Übernahme in Frankreich Allianz plant offenbar Milliardendeal

Der Versicherungsriese verhandelt offenbar über die Übernahme von Teilen des Aviva-Geschäfts. Vor allem das Unfall- und Schadensgeschäft hat es den Deutschen angetan.
Offenbar kaufwillig: Allianz-Boss Oliver Bäte.

Offenbar kaufwillig: Allianz-Boss Oliver Bäte.

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Die Allianz  schielt Insidern zufolge auf eine Übernahme in Frankreich. Der Münchner Versicherungsriese unter Führung von Konzernchef Oliver Bäte (55) habe sich mit dem Abwicklungs-Spezialisten Athora zusammengetan, um die Tochter des britischen Rivalen Aviva in Frankreich zu übernehmen, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, es gehe um ein Volumen von zwei bis drei Milliarden Euro. Exklusive Gespräche gebe es aber noch nicht.

Die neue Aviva-Chefin Amanda Blanc (53) will den Versicherer auf Großbritannien, Irland und Kanada fokussieren. Die Managerin, die früher lange bei der Axa war (zuletzt als Europa-Chefin) hat den Posten erst im Juli 2020 übernommen. Frankreich ist die größte Auslandstochter von Aviva. 2019 trug sie 473 Millionen Pfund und damit fast die Hälfte zum operativen Gewinn des Europa-Geschäfts bei. Die Allianz und Athora – hinter der der US-Finanzinvestor Apollo steht – würden sich das Unternehmen wohl aufteilen: Die Allianz ist nur an der Schaden- und Unfall-Sparte von Aviva interessiert, Athora würde das Lebensversicherungsgeschäft abwickeln.

Die Allianz bekäme damit die Chance, auch in Frankreich unter die ersten Drei auf dem Markt zu kommen. Die führenden Positionen sind derzeit von zwei Gegenseitigkeits-Versicherern und dem Platzhirsch Axa besetzt. Allianz-Chef Bäte hat oft klargemacht, dass er nur in der Sachversicherung, nicht aber in der Leben-Sparte zukaufen will. Es gibt allerdings noch eine Reihe weiterer Interessenten: Auch Axa, die italienische Generali und die französische La Mondiale haben ein Auge auf Aviva Frankreich geworfen, wie es in den Kreisen hieß. Organisiert wird der Verkaufsprozess von den Investmentbanken JP Morgan und Rothschild.

Allianz, Athora, Axa, Generali und die Banken wollten sich nicht zu den Informationen äußern. Aviva erklärte, man sei "in den Anfängen, was die Entwicklung der Strategie auf dem europäischen Kontinent und in Asien betrifft".

Auch die italienische Tochter von Aviva steht laut Insidern zum Verkauf. Dort könnten sich Athora und der Finanzinvestor Cinven ein Rennen liefern, der ebenfalls Erfahrung mit der Abwicklung von Lebensversicherungs-Beständen ohne Neugeschäft hat. Die Allianz ist hier nicht interessiert – sie ist vielmehr Insidern zufolge dabei, ihr eigenes Geschäft mit klassischen Garantie-Lebensversicherungen in Italien zu verkaufen. Im Zuge der Aviva-Transaktion könnte sie auch ihre eigene Leben-Sparte in Frankreich an Athora übergeben.

lhy/Reuters
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