Die tägliche Wirtschaftsglosse Plastikholz und Müffelsauna

Die Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen im Hotel gilt landläufig als teures Hirngespinst. Dabei haben am Ende des Tages gerade die Hoteliers in Oberbayern staatliche Unterstützung besonders nötig.

Wer in den vergangenen Jahren in Oberbayern Urlaub gemacht hat, kann verstehen, warum gerade Horst Seehofer, der Ministerpräsident der beliebtesten Ferienregion der Republik, so vehement für die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent eintritt. Ja, er wird sogar eine vollständige Abschaffung dieser unsäglichen Belastung für die bayerischen Hoteliers fordern. Ach was, eine Spendenaktion für die darbende Beherbergungsbranche ruft er spontan ins Leben.

Noch zu gut erinnert sich der Reisende an die dunkelbraunen Möbel aus ländlich strukturiertem Plastikholz, die, wohl in den 70er Jahren eingebaut, in dem angeblichen Vier-Sterne-Hotel grauenhafte Gemütlichkeit verbreiten sollten.

Dazu die orange gemusterten Vorhänge aus derselben Periode, die so apart kontrastierten mit den gelblich-verfärbten Kacheln im Bad, deren unzähligen Haarrisse schon kurz nach dem Einbau in den 50er Jahren entstanden.

Ganz zu schweigen von der unvermeidlichen Wellnessabteilung im Keller - eine winzige Sauna mit dunkel verfleckten Sitzbänken, ein müffelndes Dampfbad aus Vollkunststoff und der Ruheraum gleich neben den Öltanks, denen nervenberuhigender Naphtageruch entströmte.

Keine Frage, der Chef dieses Hauses braucht dringend Geld für eine Renovierung seines Etablissements. Und woher soll das schon kommen, wenn nicht aus einer Steuersenkung? Daher kommt doch in Deutschland jede Form von Wachstum. Ist doch bekannt, dass Unternehmer nur dann investieren, wenn sie weniger Steuern zahlen müssen.

Am Ende des Vortages: Meuchelmord am Heuchelwort - die Glosse vom 1.12.

Eva Müller: Leggins, Schulterpolster, DNA-Sequenzen

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