Hollywood-Studio mit neuem Besitzer Amazon schnappt sich James Bond

Nun ist es offiziell: Amazon übernimmt für rund 8,45 Milliarden Dollar die MGM-Filmstudios, die die Rechte an der "James Bond"-Filmreihe hält. Die Konsolidierung der Medienbranche setzt sich damit fort.
Der wohl bekannteste Agent aller Zeiten: Das Hollywood-Studio MGM ist vor allem für seine James-Bond-Filme bekannt

Der wohl bekannteste Agent aller Zeiten: Das Hollywood-Studio MGM ist vor allem für seine James-Bond-Filme bekannt

Foto: Michael Sohn / AP

Paukenschlag in der Medienbranche: Amazon hat die Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios übernommen, wie der weltgrößte Onlinehändler am Mittwoch mitteilte und damit Spekulationen von vor rund einer Woche bestätigte. Der Konzern zahlt rund 8,45 Milliarden Dollar (6,9 Milliarden Euro) für MGM. Das ist die zweitgrößte Akquisition der Unternehmensgeschichte nach dem Kauf des Lebensmittelhändlers Whole Foods im Jahr 2017 für knapp 14 Milliarden Dollar und ein hoher Aufschlag: Der Betrag ist der Nachrichtenagentur Reuters zufolge etwa 37 Mal so hoch wie das geschätzte Ebitda von MGM für 2021.

Im harten Konkurrenzkampf mit dem Streamingpionier Netflix und den jüngeren Wettbewerbern Walt Disney und Apple kann Amazon nun seinen Streamingdienst Prime mit rund 200 Millionen Abonnenten deutlich stärken. Amazon-Aktien  legten zuletzt um 0,2 Prozent zu, bei Netflix  bröckelte der Kurs dagegen ab.

Mit der Übernahme des 1924 gegründeten Hollywood-Studios, das für sein Firmenlogo mit dem brüllenden Löwen bekannt ist, erweitert Amazon um einen Schlag seine Filmbibliothek um ein Vielfaches. MGM gehört die gesamte James-Bond-Filmreihe sowie eine Bibliothek aus mehr als 4000 Streifen wie "Rocky" und "Robocop". Zudem betreibt MGM den Kabelkanal Epix und produziert bekannte Fernsehserien wie "The Handmaid's Tale", "Fargo" und "Vikings".

Streamingdienste boomen in der Pandemie

MGM war bisher eines der wenigen noch nicht von einem Großkonzern geschlucktes Hollywood-Filmstudios. Die Konkurrenz von Warner Bros. ("Game of Thrones") gehört noch zu AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney, Universal zum Kabelkonzern Comcast, und Paramount zum Medienkonzern Viacom CBS. Größter Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.

Die MGM-Studios leiden wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos, der Start der Blockbuster-Hoffnung "No Time to Die" aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Videostreaming zu Hause. Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Produktion und Lizenzen von Video- und Musikinhalten vergangenes Jahr von 7,8 auf elf Milliarden Dollar hoch.

AT&T verkauft Mediensparte an Discovery

Erst Anfang vergangener Woche hatte die Konsolidierungswelle in der Branche dafür gesorgt, dass sich der US-Telekomriese AT&T dazu entschieden hat, seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Angebot des Rivalen Discovery zusammenzulegen, um sich wieder auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Die Konkurrenz in der Branche ist zu groß, AT&T konnte nicht mithalten und Telekommunikations- und Medienkonzern in einem sein. In Europa wollen die französischen Fernsehfirmen M6 und TF1 zusammengehen, große Aktionäre sind der französische Mischkonzern Boygues und die luxemburgische Mediengruppe RTL.

MGM hat wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung "No Time to Die" aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Videostreaming zu Hause. Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Produktion und Lizenzen von Video- und Musikinhalten vergangenes Jahr von 7,8 auf elf Milliarden Dollar hoch. MGM bietet neben Filmen auch in kleinerem Stile Serien an.

Vergangenes Jahr soll der Streaming-Platzhirsch Netflix auch Interesse daran gezeigt haben, die Exklusivrechte für den neuen James-Bond-Kinofilm aus den MGM-Studios zu kaufen. Dem Streamingdienst war dem Vernehmen nach letztlich aber der aufgerufene Preis zu hoch.

mg/dpa-afx, Reuters, AP
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