Feierabendglosse Zeit für den kleinen Mann

Mal schnell mit dem Firmenjet Brötchen holen fliegen - die Zeiten sind vorbei. Wird jetzt sogar die Lufthansa zum Billigflieger? Erste Zeichen deuten darauf hin. Am Ende des Tages zählt allerdings nur eines: Wahre Größe, auch im Kleinen.

In der Krise müssen wir alle näher zusammenrücken. Die Lufthansa fängt schon mal an: Im Europaverkehr wird der Abstand zwischen den Sitzen verringert - so können mehr Leute in einem Flugzeug unterkommen. Vielleicht sollte die Lufthansa in diesem Zusammenhang gleich noch mal ihre Bestellung bei Airbus überarbeiten. 15 Riesenflieger des Typs A380 hat sie in Auftrag gegeben, die ersten fünf sollen im kommenden Jahr ausgeliefert werden - mit einer Durchschnittsbestuhlung von rund 550 Plätzen. Ganz klar das falsche Signal. Da geht noch mehr.

Die französische Air Austral zeigt, wie: Sie hat jetzt als erste Fluggesellschaft zwei A380 in der Version für 840 Passagiere gekauft. Wahrscheinlich kannten die verantwortlichen Manager die Studie der Staatsuniversität Ohio, die vor einigen Jahren mehrere Tausend Skelettfunde nordeuropäischer Menschen aus dem 9. bis zum 19. Jahrhundert untersuchte. Im frühen Mittelalter war das Klima mild, die Versorgungslage prima, und die Leute wurden im Durchschnitt mehr als 173 Zentimeter groß. Goldene Zeiten, große Menschen.

Seit dem 12. Jahrhundert wurden die Leute dann nachweisbar immer kleiner. "Funde in Frankreich", ist bei Wikipedia zu lesen, "lassen sogar auf 161 Zentimeter bei den Männern schließen." Schlechte Zeiten, mieses Wetter, kleine Kerle. Diese Steilvorlage für gehässige Kommentare zum politischen Führungspersonal der Grande Nation überlassen wir großzügig den Kollegen aus den Politikressorts. Wir stellen nur nüchtern fest: In der Krise wird der Mensch kleiner. Schrumpft die Wirtschaft, schrumpft auch der Mensch.

Am Ende des Tages kann man in die neuen großen Lufthansa-Maschinen vielleicht sogar noch ein weiteres Zwischendeck einziehen und nicht nur den Sitzabstand zu Vor- und Hintermann, sondern auch den nach oben und unten verringern - dann wird es auch in der Business Class erst richtig lauschig.

In allerletzter Konsequenz können kriselnde Unternehmen vielleicht nicht nur bei den Gehältern kürzen, sondern auch bei den Managern selbst. Denn kleine Männer kosten weniger, vor allem im Unterhalt. Im Schlussverkauf gibt es immer sehr schöne hochwertige Herrenhemden und Anzüge - allerdings nur in Größe S. Der Mann der Zukunft, es ist der kleine Mann.

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