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Alles vergebens

General Electric: Der US-Gigant verramscht sein deutsches Systemhaus GE Compunet.
aus manager magazin 1/2003

Fast drei Jahre lang schuftete Compunet-Chef Johannes Meier (38), um das Systemhaus von General Electric (GE) auf Vordermann zu brin- gen. Und es gelang dem ehemaligen McKinseyaner sogar, den IT-Dienstleister trotz der Hightech-Krise aus der Verlustzone zu manövrieren.

Doch nun stellt sich heraus, dass alle Mühe vergebens war: GE-Chef Jeff Immelt (46) verramscht die Service-Tochter mit ihren 1,1 Milliarden Euro Umsatz für gerade einmal 57 Millionen Euro an den britischen Mitbewerber Computacenter.

Vor zwei Jahren, als Compunet viel schlechter dastand als heute, hätte GE weit mehr bekommen können. Der jetzige Käufer hatte schon einmal für die Tochter geboten - einen mehr als viermal so hohen Preis.

Der damals noch amtierende GE-Lenker Jack Welch (67) jedoch lehnte die Offerte von 250 Millionen Euro ab. Mindestens das Dreifache sollten die Briten zahlen. Schließlich, so die Argumentation damals, sei der Computerhändler, der neben Hardware auch Installation und Wartung der Technik verkauft, simpel zu sanieren.

Computacenter-CEO Mike Norris (40) dankte und wartete ab. Den Knochenjob erledigte Meier. Der Vorstandschef restrukturierte fleißig, entließ hunderte Mitarbeiter, kappte die Kosten um 20 Prozent. Im Herbst 2001 schloss der emsige Manager gar einen schönen Vertrag mit Norris. Der GE-Ableger übernahm die deutschen Computacenter-Filialen, die Briten erhielten das Compunet-Geschäft auf der Insel und in Frankreich.

Der Compunet-Turnaround gelang; trotzdem verlor Welchs Nachfolger Immelt - ohnehin unter Druck, den Mischkonzern zu verschlanken - die Lust an dem Systemhaus. Sehr zur Freude von Norris: die gesunkenen Bewertungen für IT-Firmen haben nun den Preis tief gedrückt.

Vielleicht wird der Deal für Computacenter doch nicht ganz so billig. Gelingt es Meier, auch 2003 und 2004 Gewinne zu erwirtschaften, erhält GE einen Nachschlag von 64 Millionen Euro auf den Kaufpreis. In diesem Fall hätte GE für die gesunde Firma knapp die Hälfte dessen erhalten, was einst für den maroden Laden geboten wurde. Eva Müller

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