Sonntag, 25. August 2019

Die tägliche Wirtschaftsglosse Beim Frühstück zugebuttert

Um die reduzierte Mehrwertsteuer für Hotels hat es einen Riesenwirbel gegeben. Dabei könnte der Schuss für die Hotels durchaus nach hinten losgehen. Am Ende des Tages wären allein die Reinigungen die Gewinner dieser eigentümlichen Steuerreform.

An dieser Stelle meinen allerherzlichsten Dank an alle Leser, die mir so einfühlsam auf meine Einsamkeits-Glosse zwischen den Jahren geantwortet haben. Wow - Sie sind wirklich wunderbar! Mit Ihren vielen mitfühlenden, lustigen und aufmunternden Zuschriften haben Sie mich sehr glücklich gemacht. Danke, danke, danke - ich liebe Euch alle!

Eva Müller
Eva Müller
Aber jetzt zum Thema des Tages. Heute fiel mir auf, dass die günstigen 7 Prozent Mehrwertsteuer in deutschen Hotels ja nur fürs Schlafen gelten, nicht aber für andere Leistungen im Hotel - insbesondere nicht für das Frühstück. (Die Pornos schaut ja wohl ohnehin keiner, oder?)

Ganz böse Falle: Bisher nämlich zahlen wohlmeinende Arbeitgeber ihren Reisenden meist Übernachtung mit Frühstück. Das wird wohl in Zukunft nicht mehr gehen - schließlich gelten da unterschiedliche Steuersätze. Die Posten müssen getrennt ausgewiesen werden und bei der Spesenabrechnung entsteht ein heilloses Durcheinander - erzählen mir jedenfalls die armen, geplagten Seelen aus der Personalabteilung. Weil das Hotelfrühstück selbst in 3-Sterne-Häusern oft mit 19,90 Euro zu Buche schlägt und pro zusätzlichem Stern gerne noch je zehn Euro drauf kommen, müsste diese übermäßige Summe vom Spesen futternden Mitarbeiter als geldwerter Vorteil versteuert werden. Das nervt!

Deshalb haben Firmen, deren Mitarbeiter quasi in Hotels leben - die Unternehmensberatung McKinsey zum Beispiel - jetzt neue Dienstanweisungen erlassen: Sie erstatten das Frühstück nicht mehr. Dafür ziehen sie aber auch nicht mehr die in der Spesenpauschale vorgesehenen 4,80 Euro für das Morgenessen vom Tagesbetrag von 12 Euro ab.

Okay, nun verdienen McKinsey-Berater nicht wirklich schlecht. Vielleicht wird der eine oder andere dennoch aus eigener Tasche 20 bis 30 Euro für Kaffee, Croissant und Orangensaft aus der Tüte (in der 30-Euro-Klasse manchmal auch frisch gepresst) abdrücken. Die Mehrzahl der Geschäftsreisenden aber wird sich wohl in Coffeeshops mit der morgendlichen Koffeindosis und einem Fetthörnchen versorgen.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Dafür könnten die 4,80 Euro knapp reichen. Einen kleinen Moment, bitte - ich gehe mal recherchieren ... 15 Minuten später: Bei Tchibo nebenan bleibt sogar was über. Breakfast bei Starbucks dagegen könnte zum neuen Statussymbol der Businessgemeinde werden. Oder die hungrigen Frühaufsteher warten einfach auf den ersten Termin und verschlingen die Pappkekse im Konferenzraum - wenn die nicht mit dem Hinweis auf die Krise längst gestrichen wurden.

Nun gestehe ich gerne, dass ich keine Ahnung habe, ob die Hotels überhaupt irgendetwas am teuren Frühstück verdienen. Wenn sie ohnehin nur zubuttern (wie schön dieser Ausdruck hier passt!), wünschen sie sich vielleicht ja, dass weniger Gäste zum Buffet pilgern. Sollten die Morgenhappen allerdings lukrativ sein, dann könnte die schöne Kalkulation mit der geringeren Mehrwertsteuer schnell zum Rohrkrepierer werden. Was bei den Betten reinkommt, geht beim Restaurant gleich wieder verloren. Aufklärende Informationen zu diesem Thema nehme ich gerne per Mail entgegen.

Wie dem auch sei: Eine Branche freut sich auf jeden Fall über den verstärkten Trend zum Coffee to Go: die Reinigungen. Denn der vermehrte Verzehr brühend heißer und fleckenintensiver Getränke im Gehen durch gut gekleidete Menschen führt unweigerlich zu häufigeren Waschzyklen für die edlen Hemden und Hosen.

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