Angeschlagener Immobilienkonzern Höhere Zinsen belasten Adler Group - Aktie sackt 20 Prozent ab

Einen Tag nach dem Kurssprung bei der Adler Group ist die gute Laune verflogen. Der kriselnde Immobilienkonzern bekommt die höheren Zinsen zu spüren, die Verschuldung bleibt weiter hoch. Adler meldet einen satten Verlust und hat die Suche nach einem Wirtschaftsprüfer aufgegeben.
Suche aufgegeben: Verwaltungsratschef Stefan Kirsten hat jetzt gerichtlich die Bestellung eines Wirtschaftsprüfers beantragt

Suche aufgegeben: Verwaltungsratschef Stefan Kirsten hat jetzt gerichtlich die Bestellung eines Wirtschaftsprüfers beantragt

Foto: Rainer Unkel / imago images

Gestern noch spürbare Euphorie bei den Anlegern, heute Ernüchterung: Der angeschlagene Immobilienkonzern Adler Group hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres die Neustrukturierung und steigende Zinsen zu spüren bekommen. Erst am Freitag hatte das Unternehmen sich finanziell etwas Luft verschafft und sich mit wichtigen Gläubigern über Anleihebedingungen geeinigt sowie die Zusicherung für neues Fremdkapital über fast eine Milliarde Euro erhalten. Daher fühlt sich das Management für die kommenden Jahre gewappnet.

Die Vereinbarung mit den Gläubigern sichere die Finanzierung bis Mitte 2025, teilte der Konzern am Dienstag in Luxemburg mit. Dies gelte auch für den theoretischen Fall, dass keine weiteren Portfolio- oder Projektveräußerungen stattfinden. Solche stehen aber weiter ins Haus, da Adler sich künftig auf Berlin konzentrieren will. Im dritten Quartal kam der Konzern dabei zwar voran, die Verschuldung blieb aber weiter hoch. Die Prognose für das Gesamtjahr 2022 wurde bestätigt. Ein neuer Wirtschaftsprüfer ist allerdings nach wie vor nicht gefunden.

Die Aktie  sackte nach den vorgelegten Zahlen am Dienstag um 20 Prozent ab auf knapp über 2 Euro. Am Vortag war sie in der Spitze noch um 64 Prozent geklettert angesichts der Einigung mit den Gläubigern.

Adler war in das Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geraten, nachdem die Immobiliengesellschaft im Oktober 2021 erstmals unter Druck des Leerverkäufers Fraser Perring (49) gestanden hatte. Sein Researchdienst Viceroy hatte schwere Vorwürfe gegen Adler erhoben, darin ging es unter anderem um die Bewertung von Immobilienprojekten. Adler hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Ende April hatte die Adler Group trotz der Verweigerung des Testats durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG Zahlen für 2021 bekannt geben müssen. Für den Jahres- und Konzernabschluss 2022 steht KPMG dem Unternehmen nicht mehr als Wirtschaftsprüfer zur Verfügung. Die Suche nach einer neuen Prüfungsgesellschaft musste das Management nun aufgeben. Stattdessen wurde gerichtlich eine Bestellung beantragt, berichtete Verwaltungsratschef Stefan Kirsten (61) in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Dienstagmorgen. Dies sei aber lediglich für die Geschäftsbereiche in Deutschland möglich – und auch dann könne der bestellte Wirtschaftsprüfer das Mandat noch ablehnen.

Bis Ende September 2022 fiel der beizulegende Zeitwert des Portfolios von Adler im Vergleich zur Jahresmitte aufgrund höherer Finanzierungskosten um 2,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich ist er allerdings etwas besser geworden, ebenso wie die Leerstandsquote. Sie hat sich mit 1,7 Prozent fast halbiert. Adlers Nettomieterträge brachen bis Ende September wegen der Verkäufe um 28 Prozent auf 187 Millionen Euro ein. Das operative Ergebnis aus Vermietung (FFO 1) fiel sogar um ein Drittel auf 68 Millionen Euro. Unterm Strich schrieb Adler 747 Millionen Euro Verlust, ein Jahr zuvor waren noch knapp 304 Millionen Euro Gewinn angefallen.

dri/dpa-afxp
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