Auschels Welt Warum ein altgedienter Adidas-Vorstand ins Diversity-Training musste

Adidas-Vertriebschef Roland Auschel ist einer der Topverdiener im Konzern und seit 30 Jahren dabei: Nach der Hire-and-Fire-Ära von Ex-Chef Rorsted ein Ausnahmespieler. Beim Thema Diversity zeigte sich der Veteran jedoch nicht auf Ballhöhe.
Roland Auschel: Angezählt, aber nicht ausgewechselt

Roland Auschel: Angezählt, aber nicht ausgewechselt

Foto: PR

Es lief zuletzt so mittelprächtig für Adidas-Vertriebsvorstand Roland Auschel (59). Im Frühjahr schickte ihn der glücklose Ex-Chef Kasper Rorsted zum Feuerwehreinsatz nach China, Quarantäne inklusive. Anschließend musste der altgediente Auschel, der bereits unter Rorsted-Vorgänger Herbert Hainer wirkte, miterleben, wie dem forschen Dänen Rorsted die Führung von Adidas immer mehr entglitt. Und nun, als einer der wenigen Überlebenden von Rorsteds hektischem Hire-and-Fire-Gewitter, sieht sich Auschel harschen Vorwürfen seiner jüngeren Kolleginnen und Kollegen ausgesetzt: Der Adidas-Veteran, so der Vorwurf, sei in Fragen der Diversität nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Was war passiert? In einem Meeting vor mehr als 200 Managern habe Auschel die Beförderung eines schwarzen Managers dahin gehend kommentiert, dass dies "ein Beitrag von Adidas zur Diversität" sei. Zahlreiche Anwesende seien über die Äußerung empört gewesen, berichtet die "Financial Times" : Nahezulegen, dass der Manager eher wegen seiner Hautfarbe und nicht wegen seiner Fähigkeiten befördert worden sei, sei "komplett unangebracht" gewesen. Laut FT  wiege die Bemerkung Auschels umso schwerer, da dies nicht der einzige Lapsus des Vertriebsvorstands gewesen sei.

"Letzte Warnung" vom Aufsichtsrat

Auschel habe vom Aufsichtsrat eine "letzte Warnung" erhalten, dass seine wiederholten unpassenden Bemerkungen zum Thema Diversität inakzeptabel seien, berichtet die FT unter Berufung auf Unternehmenskreise. Es habe auch eine Compliance-Untersuchung wegen des Vorfalls gegeben. Die Untersuchung habe ergeben, dass es "Trainingsbedarf" für einen leitenden Mitarbeiter gegeben habe, zitiert die FT den Sportartikelhersteller: In diesem angeordneten Coaching, das sich über mehrere Wochen hinzog, seien die Themen Diversität, Gleichheit und Gleichstellung "intensiv angesprochen worden". Auschel selbst wollte sich gegenüber der FT dazu nicht äußern.

Dass einer der bestbezahlten Adidas-Topmanager, der seit rund 30 Jahren für den Konzern arbeitet, mit solchen Äußerungen auffällt, trifft den Konzern zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Wochen hat sich Adidas von seinem US-Partner Kanye (Ye) West getrennt, der wegen wiederholter rassistischer Kommentare in die Kritik geraten war. Die Trennung von West und der Marke "Yeezy" hat empfindliche Umsatzeinbußen in den USA zur Folge.

Vertrag bis 2024 verlängert

Doch Adidas-Veteran Auschel kommt offenbar mit einer Verwarnung davon. Er wird nach der Gelben Karte auch nicht vorsorglich vom Feld genommen. Im Gegenteil: Anfang 2022 wurde sein Vertrag bis 2024 verlängert. Im selben Jahr, in dem der Aufsichtsrat die Verwarnung aussprach, erhielt Auschel laut FT zudem einen deutlich höheren Bonus als im Vorjahr. Es habe seit den kritisierten Vorfällen "keine weiteren Anzeichen für ein mögliches Fehlverhalten" gegeben, zitiert die FT einen Konzernsprecher.

Möglicher Hintergund für das tiefe Vertrauen: Der neue Adidas-Chef Björn Gulden braucht endlich Ruhe im Vorstand – und vor allem einen funktionierenden Vorstand.  Der präsentiert sich derzeit nicht gerade als funktionierendes Team: Operationsvorstand Martin Shankland (51) ist wegen seiner Tough-Guy-Attitüde bei vielen Topleuten verhasst, CFO Harm Ohlmeyer (54) gab sich jahrelang als willfähriger Vollstrecker von Rorsteds Sparvorgaben. Marketingchef Brian Grevy gilt als ebenso nett wie überfordert.

Eine positive Ausnahme hier: der altgediente Auschel. Der rührige Vertriebschef hat jahrelang durch Leidensfähigkeit geglänzt und das Herumgeschubse der Ära Rorsted überstanden . Dass er beim Thema Diversität offenbar jahrelang nicht auf Ballhöhe war, wurde ihm offenbar verziehen. Denn das Trainingslager habe auch bei Auschel Wirkung gezeigt: Impossible is nothing.

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