Kriselnder Immobilieninvestor Thomas Echelmeyer wird Interims-CFO bei Adler

Stefan Kirsten, Verwaltungsratsvorsitzender der Adler Group, holt sich mit dem Wirtschaftsprüfer Thomas Echelmeyer einen ehemaligen Kollegen an die Seite. Beide starteten gemeinsam ihre Karriere bei Arthur Andersen.
Soll die Finanzen wieder in Ordnung bringen: Der gelernte Wirtschaftsprüfer Thomas Echelmeyer

Soll die Finanzen wieder in Ordnung bringen: Der gelernte Wirtschaftsprüfer Thomas Echelmeyer

Foto: Adler

Die Suche nach einem neuen Chief Financial Officer (CFO) bei der Adler Group hat erstmal ein Ende gefunden: Thomas Echelmeyer wird ab dem 1. Juni 2022 interimistisch den Posten des CFO übernehmen bis die Position endgültig besetzt ist, wie der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stefan Kirsten, am Dienstagmorgen auf einer einberufenen Pressekonferenz verkündete.

Echelmeyer ist in der Branche bisher wenig bekannt. Der Wirtschaftsprüfer war unter anderem Partner bei EY, sowie CFO bei der GWH Immobilien Holding und a&o Hostels und Hotels. Seit September 2021 arbeitet der Finanzexperte selbstständig als "Interim Manager und erfahrener CFO mit breitem Branchenfokus, spezialisiert auf Immobilien und Gastgewerbe", wie er selbst auf LinkedIn schreibt.

Dem Verwaltungsrat ist Echelmeyer dagegen "bestens bekannt und dank seiner umfassenden Expertise die perfekte Unterstützung in der jetzigen Phase", erklärt Kirsten. Er holt sich mit dem Wirtschaftsprüfer einen alten Kollegen an seine Seite. Die beiden starteten ihre Karrieren gemeinsam 1986 bei Arthur Andersen, eine der damals fünf größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Später saßen sie acht Jahre gemeinsam im Aufsichtsrat der AVW Versicherungsmakler GmbH.

Nun arbeiten die beiden wieder für das gleiche Unternehmen und haben in den nächsten Wochen große Probleme zu bewältigen: Ende April musste Adler vermelden, dass der Konzernabschluss für das Jahr 2021 von KPMG mit einem "disclaimer of opinion" versehen wurde – der Bestätigung einer Prüfung ohne abschließendes Urteil. Als Grund nannten die Wirtschaftsprüfer "die Verweigerung des Zugangs zu bestimmten Informationen über verbundene Unternehmen und Personen".

Die Adler Group leitet nun verschiedene Maßnahmen ein, um diesen Disclaimer wieder loszuwerden und ein uneingeschränktes Testat für den Abschluss des Geschäftsjahres 2022 zu erhalten: Die Beratungsgesellschaft PwC wurde mit der Analyse und der Entwicklung einer "robusten Compliance-Funktion" beauftragt. PJT Partners soll als Finanzberater das Unternehmen bei der Cashflow-Analyse unterstützen.

Darüberhinaus teilte Kirsten mit, dass es nicht ratsam sei, angesichts des bestehenden Disclaimers eine Dividende zu zahlen. Der Verwaltungsrat wird deshalb auf der nächsten Hauptversammlung am 29. Juni 2022 empfehlen, für das Geschäftsjahr 2021 keine Dividende auszuschütten.

Auch werden sich die Mitglieder der Verwaltungsrates zur Wiederwahl stellen. Zuvor hatten alle, die im Jahr 2021 ein Mandat innehatten, kollektiv ihren Rücktritt angeboten. Kirsten bat jedoch Thilo Schmid und Thomas Zinnöker ihre Mandate bis zur Hauptversammlung am 29. Juni 2022 zu behalten und sich dann zu Wiederwahl zu stellen. Auch Thierry Beaudemoulin bleibt CEO und im Verwaltungsrat. Er stellt sich an der Hauptversammlung ebenfalls zur Wiederwahl.

KPMG sollte am 29. Juni erneut als Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss der Adler Gruppe bestellt werden - so zumindest der Plan. Einige Stunden nach der Pressekonfrenz teilte KPMG mit, dass sie dem Konzern nicht zur Verfügung stehen.