Börsenprospekt veröffentlicht Airbnb-Chef Chesky zieht den Börsengang durch

Die Corona-Pandemie hat das Geschäft von Airbnb nahezu lahmgelegt. Von dem geplanten Börsengang lässt sich CEO Brian Chesky dennoch nicht abhalten - schließlich deuten die jüngsten Zahlen auf eine leichte Verbesserung hin.
Sieht Licht am Ende des Tunnels: Airbnb-CEO Brian Chesky hat den Börsengang bei der SEC beantragt

Sieht Licht am Ende des Tunnels: Airbnb-CEO Brian Chesky hat den Börsengang bei der SEC beantragt

Foto: imago stock&people / imago images/ZUMA Press

Der Apartmentvermittler Airbnb drängt trotz negativer Auswirkungen der Corona-Pandemie auf seine Geschäfte an die Börse. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco legte am Montag nach Handelsschluss an der Wall Street seine Emissionsanmeldung  bei der Börsenaufsicht SEC offen und präsentierte dabei auch seine jüngsten Zahlen.

Laut dem am Montag veröffentlichten Börsenprospekt (S-1) häufte Airbnb in den neun Monaten bis Ende September einen Verlust von knapp 697 Millionen Dollar an. Das war doppelt so viel, wie in denselben Monaten des Vorjahres (minus 323 Millionen Dollar). Dass Unternehmen bereits mit Gewinnen an die Börse gehen, ist äußerst selten und wird von Investoren auch nicht verlangt. Wachstum ist dagegen wichtig. Doch auch hier kann Airbnb nicht punkten: Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel auf 2,52 Milliarden Dollar. Das Unternehmen erklärte zudem, die Pandemie könne die Erlöse auch noch in Zukunft schmälern.

Die Corona-Pandemie legte das Geschäft zeitweise so lahm, dass plötzlich große Fragezeichen hinter dem für 2020 geplanten Börsengang standen. Wie prekär die Lage zwischenzeitlich war, wurde aus den jetzt veröffentlichten Finanzdaten ersichtlich. So gab es im März und April mehr Stornierungen als Buchungen auf der Plattform - Hunderte Millionen Dollar wurden für Rückerstattungen fällig.

Im Mai reagierte Airbnb mit einem drastischen Personalabbau. Laut einem damals übereinstimmend von US-Medien zitierten internen Memo von Unternehmensgründer und Vorstandschef Brian Chesky (39) sollten 1900 Mitarbeiter, also rund ein Viertel der Beschäftigten, entlassen werden. Die Krise habe den Tourismus zum Stillstand gebracht und Airbnb sei stark getroffen, erklärte Chesky demnach in dem Schreiben an die Mitarbeiter.

Besserung im dritten Quartal

Inzwischen hat sich die Lage deutlich erholt, auch wenn die zweite Corona-Welle den Geschäftsausblick schon wieder eintrübt. Nachdem es im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben hatte, gingen die Erlöse im jüngsten Vierteljahr nur noch um knapp 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zurück. Unter dem Strich reichte es im dritten Quartal sogar für einen Gewinn in Höhe von 219 Millionen Dollar (185 Millionen Euro). Allerdings waren die Vorjahreszeiträume ebenfalls in jedem Jahr seit 2017 profitabel. Einen Jahresgewinn erzielte das Unternehmen aber nur im Jahr 2018. Hier zeigt sich die starke Abhängigkeit vom Saisongeschäft. Die Pandemie dürfte die Geschäfte auch weiter belasten.

Wie bei Firmen mit ungewissen Gewinnaussichten üblich, warnt Airbnb im Börsenprospekt auch: "Wir werden möglicherweise nie in der Lage sein, Profitabilität zu erreichen." Solche Risikohinweise sind vor Börsengängen allerdings recht üblich, viele andere Tech-Konzerne wie etwa Twitter, Uber, Lyft, der Snapchat-Betreiber Snap oder die Fotoplattform Pinterest hatten sie ebenfalls in ihren Prospekten.

Wann genau der mit Spannung erwartete Börsengang erfolgen soll und wie viele Aktien dabei zu welchem Preis angeboten werden, bleibt im Antrag zunächst weiter unklar. Fest steht, dass die Papiere noch in diesem Jahr unter dem Tickerkürzel "ABNB" an der New Yorker Technologie-Börse Nasdaq gelistet werden sollen. Insidern zufolge will Airbnb im Dezember an die Börse gehen und dabei drei Milliarden Dollar einsammeln. Eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar scheint dabei möglich.

Airbnb musste sich in der Corona-Krise praktisch neu erfinden und hat sich von der Untervermietung von Privatwohnungen in Großstädten auf Ferienwohnungen verlegt. Das Onlineportal leidet wie die Hotelbranche unter den verschärften Beschränkungen in der Pandemie. Im Frühjahr drosselte Airbnb das Marketing und entließ rund ein Viertel der Beschäftigten. Um durch die Krise zu kommen, bekam das Unternehmen im April eine zwei Milliarden Dollar schwere Kapitalspritze von Investoren wie Silver Lake und Sixth Street Partners. Dabei wurde Airbnb mit 18 Milliarden Dollar bewertet - vor dem Ausbruch der Pandemie in Amerika hatte die Bewertung mit 26 Milliarden noch deutlich darüber gelegen.

mg/Reuters/dpa-afx