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Absprung für Einsteiger

Fitness: Berufsstress und Bewegungsmangel tragen dem Manager ein hohes Gesundheitsrisiko ein. Er muss etwas tun, aber was ist sinnvoll? mm holte Rat bei Praktikern ein. Und sprach mit Sport-Guru Ulrich Strunz (Foto), der Anfängern empfiehlt: einfach laufen!
aus manager magazin 2/2001

Eigentlich geht es dem Manager doch gold. Sanft gebettet im weichen Flugzeug-Fauteuil, jettet er von Sitzung zu Sitzung, zwischendurch chauffiert in luxuriösen Limousinen oder kulinarisch verwöhnt mit Kaviar und Hummer, Cognac und Zigarre. Entspannung und Ablenkung für den Kopf bieten ihm elektronische Apparaturen vom TV bis zum PC. Den Schweiß körperlicher Anstrengung kennt er nur noch vom Hörensagen.

Ein Leben wie im Schlaraffenland? Von wegen. Keine Bewegung; allerfeinste, aber leider grausig ungesunde Ernährung; eine ungesteuerte Reizüberflutung - dies überfordert die Physis des Leistungsträgers. Herz und Kreislauf spielen nicht mehr recht mit, Magenschmerzen und Migrä- ne beuteln ihn ebenso wie

Rückenschmerzen und ein erhöhter Blutfettspiegel.

Er weiß, dass er etwas tun muss. Nur eben nicht, was das Richtige ist. Heerscharen von Fitnessanbietern ringen um seine Gunst und sein Geld. Sie versprechen ihm Heilung an Haupt und Gliedern, ewige Jugend gar. Ein Tummelplatz auch für Wundertäter und Galgenvögel, die den ratlosen Hilfesuchenden mit ebenso abstrusen wie wertlosen Praktiken und Methoden traktieren. Einzig zu eigenem Nutz und Frommen.

Worauf also kommt es an? Wie sollte ein Fitnesstraining für Einsteiger beschaffen sein? Welche Voraussetzungen sollten Trainer mitbringen? Bei welchen Angeboten und Versprechen ist Vorsicht geboten?

In jedem Fall, so fordert Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin an der Universität Münster, "sollte ein Einsteiger-Fitnesstraining für Manager auf der Basis einer gründlichen Vorunter-suchung erfolgen". Dazu rechnet der Ertüchtigungsprofessor sowohl eine medizinische Diagnostik (Herz-Kreislauf-Belastbarkeit, Risikokonstellationen) wie auch den Test des muskulären Status. Erst auf Grund dieser Erhebungen kann ein sinnvolles Trainingsprogramm individuell konzipiert werden. Dafür gilt dann: Das Sportangebot sollte möglichst viele Varianten enthalten.

In der Praxis - bei den etablierten Fitnessinstituten und Personaltrainern, die Managerprogramme anbieten - haben sich diese Erkenntnisse bereits weitgehend durchgesetzt: Individuelle Anpassung, sportmedizinische Anleitung und die Fülle verschiedenartiger Leibesübungen zeichnen ein kompetentes Fitnesstraining für Führungskräfte aus.

Eine Umfrage, die manager magazin bei einer Reihe wichtiger Profis durchführte (siehe Kasten links), ergab, dass ein Check-up in jedem Fall in das Programm gehört. Bei verschiedenen Anbietern gehört neben einem Belastungs-EKG und der Ermittlung des muskulären Status auch ein Laktat-Stufentest dazu. Mit seiner Hilfe werden exakt die Herzfrequenzbereiche für das richtige Ausdauertraining bestimmt. Und damit, für Jogger beispielsweise, die Laufgeschwindigkeit.

Ein weiteres Ergebnis der mm-Erhebung ist das übereinstimmende Postulat, dass neben der Bewegung immer auch Ernährungsanleitungen und Entspannungsübungen ins Programm gehören. Exerzitien sozusagen für Kopf und Bauch.

Alle seriösen Anbieter von Fitnessprogrammen setzen denn auch auf ein Drei-Säulen-Prinzip. Dazu zählen allemal

m ein präventives Herzkreislauf-Training gegen den Bewegungsmangel,

m gezielte Ernährungsänderung gegen Vital- und Ballaststoff-Mangel und Übungen wie autogenes Training oder Meditation (gegen die allgegenwärtigen Reizüberflutungen).

"Ohne körperliche Anstrengung und Verhaltensmodifikationen wie Ernährungsumstellung", sagt Jens Freese, der Vorsitzende des Bun-desverbandes Deutscher Personal Trainer, "ist eine Veränderung von Körper und Geist nun mal nicht erreichbar."

So warnen die renommierten Anbieter vor Programmen, die viel Ertrag bei wenig Arbeit versprechen. Fitnesstraining, so ihr Einwand, kann sicher kleine Wunder bewirken; allerdings nur, wenn der Klient richtig und regelmäßig trainiert. Verheißungen wie "Fit in zwei Wochen", "Zehn Kilo abnehmen in zehn Tagen" oder "Waschbrettbauch garantiert" seien allesamt Lug und Trug.

