Die tägliche Wirtschaftsglosse Schlauer Bauer

Endlich wieder ein Rückblick! Diesmal: Wer hat im Kampf gegen die Krise eigentlich am meisten Humor bewiesen? Schon wieder Herr zu Guttenberg? Nein. Am Ende des Tages ist doch niemand schlauer als der deutsche Bauer.

Wer wirklich Wichtiges zu berichten hat in diesen Tagen, der tut das in Form eines Rückblicks. Die besten Manager, die tollsten Erfolge - die dümmsten Entscheidungen, die größten Pleiten. So was eben.

Klar, dass wir da keine Ausnahme machen können. Unser Thema lautet: Von wem kam in der Krise bisher eigentlich die originellste Idee zur Lösung wirtschaftlicher Probleme?

Ja, wir wissen es: Die Schar der Kandidaten ist gewaltig. Wir haben aber eine Vorauswahl getroffen.

Karl-Theodor Freiher von und zu Guttenberg etwa ist darunter. Der unvermeidliche, allgegenwärtige Herr zu Guttenberg. Im Mai regte er an, Opel in die "geordnete Insolvenz" zu entlassen. In die geordnete Insolvenz. Inzwischen, da dem Adelsmann endlich alle Informationen zur Verfügung gestellt wurden, dürfte eine Neubewertung nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Und Peter Sodann, Tatort-Kommissar und in der Geschichte bislang kuriosester Anwärter auf das Amt des Bundespräsidenten. Vom Wahlkampf überfordert sinnierte der Oststar öffentlich über eine Lösung der Finanzkrise. Sein naheliegender Gedanke: Er würde gerne mal Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verhaften.

Diese beiden Vordenker gilt es noch zu toppen. Und das schaffen nach unserer Meinung nur: die Milchbauern.

Im "Stern" erschien vor einiger Zeit ein doppelseitiges Bild, auf dem sehr viele Trecker mit Anhängern auf einem Acker zu sehen waren. Aus den Anhängern spritzte eine weiße Flüssigkeit. Der "Stern" schrieb, Bauern würden nahe der belgischen Stadt Ciney etwa drei Millionen Liter Milch wie Gülle auf ihre Felder kippen, wegen des Verfalls der Milchpreise. Allein in Deutschland, hieß es, fürchten 80 Prozent der 100.000 Milchbauern, ihre Ställe dichtmachen zu müssen. Wie man weiß, haben deshalb auch hierzulande schon viele Bauern ihre Milch weggekippt.

So einen klugen Ansatz hatte man den Bauern gar nicht zugetraut: Sie setzten offensichtlich darauf, dass das Vernichten von Milch in großen Mengen dazu führt, dass die Milchpreise wieder steigen. Und zwar so sehr, dass 80.000 von 100.000 Milchbauern ihre Ställe wieder öffnen können.

Das Beispiel macht schon Schule. Die Autobranche etwa befindet sich ja gerade in Auflösung, weil der Bund keine Abwrackprämien mehr verschenkt. Jetzt sollen Neuwagen verschrottet werden, um die Preise nach oben zu schrauben.

Die Verlage sind ebenfalls aufgewacht. Auch dieser Wirtschaftszweig geht bekanntlich den Bach runter. Jetzt bietet sich eine Kooperation an: Die Bauern kippen ihre Milch auf frische Zeitungen. Davon profitieren beide.

Am meisten jubelt aber das notleidende Geldgewerbe. Man sieht es vor sich: 2010 im Kanzleramt. 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Society. Knallende Korken, Hummer, schöne Frauen (Peter Sodann wurde nicht eingeladen).

"Schön, dass das wieder geklappt hat", sagt Ackermann im Morgengrauen, die Hand schon am Mantel. "Und vergessen Sie nicht: Wir brauchen mehr Unterstützung, sonst geht die Misere nie vorbei."

Merkel nippt an der Schaumweintulpe: "Die Milliarden müssen reichen."

Darauf Ackermann (macht eine Drohgebärde mit einem seiner Geburtstagspräsente): "Ich warne Sie, wir können das Geld auch aus dem Fenster werfen."