Angeschlagenener Immobilienkonzern Schuldenberg der Adler Group wächst immer weiter

Die Adler Group stand bereits wegen des verweigerten Testats der KPMG-Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss 2021 unter Druck. Jetzt meldet der Immobilienriese auch noch eine höhere Verschuldung für das erste Quartal. Die Aktie fällt.
Wasserstadt Mitte ist ein Urbanes Stadtquartier in Berlin von Immobilienriese Adler Real Estate

Wasserstadt Mitte ist ein Urbanes Stadtquartier in Berlin von Immobilienriese Adler Real Estate

Foto: Stefan Boness / IPON / imago images

Bei der angeschlagenen Adler Group ist im ersten Quartal der Verschuldungsgrad (LTV) weiter gestiegen. Die Beleihungsquote LTV lag zum Ende des ersten Quartals bei 52 Prozent, Ende Dezember hatte der Immobilieninvestor noch 50,9 Prozent ausgewiesen, wie er am Montag mitteilte. Durch den Verkauf von Wohnungspaketen schrumpfte der operative Ertrag (FFO 1) im Quartal auf rund 29,7 Millionen Euro. Damit lag er 8 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Die Adler Group verfügt nach eigenen Angaben noch über rund 27.000 Wohnungen. Die Nettomieterträge gingen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent auf 71,1 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Jahresprognose bestätigte das Management. Die Nettomieterträge sollen zwischen 203 und 212 Millionen Euro liegen, das operative Ergebnis in einer Spanne zwischen 73 und 76 Millionen Euro.

Die zuletzt schwer unter Druck stehende Adler-Aktie  legte vorbörslich um rund 12 Prozent zu, drehte am Dienstagvormittag nach Handelsstart aber ins Minus. Zuletzt notierte sie unter 5 Euro. Anfang 2021 hatte sie im Hoch noch fast 30 Euro gekostet. Derzeit bedeutendster Adler-Aktionär ist Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia, der rund 20,5 Prozent der Aktien von Adler hält.

Adler hatte Mitte Mai eingeräumt, dass die Tochter Consus Real Estate in eine Schieflage geraten ist. Die Adler Group selbst steht durch das verweigerte Testat der KPMG-Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss 2021 unter Druck . Für 2022 sucht der Konzern nun auch noch einen neuen Wirtschaftsprüfer, denn die KPMG steht dafür nicht zur Verfügung. Im Quartalsbericht versicherte CEO Thierry Beaudemoulin, dieser entspreche den tatsächlichen Verhältnissen. Ohne Testat eines Wirtschaftsprüfers, hatte Verwaltungsratschef Stefan Kirsten beklagt, sei die Adler Group von den Bank- und Kapitalmärkten abgeschnitten. Ausgelöst wurden die Turbulenzen auch durch Vorwürfe der Gesellschaft Viceroy des Leerverkäufers Fraser Perring, bei Adler gebe es bei der Bewertung von Immobilien Mängel, diese seien teils künstlich überhöht worden.

Die Prüfer der KPMG Forensic hatten die Vorwürfe untersucht und erklärt, sie hätten keinen systematischen Betrug, wohl aber Defizite festgestellt – und das Fehlen wichtiger Informationen moniert. Auch die Finanzaufsicht Bafin schaut in die Bücher des Immobilieninvestors. Die Adler Group hatte sich zum Abbau von Schulden von Wohnungen getrennt, diese gingen unter anderem an den Konkurrenten LEG Immobilien.

dri/Reuters, dpa-afxp
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