Nun offiziell Allianz entmachtet Deutschland-Holding

Einfacher und schneller will der Konzern werden - die Landesgesellschaft Allianz Deutschland wird als Zwischenebene abgeschafft, wie schon 2019 von manager magazin berichtet. Stellen soll der Konzernumbau nicht kosten, außer für einen der Vorstände.
Unterordnung: Zentrale der Allianz Deutschland in Unterföhring bei München

Unterordnung: Zentrale der Allianz Deutschland in Unterföhring bei München

Foto: DPA

Die Allianz baut das Geschäft um und entmachtet dabei ihre große Deutschland-Holding. Die Produkt-Verantwortung liege künftig vollständig bei den drei Sparten für die Lebens-, Sach- und Krankenversicherung, sagte Allianz-Personalvorständin Renate Wagner (46) am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Europas größter Versicherer will damit die Zusammenarbeit seiner operativen Einheiten über Ländergrenzen hinweg forcieren. Produkte sollen - soweit möglich - künftig für mehrere Länder zugleich entwickelt werden, um Größeneffekte zu nutzen. "Wenn sich fünf oder sechs Landesgesellschaften die Entwicklungskosten für ein neues Produkt teilen, bringt das Kostenvorteile - auch für die Kunden, denen wir erweiterte Services, günstigere Tarife oder höhere Deckungen anbieten können", sagte Wagner.

Die Pläne gären schon länger im Konzern, manager magazin hatte bereits im November 2019 exklusiv darüber berichtet .

Von der Allianz Deutschland AG, in der die Allianz vor 15 Jahren das Geschäft auf dem Heimatmarkt gebündelt hatte, bleibt nur eine Finanzholding ohne eigene Mitarbeiter. Bisher sind rund 16.000 Mitarbeiter bei ihr angestellt - mehr als die Hälfte der gesamten Belegschaft in Deutschland. Sie sollen noch 2021 auf die drei Sparten und die gemeinsame Vertriebstochter Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG verteilt werden. Eine neue Tochter, die für den einheitlichen Produkt- und Markenauftritt zuständig ist, wird direkt an die Konzernholding Allianz SE angedockt. "Mit der Neuaufstellung ist kein Personalabbau verbunden - im Gegenteil. Wir wollen ja wachsen", betonte Wagner. Auch die Aufgaben der Mitarbeiter und der Arbeitsort änderten sich nicht. Die Arbeitnehmervertreter müssen dem Umbau dennoch zustimmen.

Konzernchef Bäte beschwört "Einfachheit und Schnelligkeit"

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte (56) treibt mit dem Umbau eine stärkere Vereinheitlichung und Vereinfachung der Produktwelt voran, die er sich auf die Fahnen geschrieben hat. Künftig soll ein Produkt idealerweise von der Tochter entwickelt werden, die das am besten kann. "Es geht mehr denn je um Einfachheit und Schnelligkeit." Maßstab seien die großen Technologiekonzerne. In Ansätzen gibt es das bereits: So verkauft die deutsche Allianz Leben ihre Rentenversicherungsproduktlinie "Perspektive" auch in Italien und bald auch in Spanien. "Wir wollen, dass möglichst viele unserer Versicherungsprodukte den Zuschlag für andere Länder bekommen", sagte Wagner. Ob die neuen Strukturen Vorbild auch für Auslandstöchter haben könnten, ließ sie offen: "Das muss keine Blaupause für andere Länder sein."

Der Umbau im Inland soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Allianz Deutschland mit Sitz in Unterföhring bei München beschäftigte Ende 2020 fast 27.000 Mitarbeiter. In einem nächsten Schritt sollen weitere Allianz-Töchter in Deutschland wie der Kreditversicherer Euler Hermes, die Großkundensparte AGCS und der Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AllianzGI) in den einheitlichen Markenauftritt integriert werden.

Von den neun Vorständen von Allianz Deutschland verlässt nur einer den Versicherer: der seit 2018 für das operative Geschäft (COO) zuständige Fabio De Ferrari (55) wird Ende März gehen. Allianz-Deutschlandchef Klaus-Peter Röhler (56) ist auch im Holding-Vorstand für Deutschland zuständig, Wagner ist Personalchefin der Allianz SE und der Deutschland AG in Personalunion.

ak/Reuters