Versicherungsriese Abschreibungen lassen Gewinn der Allianz schrumpfen

Operativ legt die Allianz zu, doch unter dem Strich drücken Abschreibungen den Gewinn deutlich. Vorstandschef Oliver Bäte sieht seinen Konzern zwar auf Kurs, Investoren reagieren jedoch zurückhaltend auf die Geschäftszahlen.
Aktie fällt: Allianz-Chef Oliver Bäte kann die Anleger mit dem neuen Zahlenwerk am Freitag nicht ganz überzeugen

Aktie fällt: Allianz-Chef Oliver Bäte kann die Anleger mit dem neuen Zahlenwerk am Freitag nicht ganz überzeugen

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Abschreibungen auf Kapitalanlagen und andere Belastungen haben dem Versicherer Allianz trotz eines verbesserten Tagesgeschäfts im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro und damit 23 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte der Dax-Konzern am Freitag in München mit.

Der operative Gewinn legte hingegen um 5 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu. Analysten hatten im Mittel 3,3 Milliarden Euro erwartet. Im operativen Geschäft profitierte Deutschlands größter Versicherer unter anderem von höheren Preisen und mehr Verträgen in der Sachversicherung. Vorstandschef Oliver Bäte (57) sieht die Allianz auf Kurs, in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn zwischen 12,4 und 14,4 Milliarden Euro zu erreichen.

Bei den Anlegern konnte die Allianz mit ihren Zahlen zunächst nicht punkten. Auf Tradegate verloren die Aktien  zuletzt 0,9 Prozent zum Xetra-Schluss. Ein Händler bezeichnete das zweite Jahresviertel als durchwachsen und auf den ersten Blick als nicht überzeugend.

Schaden- und Unfallsparte punktet, Lebensversicherung leidet

Im zweiten Quartal steigerte die Allianz ihren Umsatz – die Summe aus Beitragseinnahmen und Fondsgebühren - um 8 Prozent auf 37,1 Milliarden Euro. Den größten Zuwachs verzeichnete dabei die Schaden- und Unfallsparte mit einem Plus von 16 Prozent. Rund die Hälfte des währungsbereinigten Wachstums in der Sparte sei auf Preiseffekte zurückzuführen, erklärte der Versicherer. Nur im Sach-Geschäft war auch das operative Ergebnis mit 1,6 Milliarden Euro höher als vor einem Jahr.

Die Lebensversicherung litt dagegen unter den schwankenden Finanzmärkten, die die Kapitalanlage-Margen belasteten. Der operative Gewinn der Lebens- und Krankenversicherung sank um rund 13 Prozent.

Vermögensverwaltung: Anleger ziehen 34 Milliarden ab

Der Abwärtstrend an den Finanzmärkten wirkte sich auch auf die Asset-Management-Sparte aus. Die Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors (AllianzGI) kassierten weniger Erfolgsprovisionen. Zudem zogen die Anleger zwischen April und Juni 34 Milliarden Euro ab. Dadurch und wegen Kursverlusten schrumpfte das für Dritte verwaltete Vermögen um fast 200 Milliarden auf 1,77 Billionen Euro. Der operative Gewinn der Töchter Pimco und Allianz Global Investors sank um knapp 7 Prozent.

Der Skandal um Milliardenverluste von US-Investoren mit Hedgefonds der Vermögensverwaltungs-Tochter AllianzGI hatte das erste Quartal überschattet. Nachdem die Allianz 5,6 Milliarden Euro dafür zurückgestellt hat, halbierte sich der Nettogewinn nach Anteilen Dritter im ersten Halbjahr auf 2,27 (2021: 4,79) Milliarden Euro. Gut 100 Millionen Euro Belastungen fielen im zweiten Quartal noch im Zuge der Abwicklung des US-Geschäfts von AllianzGI an, die die US-Behörden verlangt hatten. Ein Großteil der Mitarbeiter dort verlieren dabei ihre Jobs.

rei/dpa-afx/Reuters
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