Die tägliche Wirtschaftsglosse Sparen mit Polanski

Kriminelle sitzen ihre Strafe im Gefängnis ab. Es sei denn, Arnold Schwarzenegger entdeckt sie am Ende des Tages als stille Reserve.

Wer rettet die Welt, wenn nicht Arnold Schwarzenegger? Als Gouverneur des Sonnenstaates Kalifornien befindet er sich finanziell schon länger in beengter Lage. Jüngst aber kam er auf die Lösung seiner Probleme. Und die taugt - wie fast alles von der Westküste - natürlich für den ganzen Erdball als Vorbild.

Was ist geschehen? Schwarzenegger hat ein Papier unterzeichnet, nach dem bald 30.000 Häftlinge aus kalifornischen Gefängnissen entlassen werden - noch bevor sie ihre eigentliche Strafe abgesessen haben.

30.000 Kriminelle, auf freiem Fuß, vorzeitig noch dazu - wenn das keine guten Nachrichten sind. Zwar muss man vernünftigerweise davon ausgehen, dass es sich dabei höchstens um 0,00001 Prozent der insgesamt in Kalifornien inhaftierten Gesetzesbrecher handeln kann. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht.

Schwarzeneggers eigentlicher Kniff erschließt sich jedoch erst auf den zweiten Blick. Durch die Massenentlassung spart Kalifornien 1,2 Milliarden Dollar. Und die werden rund um Hollywood dringend benötigt, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Wie ein Lauffeuer hat das weltweit die Runde gemacht. In Windeseile haben Regierungen Notsitzungen abgehalten und Pläne aufgestellt: Wie viele Gefangene haben wir, was kosten die, wie werden wir sie am schnellsten wieder los?

So auch in Berlin: Das Finanzministerium werkelt bereits an Plänen für eine Generalamnestie. Laut hoch geheimer Prioritätenliste (die manager magazin exklusiv vorliegt) werden jene, die sich in Freiheit am aktivsten für wirtschaftliches Vorwärtskommen engagieren, zuallererst wieder auf freien Fuß gesetzt. Steuersünder, Bilanzfälscher und ehemalige Bankmanager also.

Besonders interessiert verfolgt wird Schwarzeneggers Plan auch in einer Villa im schweizerischen Gstaad. Ein vollkommen irrtümlich per elektronischer Fußfessel unter Hausarrest gestellter polnisch-französischer Regisseur kämpft dort seit Wochen wie ein Löwe gegen seine Überstellung an die US-Justiz. Nach den neuen Entwicklungen, so ist zu hören, hat der Mann seine Strategie geändert.

Er drängt nun darauf, so schnell wie möglich überführt zu werden. Mit einem "Hasta la vista, baby" soll ihm sein Ex-Kollege dann persönlich den Weg in die Freiheit weisen.

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