Adidas mit 300 Millionen Euro Verlust Warum Adidas-Chef Kasper Rorsted optimistisch bleibt

Im April waren zeitweise 70 Prozent aller Adidas-Shops geschlossen, Ende Juni nur noch jedes sechste Geschäft. Adidas Chef Kasper Rorsted greift wieder an.
Sportliche Ziele: Nach einem Nettoverlust von 306 Millionen Euro will Adidas-Chef Kasper Rorsted das Ergebnis im laufenden Quartal um rund eine Milliarde Euro verbessern

Sportliche Ziele: Nach einem Nettoverlust von 306 Millionen Euro will Adidas-Chef Kasper Rorsted das Ergebnis im laufenden Quartal um rund eine Milliarde Euro verbessern

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Der Sportartikelriese Adidas ist infolge monatelanger Ladenschließungen in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen gerutscht. Im zweiten Quartal summierte sich der Nettoverlust auf 306 Millionen Euro, wie der Sportausrüster am Donnerstag mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Adidas noch 462 Millionen Euro Gewinn geschrieben. Operativ wies der Konzern nun einen Fehlbetrag von 333 Millionen Euro aus, nach einem Betriebsgewinn von 643 Millionen Euro vor Jahresfrist.

"Das vergangene Quartal, in dem weite Teile der Welt lahmgelegt waren, hat beispiellose Herausforderungen an das Unternehmen gestellt", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted (58). Im Zuge der Eindämmung der Pandemie mussten weltweit zeitweise 70 Prozent der Adidas-Läden schließen. Seit dem Höhepunkt im April entspannte sich die Lage für den Konzern im Quartalsverlauf. Ende Juni waren noch 17 Prozent der Geschäfte geschlossen.

Infolgedessen brach der Konzernumsatz währungsbereinigt um 34 Prozent auf 3,58 Milliarden Euro ein. Damit traf die Krise den Sportausrüster nicht ganz so hart wie erwartet. Adidas hatte nach einem Umsatzeinbruch im ersten Quartal gewarnt, im zweiten Vierteljahr seien ein Umsatzrückgang um mehr als 40 Prozent und ein dreistelliger Millionenverlust zu befürchten. Vom Finanzdatenanbieter Refinitiv befragte Analysten hatten lediglich einen Umsatz von 3,27 Milliarden Euro erwartet.

Die Aktie von Adidas  legte am Donnerstag im frühen Handel leicht zu und setzte damit ihre Erholung fort.

Immer noch kein Ausblick fürs Gesamtjahr

Rorsted, der seit Beginn der Corona-Krise in die Kritik geraten war und einen Wechsel vom Investoren-Darling zum Buhmann verkraften musste, gibt sich weiter optimistisch und verspricht Investoren einen Gewinn für das laufende Quartal. Anlass für seine Zuversicht: Seit Ende des zweiten Quartals hat sich die Umsatzentwicklung des Unternehmens weiter allmählich erholt.

Eine Prognose für das Gesamtjahr sei jedoch weiterhin nicht möglich. "Nach allem, was wir heute wissen, wird sich die Erholung unseres Geschäfts im dritten Quartal fortsetzen", sagte Rorsted lediglich. Die Nachfrage in den geöffneten Läden sei hoch. "Dies ist eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen können." Zuletzt hatten auch die Konkurrenten Nike und Puma von wegbrechenden Geschäften infolge der Corona-Krise berichtet.

So rechnet der Konzern damit, dass der Umsatz in den drei Monaten bis Ende September nicht mehr so stark einbricht wie zuletzt. Zudem soll das operative Ergebnis wieder positiv sein. Der Konzern rechnet im dritten Quartal mit einem Betriebsgewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro. Das wäre eine Verbesserung von rund einer Milliarde Euro im Vergleich zum verlustreichen zweiten Quartal. Wegen der nach wie vor hohen Unsicherheit durch die Corona-Pandemie sei weiter kein Ausblick für das Gesamtjahr möglich.

Adidas verschafft sich nach Staatskredit ein Bonitätsrating

Adidas war im Frühjahr in die Kritik geraten, weil er wegen der Umsatzausfälle unter anderem einen Staatskredit über drei Milliarden Euro  aufnahm. Am freien Markt konnte sich Unternehmen damals auf die Schnelle kein Geld besorgen, weil es anders als viele andere große Konzerne kein Bonitätsrating hatte. Adidas zog nun die Konsequenzen und ließ sich von den beiden wichtigsten Ratingagenturen bewerten. Standard & Poor's gab dem Unternehmen die Note "A+", die fünftbeste Note auf der Skala der Agentur, der Konkurrent Moody's vergab mit "A2" die sechstbeste Note. 

la/Reuters/dpa
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