Immobilieninvestor in der Krise Adler Group mit Milliardenverlust

Kein Freispruch erster Klasse nach Vorwürfen eines Leerverkäufers und nun kein Testat der Wirtschaftsprüfer: Der kriselnde Immobilien-Investor Adler Group hat einen weiteren Rückschlag hinnehmen müssen – und nun dennoch Zahlen veröffentlicht.
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Foto: Stefan Boness / IPON / imago images

Der mit schweren Vorwürfen konfrontierte Immobilienkonzern Adler Group hat trotz fehlendem Testat der Wirtschaftsprüfer Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt: Der operative Gewinn legte demnach zu, unter dem Strich stand wegen Abschreibungen aber ein Verlust von knapp 1,2 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 191 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Frage ist nur: Wie viel sagen die Zahlen überhaupt?

Anleger jedenfalls dürften den Werten nicht allzu viel Vertrauen schenken. Am Freitagabend hatte Adler mitgeteilt, dass der Wirtschaftsprüfer KPMG nicht in der Lage sei, nach der Beendigung der Abschlussprüfung ein Prüfungsurteil für den Konzern- und den Einzelabschluss 2021 abzugeben. Am Samstag traten daraufhin mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats zurück.

Der mit der Abschlussprüfung beauftragte Wirtschaftsprüfer hatte einen sogenannten Disclaimer of Opinion (Versagungsvermerk) für den Konzernabschluss und Einzelabschluss 2021 geschrieben. Ein derartiger Versagungsvermerk wird fällig, wenn Prüfungshemmnisse vorliegen, die die Bilanzexperten daran hindern, wesentliche Sachverhalte in der Bilanz zu überprüfen. Ihnen seien in Zusammenhang mit einigen Transaktionen wichtige Informationen nicht zugänglich gemacht worden, erklärten die Prüfer von KPMG.

Kein Freispruch erster Klasse

Damit hat sich die Krise bei dem Immobilieninvestor erneut verschärft. Schon seit Monaten steht Adler wegen seiner Bilanzierungsmethoden in der Kritik. Anlass waren Vorwürfe des Leerverkäufers Fraser Perring, der schon den insolventen Finanzdienstleister Wirecard früh mit Veröffentlichungen unter Druck gesetzt hatte. Adler geriet Anfang Oktober vergangenen Jahres in den Fokus von Perring, er kritisierte das Unternehmen wegen der Bewertung von Immobilienprojekten. Der Aktienkurs war daraufhin stark unter Druck geraten. Adler wies die Kritik wiederholt zurück.

Zuletzt hatten die Wirtschaftsprüfer der KPMG Forensic das Zahlenwerk des Konzerns bei einer Sonderprüfung durchleuchtet. Deswegen hatte Adler die Veröffentlichung seiner Bilanz mehrfach verschoben. Das Unternehmen hatte sich durch das Ergebnis der Prüfung zuletzt allerdings entlastet gefühlt. "Es ist kein Freispruch erster Klasse, natürlich wurden Mängel aufgedeckt", hatte der Verwaltungsratsvorsitzende Stefan Kirsten bei der Vorstellung der Ergebnisse gesagt. Die Sonderprüfer hätten aber keine Beweise dafür gefunden, dass es systematisch "betrügerische oder die Gesellschaft ausplündernde Transaktionen mit angeblich nahe stehenden Personen" gegeben habe.

Management beschwichtigt

Auch am Samstag versuchte das Management der Adler Group die Wogen zu glätten. "Die operative Basis der Adler Group ist stabil und robust und wir machen Fortschritte bei der Verbesserung unserer Kapitalstruktur", sagte Co-CEO Maximilian Rienecker. Man wolle die Gründe für das verweigerte Prüfungsurteil so schnell wie möglich beseitigen, sagte Verwaltungsratschef Stefan Kirsten. "Wir streben für 2022 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk an."

Adler habe mit einem operativen Ergebnis aus Vermietung (FFO 1) in Höhe von 137,1 Millionen Euro die Prognose für das Geschäftsjahr 2021 erreicht. 2022 werde diese Kennzahl nach dem Verkauf einer Reihe von Immobilen-Paketen in einer Spanne zwischen 73 und 76 Millionen Euro liegen. Um hohe Schulden abzubauen, hatte Adler Ende 2021 und Anfang 2022 Immobilien in größerem Umfang verkauft, etwa an den US-Investor KKR und den Konkurrenten LEG.

Vor Steuern schrieb die Adler Group 2021 einen Verlust von knapp über einer Milliarde Euro. Hintergrund waren Wertminderungen von Geschäfts- und Firmenwerten. Die Nettobeleihungsquote (LTV) des mit Schulden kämpfenden Unternehmens lag per Ende 2021 bei 50,9 Prozent. Im Risikobericht heißt es, die Adler Group habe "einen hohen Schuldenstand und ist von der Refinanzierung hoher Beträge (...) abhängig". Potentiell könnte der hohe Verschuldungsgrad angesichts "der durch Viceroy geäußerten Anschuldigungen dazu führen, dass Kreditinstitute die Gewährung neuer Darlehen verweigern (..) oder die Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten verlangen, bis die Vorwürfe entkräftet sind".

oho/dpa/rtr