Kehrtwende beim Gehalt Allianz-Chef darf bis zu 11,75 Millionen Euro kassieren

Allianz-Chef Oliver Bäte verdient aus Sicht von Chefaufseher Michael Diekmann nicht mehr angemessen. Künftig kann Bätes Vergütung daher auf knapp 12 Millionen Euro steigen. Eine zuvor offensiv vertretene Obergrenze ist damit passé.
Beim Gehalt ist man sich einig: Allianz-Aufsichtsratschef Michael Diekmann und Vorstandschef Oliver Bäte

Beim Gehalt ist man sich einig: Allianz-Aufsichtsratschef Michael Diekmann und Vorstandschef Oliver Bäte

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte (56) bekommt in diesem Jahr eine Gehaltserhöhung von 12 Prozent. Das Grundgehalt des 56-Jährigen steigt um 205.000 auf 1,91 Millionen Euro, wie aus dem Vergütungsbericht des Münchener Versicherungskonzerns hervorgeht (hier ab Seite 61 ), der am Freitag veröffentlicht wurde. Wenn Bäte seine Zielvorgaben voll erfüllt, kann er künftig einschließlich Boni mit 6,37 (bisher 5,69) Millionen Euro im Jahr rechnen, maximal kann sein Gehalt auf 11,75 (bisher 10,00) Millionen Euro steigen.

11,75 Millionen Euro? Aufsichtsratschef Michael Diekmann (66), selbst bis 2015 Vorstandschef des Versicherungsriesen, stört sich offensichtlich nicht an der Höhe des Gehalts. "Der Aufsichtsrat ist mit den Leistungen von Herrn Bäte sehr zufrieden", sagt er. Bätes Leistung und Erfolg hätten sich als "nachhaltig" erwiesen. Im Vergleich mit den Chefs anderer Dax-Unternehmen sei Bätes Zielgehalt bisher auch nicht angemessen gewesen. Auch im Vergleich zu seinen Allianz-Kollegen verdient Bäte jetzt mehr: Wenn er die Vorgaben erfüllt, bekommt er fast das Doppelte eines normalen Vorstands; bisher war es das 1,75-fache.

Im Mai 2020 hatte Diekmann im Interview mit dem manager magazin  auf sehr hohe Vergütungs- und Abfindungspakete von Vorständen noch einen anderen Blick gehabt:

"Wir hatten in Deutschland teilweise Auswüchse, die nicht mehr nachvollziehbar waren. Fälle, in denen hohe Gehälter und Boni in einem Missverhältnis zur Leistung der Vorstände und zur Reputation der Unternehmen standen. Wir sollten nicht außer Acht lassen, dass wir hierzulande ein ganz besonderes Umfeld haben. Die Unternehmen sind stark mitbestimmt, das gesellschaftliche Umfeld sehr konsensgetrieben. Dazu gehört, dass es Managern, die Verantwortung übernehmen, die sich ordentlich verhalten und ihre Steuern bezahlen, nicht geneidet wird, wenn sie mehr verdienen. Ich glaube, das haben wir als Aufsichtsräte verstanden. Die Allianz hat die Gehaltsobergrenze für ihre Vorstände gesenkt, für den CEO von knapp zwölf auf zehn Millionen Euro."

Nicht mal ein Jahr nach dem Interview mit dem Chefaufseher kehrt der Konzern quasi wieder zur alten, höheren Gehaltsobergrenze zurück. Dass dieser Schritt auf Unverständnis stoßen kann, dessen ist sich die Allianz wohl durchaus bewusst - zumal auf Bätes Gehalts- und Pensionskonten im vergangenen Jahr trotz des Gewinnrückgangs der Allianz mehr Geld landete. Jedenfalls sieht Diekmann Erklärungsbedarf und glaubt in einem internen Drei-Fragen-Interview  mit seinen Antworten möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen zu können. Einen Beleg für die These, dass Bäte im "Marktvergleich" zu anderen Dax-Konzernchefs "nicht angemessen" verdiene, bleibt der Chefaufseher hier allerdings schuldig.

Für 2020 bekommen die Allianz-Vorstände weniger

Ende 2019 hatte der Bundestag einen Deckel für Vorstandsgehälter eingeführt. Entsprechend der EU-Aktionärsrichtlinie müssen die Unternehmen selbst eine Obergrenze festlegen, die per Beschluss der Hauptversammlung gesenkt werden kann. Volkswagen hatte sich schon vor der gesetzlichen Regel auf ein Limit von zehn Millionen Euro festgelegt, nachdem teils deutlich darüber liegende Bezüge des früheren Konzernchefs Martin Winterkorn eine öffentliche Diskussion ausgelöst hatten.

Für die Allianz ist das Thema auch heikel, weil der Versicherungskonzern beispielsweise mit Gastronomen um deren Verdienstausfälle in der Corona-Krise streitet.

Im vergangenen Jahr flossen Oliver Bäte 6,39 (2019: 5,95) Millionen Euro zu. Zwar verfehlte der Versicherungsriese seine Finanzziele um fast ein Viertel, was den Jahresbonus dezimierte, doch bekam der Allianz-Vorstandschef Boni aus einem 2016 aufgelegten Langfristprogramm ausbezahlt.

Im Vergütungsbericht lobt ihn der Aufsichtsrat nochmal ausdrücklich: "Übergreifend hat Herr Bäte besonnen und sicher gehandelt und seinem Vorstandsteam die richtigen Impulse im Krisenmodus gegeben." Die meisten anderen Vorstandsmitglieder mussten sich 2020 mit niedrigeren Vergütungen zufriedengeben als ein Jahr zuvor.

rei/Reuters
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