Dienstag, 28. Januar 2020

Die tägliche Wirtschaftsglosse Ausflug ins Cockpit

So schnell kann es gehen: Weil die Lufthansa-Piloten streiken, müssen jetzt die Piloten aus dem Management ran, um die dicken Brummer über den Atlantik zu fliegen. Aber am Ende des Tages könnte das der Schlüssel zu einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts sein.

Seit heute streiken die Lufthansa-Piloten. Das Unternehmen tut alles, um wenigstens die lukrativeren Geschäftszweige wie den Frachtverkehr am Fliegen zu halten. Denn laut Lufthansa-Vizechef Christoph Franz kostet jeder Streiktag den Konzern auch so schon satte 25 Millionen Euro, also, nach allem, was man so liest, fast schon ein halbes Piloten-Monatsgehalt.

Maren Hoffmann
Maren Hoffmann
Glaubt man Personalchef Stefan Lauer, geht es den Piloten bei dem Streik nicht nur um sichere Arbeitsplätze, sondern vor allem um umfassende Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen. Allerdings wimmelt es im Management der Lufthansa schon jetzt von Piloten; etwa 150 gibt es dort. Die streiken nicht und müssen deshalb jetzt alle aus ihren Chefsesseln zurück ins Cockpit, um den Schaden durch Flugausfälle in Grenzen zu halten.

Diese brillante Idee wirft eine interessante Frage auf. Wenn die Unternehmensführung womöglich tagelang so leicht auf so viele Manager verzichten kann - was machen diese Leute sonst den ganzen Tag? Man kann es sich vorstellen: Sehnsuchtsvoll sitzen sie in ihren Ledersesseln und lassen den Blick nach oben schweifen, weit nach oben. Die Freiheit, sie wohnt schließlich über den Wolken, nicht im Büro, wer wüsste das besser als Piloten - nur kommt man als Manager dann doch nicht mehr ganz so oft dazu, sie dort zu suchen.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Allerdings gilt das nicht, diese Einschränkung muss man geltend machen, für die unternehmerische Freiheit, die traditionell allen möglichen Schwerkräften unterworfen ist. Wenn die Piloten aus dem Management jetzt gerne mal wieder öfter ins Cockpit steigen, weil die Piloten, die sonst dort sitzen, nicht fliegen, sondern lieber beim Management mitmischen wollen - dann liegt die Lösung doch auf der Hand. Schließlich sind da doch gerade, glückliche Fügung, ein paar Schreibtische frei.

So wäre dann allen geholfen: Die Manager dürfen endlich wieder mal so richtig abheben, und die Piloten können ins unternehmerische Bodenpersonal wechseln. Beim nächsten Streik kann man dann ja wieder zurücktauschen.

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