Interesse an MGM Studios Amazon macht Jagd auf 007

Die Pandemie zwingt die internationale Medienbranche zur Konsolidierung. Erst am Montag hatte sich AT&T von seiner Mediensparte verabschiedet, nun könnte auch das James-Bond-Studio MGM einen neuen Besitzer erhalten.
"No Time to Die" for MGM? Das Hollywood-Studio, das vor allem für seine James-Bond-Filme bekannt ist, leidet unter den geschlossenen Kinos - die Streamingangebote boomen dagegen

"No Time to Die" for MGM? Das Hollywood-Studio, das vor allem für seine James-Bond-Filme bekannt ist, leidet unter den geschlossenen Kinos - die Streamingangebote boomen dagegen

Foto: MLADEN ANTONOV / AFP

Die internationale Medienbranche bleibt nach zwei großen Deals offenbar weiter in Bewegung. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll der weltgrößte Onlinehändler Amazon an den Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios interessiert sein. Wie die "Financial Times" ("FT") und weitere Medien wie "The Information" und "Variety" am Dienstag berichteten, befindet sich Amazon seit Wochen in Verhandlungen über einen Kauf von MGM für rund neun Milliarden US-Dollar (7,4 Milliarden Euro). Mit dem Filmstudio könnte Amazon seinen Streamingdienst Prime Video im zunehmend harten Wettbewerb stärken. Amazon und MGM wollten sich gegenüber der "FT" und "Variety" dazu nicht äußern.

Dem 1924 gegründeten Hollywood-Studio, das für sein Firmenlogo mit dem brüllenden Löwen bekannt ist, gehört die gesamte James-Bond-Filmbibliothek. Zudem betreibt MGM den Kabelkanal Epix. Darüber hinaus produziert das Studio bekannte Fernsehserien wie "The Handmaid's Tale", "Fargo" und "Vikings".

MGM ist eines der wenigen noch nicht von einem Großkonzern geschluckten Hollywood-Filmstudios. Die Konkurrenz von Warner Bros. ("Game of Thrones") gehört noch zu AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney, Universal zum Kabelkonzern Comcast, und Paramount zum Medienkonzern Viacom CBS. Größter Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.

AT&T verkauft Mediensparte an Discovery

Erst Anfang dieser Woche hatte die Konsolidierungswelle in der Branche dafür gesorgt, dass der US-Telekomriese AT&T seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Angebot des Rivalen Discovery zusammenlegen will, um sich wieder auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Die Konkurrenz in der Branche ist zu groß, AT&T konnte nicht mithalten und Telekommunikations- und Medienkonzern in einem sein. In Europa wollen die französischen Fernsehfirmen M6 und TF1 zusammengehen, große Aktionäre sind der französische Mischkonzern Boygues und die luxemburgische Mediengruppe RTL.

MGM hat wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung "No Time to Die" aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Videostreaming zu Hause. Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Produktion und Lizenzen von Video- und Musikinhalten vergangenes Jahr von 7,8 auf elf Milliarden Dollar hoch. MGM bietet neben Filmen auch in kleinerem Stile Serien an.

Vergangenes Jahr soll der Streaming-Platzhirsch Netflix auch Interesse daran gezeigt haben, die Exklusivrechte für den neuen James-Bond-Kinofilm aus den MGM-Studios zu kaufen. Dem Streamingdienst war dem Vernehmen nach letztlich aber der aufgerufene Preis zu hoch.

mg/dpa-afx, Reuters
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