Air France-KLM verschärft Sparkurs Doppelt so viel Verlust wie Umsatz - KLM streicht 5000 Stellen

Air France-KLM hatte schon vor Corona rote Zahlen geschrieben. Nun stehen Kürzungen beim Personal an - denn die Malaise der Luftfahrt dürfte noch Jahre anhalten.
KLM-Jumbo im Anflug auf den Flughafen von Saint Maarten: Die vierstrahlige Ikone 747, deren Aus Boeing jüngst beschloss, ist zum Sinnbild der Luftfahrtkrise geworden

KLM-Jumbo im Anflug auf den Flughafen von Saint Maarten: Die vierstrahlige Ikone 747, deren Aus Boeing jüngst beschloss, ist zum Sinnbild der Luftfahrtkrise geworden

Foto: imago stock&people/ imago images/imagebroker

Der Luftfahrtkonzern Air France-KLM hat im zweiten Quartal doppelt so viel Verlust gemacht wie Umsatz. Wegen des Geschäftseinbruchs sollen nun beim niederländischen Ableger KLM bis zu 5000 Vollzeitstellen abgebaut werden. Die Erholung des Flugverkehrs werde lange dauern und sei mit vielen Unsicherheiten verbunden, teilte KLM am Freitag in Amsterdam mit. Das Unternehmen müsse seine Struktur und seine Größe in den kommenden Jahren weiter und radikal verändern. Das Management richtet seine Pläne auf den voraussichtlichen Flugbetrieb der kommenden beiden Jahre aus.

Frühestens 2023, so erwarten Branchenkenner, dürfte sich die Luftfahrtindustrie von ihrem Corona-Einbruch erholen. Airlines vermelden flächendeckend Milliardenverluste, auch Flugzeugbauer und Zulieferer stehen unter Druck. Wie auch die Lufthansa erhielt auch Air France-KLM staatliche Hilfsgelder in erheblichem Umfang. Mit 14,3 Prozent ist der französische Staat ohnehin größter Anteilseigner des Konzerns. Er stützte Air France mit Kredithilfen im Umfang von 7 Milliarden Euro, der niederländische Staat sprang der Schwestermarke KLM zusätzlich mit Krediten in Höhe von 3,4 Milliarden Euro bei.

Konzernchef Ben Smith (48) will nun auch die Kosten senken. Im Laufe des Jahres 2021 müsse die Zahl der Vollzeitstellen in der KLM-Gruppe um 4500 bis 5000 auf dann noch 28.000 sinken, hieß es in der Mitteilung. Auch Konkurrenten wie etwa die British Airways-Mutter IAG haben bereits angekündigt, tausende Stellen zu streichen.

Pandemie verschärft ohnehin angespannte Lage

Am Donnerstagabend hatte Air France-KLM einen Milliardenverlust verkündet. Im zweiten Quartal sei unter anderem wegen einer Abschreibung auf ausgemusterte Flugzeuge ein Verlust von 2,6 Milliarden Euro angefallen. Damit stieg das Minus in diesem Jahr bereits auf 4,4 Milliarden Euro an. Die Fluglinie hatte bereits vor Corona Probleme und schrieb auch in der ersten Jahreshälfte 2019 rote Zahlen, allerdings deutlich weniger. Der Umsatz brach in den ersten sechs Monaten um mehr als die Hälfte auf 6,2 Milliarden Euro ein, wie der Lufthansa-Konkurrent am Donnerstag nach Börsenschluss in Paris mitteilte.

Und auch wenn die ganz strengen Corona-Auflagen inzwischen gefallen sind, sieht Konzernchef Smith weiter viele Gefahren wie die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Unsicherheit sei nach wie vor enorm hoch. Zudem sei mittelfristig auch mit einem komplett anderen Verhalten der Kunden zu rechnen. So geht die Fluglinie, die wie die Lufthansa bereits staatliche Hilfen in Anspruch nehmen musste , auch im zweiten Halbjahr von einem deutlichen operativen Verlust aus. In den ersten sechs Monaten musste Air France im operativen Geschäft 2,4 Milliarden Euro draufzahlen. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch einen operativen Gewinn erzielt.

luk/dpa-afx, Reuters