Allianz-Chef Bäte Ups, auf einmal doch mehr Boni!

Nach dem Fonds-Skandal im eigenen Haus hatte Allianz-Chef Oliver Bäte eine Kürzung der Boni aller Vorstandsmitglieder angekündigt. Jetzt zeigt sich: Seine persönlichen Boni sind signifikant gestiegen im vergangenen Jahr.
Oliver Bäte: Kurz- und langfristige Boni des Allianz-Chefs sind 2021 zusammengenommen um 1,3 Millionen Euro gestiegen

Oliver Bäte: Kurz- und langfristige Boni des Allianz-Chefs sind 2021 zusammengenommen um 1,3 Millionen Euro gestiegen

Foto: Roland Krivec / imago images/DeFodi

Allianz-Chef Oliver Bäte hat trotz der Milliardenbelastung des Konzerns durch das Hedgefonds-Debakel 2021 einen deutlichen Sprung beim Gehalt gemacht. Einschließlich kurz- und langfristiger Boni sowie Beiträgen zur Altersversorgung stieg Bätes Vergütung im Vergleich zum coronageprägten Vorjahr von rund 6,4 Millionen auf fast 7,9 Millionen Euro, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht des Versicherungskonzerns hervorgeht. Das lag vor allem an einem Rekordgewinn im Tagesgeschäft. Allerdings zehrten die Rechtsstreitigkeiten um die Structured Alpha Fonds in den USA am Bonus des gesamten Vorstands. Ohne diesen Posten wäre Bätes Vergütung noch stärker gewachsen.

Während sein Grundgehalt wie im März vergangenen Jahres vereinbart von 1,7 auf 1,9 Millionen Euro kletterte, wuchs sein kurzfristiger Bonus um rund 500.000 auf 1,75 Millionen Euro. Der langfristige Bonus sprang sogar um rund 800.000 Euro auf gut 3,15 Millionen Euro nach oben. Insgesamt verdiente der Allianz-Chef damit auch deutlich mehr als im Vorkrisenjahr 2019. Die Rechtsstreitigkeiten könnten sich jedoch auch deutlich negativ auf die langfristige Vergütung auswirken und die Auszahlung um bis zu 25 Prozent reduzieren, heißt es in dem Geschäftsbericht.

"Das Management wird seinen Teil der Last tragen, und es wird erhebliche Auswirkungen auf die Vergütung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds haben."

Allianz-Chef Oliver Bäte

Dass sowohl der kurzfristige als auch der langfristige Bonus kletterten, ist insofern überraschend, als Bäte Mitte Februar erklärte, er rechne mit einer "signifikanten" Kürzung seiner Boni, angesichts der milliardenschweren Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, die sich der Konzern mit Fonds der eigenen Fondsgesellschaft AGI eingebrockt hatte. Bäte sagte dazu wörtlich laut "Financial Times" :

"Wir nehmen die Angelegenheit [Structured Alpha] sehr ernst und bedauern die Verluste, die insbesondere die Structured-Alpha-Anleger erlitten haben, sehr", und ergänzte dann: "Das Management wird seinen Teil der Last tragen, und es wird erhebliche Auswirkungen auf die Vergütung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds haben."

Der Dax-Konzern Allianz hatte 2021 im Tagesgeschäft einen operativen Rekordgewinn von 13,4 Milliarden Euro erzielt und damit das eigene Ziel deutlich übertroffen. Der Überschuss ging im Vergleich zum von Corona geprägten Vorjahr um drei Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zurück, weil die Allianz rund 3,7 Milliarden Euro für die Rechtsstreitigkeiten in den USA zurücklegte. Der Vorstand rechnet mit weiteren Belastungen.

US-Investoren hatten mit Hedgefonds von der Anlagetochter Allianz Global Investors (AllianzGI) zu Beginn der Corona-Krise Milliarden verloren und den Konzern auf mehr als sechs Milliarden Dollar verklagt.

Mehrere professionelle Investoren, darunter Pensionsfonds, haben die Allianz in den USA wegen Verlusten verklagt, die sie durch ihre Anlagen in die Structured Alpha Fonds der konzerneigenen Fondsgesellschaft AGI erlitten haben. Die Klageforderungen beliefen sich auf insgesamt rund 6 Milliarden Dollar. Diese Hedgefonds hatten während der Marktturbulenzen zu Beginn der Corona-Pandemie stark an Wert verloren. Die Vorwürfe der Kläger laufen darauf hinaus, dass die Fondsmanager die eigenen Richtlinien nicht eingehalten und nicht angemessen auf die Marktentwicklung reagiert hätten.

rei/dpa