit, finanziell erfolgreich zu sein, steigt signifikant mit der Menge an oder dem Vortäuschen von Blödheit. Das ist ein Trost, denn Beschränktheit zieht unbeschränkten Reichtum nach sich.

Warren Buffett hat das schon vor Jahren erkannt und ist damit irre reich geworden: "Man muss eine Firma kaufen, die jeder Idiot führen kann - bevor ein Idiot das Ruder übernimmt."

Am Ende des Vortages: Der alte Mann und die Börse

Anja Tiedge: Weise Strophen aus Athen