Um dem zu entgehen, sollte der Fit- nessproband ein paar Mindeststandards bei der Auswahl des Vorturners beachten. Trainer kann sich jeder nennen, deshalb istsinnvoll, darauf zu achten, dass der Trainer eine staatlich anerkannte Basisausbildung wie die zum Sportlehrer oder Physiotherapeuten gemacht hat. Auch eine IHK-Prüfung kann als Befähigungsnachweis gelten. Zudem sollte der Trainer Übung im Umgang mit beruflich stark engagierten Individualisten haben, womöglich persönliche Erfahrungen aus dem Management mitbringen.

Zumindest sollte er aber eine Referenzliste mit Kunden aus der Wirtschaft vorweisen können, die von ihm bereits auf Trab gebracht worden sind. Denn wer möchte schon als Versuchskarnickel schwitzen?

Ein derart ausgebildeter Trainer weiß eben auch, dass etwa bei Ballsportarten oder zu schnellem Laufen der Einsteiger kein Fett verbrennt, sondern nur Zucker. Die Fettverbrennung - oftmals wichtigster Trainingszweck - wird verfehlt, den Irr-Läufer überfällt nach der Anstrengung heftiger Heißhunger. Und der macht den erwünschten Erfolg zunichte.

Bleibt die Frage, welcher wissenschaftlichen Ausrichtung der Fitness- willige den Vorzug geben möchte.

Achim Denner, Leiter des Kölner FPZ-Instituts, plädiert für Trainer mit abgeschlossenem Sportstudium: "Sportlehrer betrachten den beim Training auftretenden Schmerz als "trainingssteuernde Größe" und damit als normale Herausforderung", so sein Argument, während Physiotherapeuten den Schmerz eher als Warnsignal ansähen - und daraufhin das Training womöglich ganz einstellten.

Eine goldene Regel für die Wahl des Trainers gibt Denner mit auf den Weg: Der solle vor allem sympathisch sein. "Wenn Sie gegen Ihren inneren Schweinehund kämpfen", sagt er, "brauchen Sie einen Freund. Und keinen Sklaventreiber."

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Service

Adressen:

u Bundesverband Deutscher Personal Trainer BDPT, Lüdinghauser Straße 16 d, 48163 Münster, Internet: www.bdpt.org

u Egger & Petersen, Personal-Check-up, Römerstrasse 178, CH-8404 Winterthur, Internet: www.check-up.ch.

u In Balance, HDP GmbH & Co. KG, Postfach 12 26, 61452 Königstein, Internet: www.inbalance.de

u FPZ Forschungs- und Präventionszentrum GmbH, Auf der Ruhr 2, 50667 Köln, Internet: www.fpz.de

u The Health Performance Group, Ilka Faupel, Pippinger Strasse 141, 81247 München, Service-Hotline: 01 80/5 22 52 50, Fax: 0 89/8 11 48 64

u Skolamed GmbH, Institut für Diagnostik und Gesundheitssteuerung, Höhenstraße 42, 51588 Nümbrecht, Internet: www.skolamed.de

u Roggatz-Team, Dirk Roggatz, Mühlenkamp 23, 22303 Hamburg, Internet: www.roggatz-team.de

Bücher: Ulrich Strunz: "Forever Young. Das Erfolgsprogramm"; Gräfe und Unzer, 192 Seiten, 39,90 Mark.

Ulrich Strunz: "Forever Young. Meine 15 besten Fitness-Tipps"; Gräfe und Unzer, 32 Seiten, 9,90 Mark (erscheint im März).

Ole Petersen, Hansruedi Egger: "Gesundheit ist Chefsache"; Smart Books Publishing, 263 Seiten, 69 Mark.

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... fertig, los!

Tipps von Achim Denner, Chef des Kölner FPZ-Instituts

Bevor Sie loslegen, sollten Sie

u Ihre Trainingsziele schriftlich definieren sowie

u Ihr Betreuerteam (Sportmediziner, Diplom-Sportlehrer) sorgfältig auswählen und zusammenstellen.

Der erste Check-up sollte zumindest aus folgenden Komponenten bestehen:

u gründliche ärztliche Untersuchung der inneren Organe und des Bewegungsapparats,

u sportmedizinische Leistungsdiagnostik,

u Besuch beim Zahnarzt (Ihre Zähne sind so etwas wie der Sicherungskasten Ihres Körpers),

u Analyse Ihres Bewegungs- und Ernährungsverhaltens.

Das darauf folgende Einstiegsprogramm umfasst zunächst einen Zeitraum von drei Monaten. Es wird von Ihren Betreuern durch die im Check-up gewonnenen Daten und Erkenntnisse indivi-duell angepasst.

Das Einstiegsprogramm ist immer ein Grundlagentraining. Dieses sollte aus mindestens zwei, besser drei Trainingseinheiten pro Woche bestehen. Jede Trainingseinheit dauert anfänglich circa 50 Minuten und gliedert sich prinzipiell in ein

u 10-minütiges Vorbereiten ("Aufwärmen"),

u 30-minütiges Trainingsprogramm,

u einen 10-minütigen Ausklang inklusive Regenerationseinleitung ("Abkühlung").

Im Mittelpunkt der Grundlagenübung steht aerobes Ausdauertraining in Form von schnellem Gehen, Laufen oder Fahrradfahren. Eine Trainingseinheit pro Woche sollten Sie dem Krafttraining widmen.

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