Versicherer Allianz hält trotz des Krieges am Gewinnziel fest

Trotz des Ukraine-Krieges und der Sanktionen gegen Russland hält der Versicherer Allianz an dem Ziel fest, in diesem Jahr mindestens 12,4 Milliarden Euro zu verdienen. Der Umsatz im ersten Quartal ist gestiegen. Der Konzern hofft, das teure Hedgefonds-Debakel in USA nun abhaken zu können.
Allianz-Chef Bäte: Das Geschäft kann Belastungen standhalten - das gilt für externe wie auch für hausgemachte Krisen

Allianz-Chef Bäte: Das Geschäft kann Belastungen standhalten - das gilt für externe wie auch für hausgemachte Krisen

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Der Versicherungskonzern Allianz sieht sich trotz des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen gegen Russland auf Kurs zu seinem Gewinnziel für das laufende Jahr. Der operative Gewinn solle weiterhin 12,4 bis 14,4 Milliarden Euro erreichen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in München mit. "Die Ergebnisse dieses Quartals zeigen, dass unser Geschäft erheblichen geopolitischen und wirtschaftlichen Belastungen standhalten kann", sagte Vorstandschef Oliver Bäte mit Blick auf die ersten drei Monate des Jahres.

Im ersten Quartal erzielte die Allianz einen Umsatz von 44 Milliarden Euro, rund sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn sank - wie bereits seit Mittwoch bekannt - um drei Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Dabei steckte der Versicherer deutlich gestiegene Schäden durch Naturkatastrophen weg.

Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre allerdings nur ein Gewinn von 561 Millionen Euro. Denn der Konzern legte für den laufenden Rechtsstreit mit Großkunden seiner Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) weitere 1,9 Milliarden Euro zurück, wie er ebenfalls am Mittwoch mitgeteilt hatte. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen unter dem Strich noch fast 2,6 Milliarden Euro verdient.

Das Debakel mit Hedgefonds in den USA kostet die Allianz insgesamt 5,6 Milliarden Euro. Da eine Einigung mit den verbliebenen Klägern und mit den US-Behörden nun greifbar sei, habe die Allianz im ersten Quartal noch einmal 1,9 Milliarden Euro vor Steuern für die "Structured Alpha"-Klagen zurückgestellt, teilte der Münchner Versicherungsriese am Mittwoch mit. Bereits im Abschluss für 2021 hatte die Allianz Rückstellungen von 3,7 Milliarden Euro gebildet. Investoren in den USA – unter anderem Pensionsfonds – hatten mit den vermeintlich sicheren Hedgefonds von Allianz Global Investors zu Beginn der Corona-Krise Milliarden verloren und den Anbieter verklagt. Auch das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC hatten sich eingeschaltet. manager magazin hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass das Hedgefonds-Debakel der Allianz deutlich teurer kommen dürfte als zunächst geplant .

"Einem Schlussstrich einen Schritt näher gekommen"

"Die Allianz scheint einem Schlussstrich um das Risiko aus den Structured Alpha Fonds einen deutlichen Schritt näher gekommen zu sein", kommentierte Steffen Weyl, Fondsmanager bei Union Investment. Strafzahlungen in Folge auf Ermittlungen von U.S. Strafbehörden hätten bei anderen Finanzinstituten in der Vergangenheit deutlich negativ überrascht. Daher könne man die nun avisierte Rückstellung als gewisse Erleichterung sehen - trotz des insgesamt hohen absoluten Betrags. Allerdings sollte sich eine finale Sicherheit erst einstellen, wenn das US-Justizministerium seinen Bericht veröffentlicht. "Unklar scheint noch, welche weiteren nicht finanziellen Auswirkungen auf Allianz Global Investors zukommen können", sagte Weyl.

la/dpa