Die Flugdaten des Alibaba-Gründers Jack Ma ist unsichtbar - aber nicht untätig

Flugdaten von Jack Mas Privatjet offenbaren: Der Alibaba-Gründer kann sich offenbar trotz des Stresses mit Peking frei bewegen - beispielsweise zum Golfen oder zu Verhandlungen mit den Machthabern.
Beinahe unsichtbar: Alibaba-Gründer Jack Ma hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen

Beinahe unsichtbar: Alibaba-Gründer Jack Ma hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Jack Ma (56) mag bei den Machthabern Chinas in Ungnade gefallen sein - untätig ist der Multimilliardär und Gründer der Onlineplattform Alibaba deshalb aber noch lange nicht. Das zeigen Flugdaten von Mas Privatjet, die die "Financial Times " ausgewertet hat. Demnach flog der Unternehmer in den vergangenen Monaten kreuz und quer durch die Volksrepublik. Zwar seien Mas Aktivitäten merklich zurückgegangen, seit er im Oktober 2020 Chinas Finanzaufsicht öffentlich kritisiert und damit den Unmut Pekings auf sich gezogen hatte. An Gerüchten, Ma befinde sich unter Hausarrest oder habe sich gar nach Singapur abgesetzt, sei jedoch offenkundig nichts dran.

Im Gegenteil: Ma hat offenbar nach wie vor Zugriff auf seinen Privatjet vom Typ Gulfstream, der gewöhnlich am Alibaba-Standort Hangzhou steht, und der ihn mit seiner Reichweite theoretisch spontan bis nach New York oder London bringen könnte. Durchschnittlich benutzte Ma den Jet laut "FT" seit Oktober etwa einmal pro Woche. In den drei Monaten zuvor sei der Unternehmer im Schnitt alle drei Tage mit der Maschine geflogen.

Auch die Ziele, die Ma mit seinem Flieger ansteuerte, geben einigen Aufschluss über die Tätigkeiten des Alibaba-Gründers in den vergangenen Monaten. Mehrfach habe die Maschine beispielsweise die chinesische Inselprovinz Hainan angesteuert, wo Ma vor Kurzem beim Golfen beobachtet wurde.

Ma spricht mit höchsten Stellen in Peking

Zudem begab sich Jack Ma den Flugdaten zufolge in den vergangenen Wochen immer mal wieder nach Peking, und zwar stets genau dann, wenn es mit der politischen Führung dort Wichtiges über seinen Konzern Alibaba oder die Finanztochter Ant zu besprechen gab. Ma kümmert sich also offenbar nach wie vor persönlich um diese Belange, folgert die Zeitung. Zudem habe er weiterhin Zugang zu Chinas höchsten Stellen, wenn es um das Schicksal seines Konzerns gehe. So hat sich der "Financial Times" zufolge jemand aus der chinesischen Finanzaufsicht beschwert, weil Ma an der Behörde vorbei direkt mit der Parteiführung spreche.

Im Einzelnen war Ma

Hintergrund: Alibaba-Gründer Ma hatte Ende Oktober öffentlich die Finanzregulierungsbehörden seines Landes kritisiert. Er verglich die staatlichen Banken mit den traditionellen chinesischen Pfandhäusern. Im November verschwand der Milliardär für mehr als zwei Monate von der Bildfläche; er tauchte Mitte Januar in einem Video wieder auf, in dem er die kommunistische Führung lobte.

Zugleich gingen Chinas Behörden gegen Mas Unternehmensgruppe vor: Der geplante Börsengang der Ant Group wurde gestoppt und das Unternehmen enger an die Regulierung gebunden. Gegen den Mutterkonzern Alibaba gibt es seit Ende vergangenen Jahres Kartellermittlungen. Wie am vergangenen Freitag bekannt wurde, droht Alibaba nun eine Rekordstrafe wegen Wettbewerbsverstößen. Zudem ist der Mitgründer und Chef von Ant Financial, Simon Hu, zurückgetreten.

Darüber hinaus berichtet das "Wall Street Journal " am Montag, Peking dränge Alibaba nun auch dazu, einige seiner Medienbeteiligungen abzustoßen. Offenbar versucht die Führung der Volksrepublik den Einfluss des Konzerns auf die öffentliche Meinung zu begrenzen.

Anlass genug also für Ma, noch das ein oder andere Mal mit seinem Privatjet Peking anzusteuern.

cr
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