Feierabendglosse In Lichtgeschwindigkeit

Sie glauben, das Internet mache das Leben schneller und besser? Sie nutzen Onlinenews, Blogs und Twitter und sind im Rennen um den besten Informationsstand immer vorne mit dabei? Freuen Sie sich, denn am Ende des Tages können Sie noch einen Turbo dazuschalten: die Stromsparlampe.

Ist es nicht toll, wie alles immer schneller wird? Mit jedem Patent drücken die Erfinder noch ein bisschen doller aufs Gaspedal.

Zum Beispiel das Internet, vor dem Sie ja gerade sitzen. Seit es den Onlinejournalismus gibt, sind die gedruckten Medien auf verlorenem Posten, das weiß heute jeder.

Denn im Web wird eine Nachricht schon falsch veröffentlicht, innerhalb von 60 Minuten dreimal korrigiert, dann bis zu fünfmal weitergedreht, analysiert und kommentiert, während gleichzeitig etliche Seiten und Blogs sie wiederum kopieren (also klauen), kommentieren und weiterdrehen sowie über die ursprüngliche Falschmeldung und die Korrekturen lästern - und das alles noch bevor eine routinierte Zeitungsredaktion erkennt, dass die Meldung unerheblich ist und deshalb nicht ins Blatt kommt.

Das Internet ist aber kalter Kaffee gegenüber dem, was jetzt kommt. Noch während ich dies schreibe, erleben wir den Eintritt in eine neue Dimension der Geschwindigkeit. Die Rede ist von: der Stromsparlampe.

Die ganze Genialität dieser Entwicklung ist mir bewusst geworden, als ich kürzlich in meinem dämmerigen Werkzeugraum stand. Während ich nämlich ungefähr 20 Minuten lang darauf wartete, dass die dort installierte Stromsparlampe endlich ihre volle Leuchtwirkung entfaltet, dachte ich: "Wow, was hätte ich in dieser Zeit nicht alles machen können."

Und weil noch Zeit war, wurde mir auch noch klar, die Ingenieure müssen sich genau das auch gedacht haben: "Wow, was kann man in der Zeit, bis die Lampe richtig leuchtet, nicht alles machen."

Oder andersrum: Was für eine Zeitverschwendung war das bisher. "Knips" (Druck auf den Schalter) und das Licht ist an. Selbst die ausgebufftesten Web-Zwo-Nuller haben größte Mühe, innerhalb dieses Sekundenbruchteils zwischen "Knips" und "Licht brennt" den entsprechenden Twitter-Eintrag zu schaffen ("Ich schalte gerade das Licht im Werkzeugraum ein").

Die Stromsparlampe dagegen eröffnet uns neue Welten des Zeitmanagements. Wir können nun den Schalter betätigen, zum Beispiel um uns gemütlich aufs Sofa zu setzen und die Zeitung zu lesen. Während die Lampe dann darauf hinarbeitet, ihrer Aufgabe nachzukommen, setzen wir uns noch rasch ans Notebook, checken die wichtigen Blogs und Twitter-Accounts, gucken natürlich auch auf der Website unserer Zeitung, finden dort fast alle Texte aus der aktuellen Ausgabe und lesen uns durch, was uns gefällt.

Dann gehen wir zurück zum Sofa. Wenn wir uns beeilen, können wir die Lampe dort noch ausschalten, bevor sie leuchtet.

Am Ende des Freitages: Mehr Schnaps, mehr Spiele - die Glosse vom 13. 11.

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