Finanzaufsicht schaltet sich ein Bafin ermittelt bei Allianz wegen Hedgefonds-Streits

In den milliardenschweren Streit um US-Hedgefonds schaltet sich die Bafin ein. Die Finanzaufsicht interessiert sich für die Frage, ob Manager außerhalb des Fondsbereichs von dem Desaster wussten, das zu Milliardenverlusten führte. Allianz-Chef Oliver Bäte beschäftigt das Thema also weiterhin.
Oliver Bäte: Der Allianz-Chef muss nun auch der deutschen Finanzaufsicht Bafin Rede und Antwort stehen

Oliver Bäte: Der Allianz-Chef muss nun auch der deutschen Finanzaufsicht Bafin Rede und Antwort stehen

Foto: Drew Angerer / Getty Images

Die Allianz bekommt es wegen eines Streits um US-Hedgefonds Insidern zufolge nun auch mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin zu tun. Die Bonner Behörde hat eigene Ermittlungen in dem Fall gestartet, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters sagten. In den USA hat der größte europäische Versicherungskonzern bereits die Wertpapieraufsicht SEC und das Justizministerium im Haus. Die Ermittlungen könnten die Finanzergebnisse belasten und sind auch ein Imageschaden für den Dax-Konzern  aus München.

Hintergrund der Untersuchungen ist ein Konflikt, den die Vermögensverwaltungs-Tochter Allianz Global Investors (AGI) mit US-Investoren mehrerer Hedgefonds hat. Die unter dem Namen "Structured Alpha" aufgelegten Fonds hatten Verluste erlitten, als die Märkte im ersten Corona-Schock in die Knie gingen. Pensionsfonds und andere Anleger klagen deshalb gegen die Allianz und machen Verluste von bis zu sechs Milliarden Dollar geltend. Der Allianz-Vorstand warnte Anfang August, dass die mit den Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse haben könnten. Klagen und Ermittlungen der Strafverfolger in den USA könnten den Vorstand des Konzerns nun durcheinanderwirbeln .

Bei der Bafin seien mehrere Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen mit dem Thema beschäftigt, sagten die Insider zu Reuters. Die Beamten prüften, ob Führungskräfte der Allianz außerhalb des Fondsbereichs von den Ereignissen, die zu den Milliardenverlusten führten, wussten oder daran beteiligt waren. Die Ermittlungen bei der Bafin befänden sich noch in der Phase, in der Fakten zusammengetragen würden. Sie hätten aber an Fahrt aufgenommen, seit die Allianz Anfang August die US-Untersuchungen bekannt gemacht habe. Bafin und Allianz lehnten einen Kommentar ab.

Millionenstrafe in Australien wegen "irreführender" Reiseversicherung

Ärger hat der deutsche Versicherungsriese derzeit auch in Australien: Der australische Arm der Allianz ist wegen Irreführung von Kunden beim Verkauf von Reiseversicherungen auf den Webseiten von Expedia zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Dollar (rund 1,26 Millionen Euro) verurteilt worden. Das Gericht habe Allianz Australia und die mit ihr verbundene Allianz Worldwide Partners (AWP) zu der Summe verurteilt, da die Unternehmen beim Verkauf von Reiseversicherungen ein "irreführendes und täuschendes Verhalten an den Tag gelegt" haben, indem sie die Berechnung der Prämien nicht ordnungsgemäß offenlegten und Versicherungen an nicht berechtigte Kunden verkauften, zitierte die australische Aufsichtsbehörde für Unternehmen (ASIC) am Dienstag aus dem Urteil des Bundesgerichts. "Die Versicherungsbranche muss beim Verkauf und der Werbung für ihre Produkte transparent und genau sein", sagte die stellvertretende ASIC-Vorsitzende Sarah Court.

rei/Reuters
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