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Acht statt neun

ThyssenKrupp: Noch-Aufsichtsratschef Kriwet will den überbesetzten Vorstand nur geringfügig verkleinern.
aus manager magazin 2/2001

Heinz Kriwet (69) gilt als eher bedächtiger Mensch. Bei wichtigen Entscheidungen sichert sich der Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp gern nach allen Seiten ab.

Manche halten den Mann auch schlicht für einen Zauderer. Und das, was sich bei ThyssenKrupp in den vergangenen Wochen abspielte, bestätigt diesen Eindruck.

Die Führungsspitze muss dringend neu geordnet werden. Kriwet hat sich nach vielen quälenden Monaten durchgerungen, durch seinen Rücktritt den Weg zu einem personellen Neuanfang freizumachen. Doch das alles geschieht nervtötend langsam.

Rückblende: Beseelt vom Fusionsvertrag von Thyssen und Krupp, sorgte Kriwet dafür, dass der Ruhrgigant ein Proporzunternehmen blieb, mit Doppelspitze und Lagermentalität. Vermutlich wäre der Integrationskrampf nicht weiter aufgefallen, hätte das Management sich nicht einen Flop nach dem anderen geleistet: So scheiterte das Duo Ekkehard Schulz (59)/Gerhard Cromme (57) mit dem Erwerb der Mannesmann-Tochter Atecs. Der Börsengang der Stahlsparte musste abgesagt werden.

Schon im Frühjahr verlangten einzelne Großaktionäre, dass sich der Konzern von der Vergangenheit löst - und auch von der Doppelspitze. Lange Zeit geschah nichts. Doch schließlich einigte sich Berthold Beitz (87), Vorsitzender der Krupp-Stiftung, mit anderen Anteilseignern darauf, dass Cromme als Chef in den Aufsichtsrat wechseln und Schulz künftig den Konzern führen sollte.

Kriwet, der bei dieser Lösung auf seinen Posten als Oberaufseher verzichten musste, lenkte ein. Doch das tat er in der ihm eigenen Art. Erst fabulierte er vage über die Möglichkeit, Platz zu machen. Dann kündigte er den Rückzug an, ohne Cromme und Schulz einzuweihen. Den Zeitpunkt des Abschieds ließ er freilich offen. Grund für die Geheimnistuerei: Der Neuanfang sollte für weitere Personalien genutzt werden.

Diese bringen jedoch nicht die von vielen erhoffte drastische Vorstandsverkleinerung. Das Gremium wird voraussichtlich acht statt neun Köpfe zählen, bestehend aus Schulz, den Chefs der vier operativen Einheiten, einem Arbeitsdirektor und den Finanzvorständen, von denen es gleich drei gibt; zwei sollen bleiben: Gerhard Jooss (59) und Ulrich Middelmann (56). Der dritte, Heinz-Gerd Stein (60), soll ausscheiden, ebenso Rechtsvorstand Jürgen Rossberg (61).

Zwei Neue kommen hinzu: je ein Leiter des Stahl- und des Autobereichs. Aussichtsreichster Kandidat als Stahl-Chef: Wolfgang Kohler (57), bisher Vize bei ThyssenKrupp Steel. Für die Autosparte, bislang Crommes Domäne, ist ein Externer vorgesehen.

Kriwet selbst wird sich nicht vollends verabschieden. Er bleibt einfaches Aufsichtsratsmitglied. Schließlich sei er noch bis 2005 gewählt, gibt er zu Protokoll. Thomas Werres

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