Die tägliche Wirtschaftsglosse Feiern wie Scrooge

Es gibt sie noch, die Blase. Irgendwo in den weiten Sphären der Finanzwelt wabert sie munter vor sich hin. Doch am Ende des Tages wird sie platzen - und zwar in ziemlich genau drei Tagen. Bis dahin haben wir aber noch genug Zeit gegenzusteuern.

Geraten Sie jetzt bloß nicht in Panik. Klar, es sind nur noch drei Tage bis Heiligabend. Und natürlich, uns allen kribbelt es jetzt in den Füßen: Höchste Zeit, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Doch bevor Sie planlos durch den nächstbesten Laden irren, halten Sie einen Moment inne. Atmen Sie tief durch, und entspannen Sie sich. In diesem Jahr können Sie die Präsentepanik nämlich getrost vergessen. Die Weltwirtschaft wird es Ihnen danken.

Was die Weltwirtschaft mit dem Toaster zu tun hat, den Sie Oma unter den Tannenbaum legen wollten? Nun, da gibt es durchaus einen Zusammenhang. Und der, so der amerikanische Wissenschaftler Joel Waldfogel, hat gigantische Auswirkungen. Denn während einem der 50 Dollar teure Pullover, den man sich selbst kauft, genauso viel oder sogar mehr wert ist, ist bei Geschenken das Gegenteil der Fall. Fragt man nämlich die Beschenkte, was sie für die Uhr ausgeben würde, die der Gatte nach tagelangen Streifzügen durch die Schmuckläden ergattern konnte, ist das meist nur ein Bruchteil des tatsächlich gezahlten Preises.

Waldfogel schätzt, dass Weihnachtsgeschenke im Schnitt 20 Prozent weniger wert sind als Dinge, die man sich selbst kauft. Alles in allem verpuffen so jeden Winter 13 Milliarden Dollar - allein in den USA. Da das Phänomen in ziemlich allen übersättigten christlichen Ländern auftritt, könnte es weltweit sogar eine Viertel Billion Dollar sein. "Scroogenomics" nennt Waldfogel das Phänomen, nach dem griesgrämigen Geizhals Scrooge aus Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte".

Halleluja! Endlich haben wir es schwarz auf weiß: Geschenke haben ökonomisch keinen Sinn. Dieses Jahr bleibt die Sicht auf den Christbaum unverstellt. Schließlich gilt es, die nächste große Blase zu verhindern! Da helfen auch keine glasigen Kinderkulleraugen, die sich suchend nach den sehnlichst gewünschten Transformers-Figuren umblicken. Für wen tun Sie das Ganze denn? "Für die Wirtschaft, ergo für die nächste Generation, ergo für Dich!", sollte Ihre Argumentationskette in diesem Moment lauten. Das versteht jedes Kind.

Und lassen Sie sich ja nicht von antiquierten Argumenten einlullen à la "Aber Weihnachten ist doch das Fest der Liebe". Eben drum! Im Advent haben wir endlich Zeit, auch mal an andere zu denken als an uns. Wofür könnte man die Milliardensummen nicht alles ausgeben, die wir am Heiligen Abend binnen Minuten vernichten? Das sollte sich die KfW mal erlauben.

Wer es mit der Weltwirtschaft besonders gut meint, kann sogar noch weitergehen. Verzichten Sie etwa auf einen Adventskalender, sparen Sie 24 Tage lang jeweils 40.000 Britische Pfund. So viel ist der Genuss von Schokolade nämlich in Geld ausgedrückt wert, sagen britische Forscher. Ein Lachen kostet 108.000 Pfund und ein "Ich liebe Dich" ist sage und schreibe 165.000 Pfund wert. Möchten Sie, dass diese Summen einfach so verpuffen? Na bitte.

Machen Sie es deshalb wie Scrooge, und verkneifen Sie sich dieses Jahr Geschenke, Schokolade, Lachen und Liebesbekundungen - sind allesamt hoffnungslos überbewertet.

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