Feierabendglosse Mehr Schnaps, mehr Spiele

Die Rezession ist vorbei, wird jetzt alles gut? Nein, denn die Krise hat uns fett und träge gemacht. Während China wieder Wachstumsraten von 10 Prozent anpeilt, haben wir es uns mit Daddelkonsole, Schnapspulle und Schokolade auf der Couch bequem gemacht. So klappt es am Ende des Tages nicht mit dem Aufschwung.

Wenn Konsumforscher die Begriffe Homing und Cocooning in den Mund nehmen, wird es gefährlich. Leider war das zuletzt sehr häufig der Fall. Während die Wirtschaft beinahe in sich zusammenbrach, beschworen Trendexperten den Rückzug der Menschen aufs heimische Sofa.

Ungünstigerweise hatten sie Recht. Als Krisengewinner haben sich inzwischen zahlreiche Branchen ausgerufen, die von der Tendenz zum Stubenhocken profitieren. Sie bringen einen neuen Typ Verbraucher mit hervor, der es sich in der Rezession bequem gemacht hat und praktisch nur noch die Dinge kauft, die ihm sein Dasein im Schaukelstuhl versüßen. Er konsumiert insgesamt weniger - aber mehr von den Dingen, die schön träge machen.

Es begann in Amerika, dem Land der fettbewehrten Couch Potatos. Kaum segnete die Investmentbank Lehman Brothers das Zeitliche, schnellte der Absatz von Daddelstationen nach oben - so verkaufte Nintendo im Krisenjahr 2008 gut 60 Prozent mehr Konsolen in den USA.

Möbelhersteller erkannten auch bei uns ihre Chance sofort und sahen sich dank eines Booms im Couchsegment auf der Gewinnerstraße. Erst die Abwrackprämie - von den Einrichtungsfirmen heftigst kritisiert - erinnerte die bereits erlahmenden Verbraucher an die Welt da draußen. Seitdem sie ausgelaufen ist, droht endgültige Erstarrung.

Hauptsache, es knallt. Meldungen aus der Getränkeindustrie lassen Schlimmes ahnen. Firmen wie Rémy-Cointreau und Pernod Ricard berichten, es werde mehr gesoffen, und zwar bevorzugt harte und billige Drinks. Anlässe, Champagnerkorken knallen zu lassen, gibt es eben kaum noch - beim Luxusgesöff bricht der Absatz ein.

So sieht's aus: Halbnüchtern, bestenfalls, hängt der Konsument der Generation Krise vor dem Flachbildschirm und wartet auf den Aufschwung, statt selbst anzupacken. Während Länder wie China schon wieder die 10-Prozent-Marke als Wachstumsziel ausrufen, hängen wir auf der Couch ab. Aber auf der haben wir es wenigstens schön bequem.

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