Fintech-Start-up vor Neubewertung 45, 30, 15 Milliarden Euro – Klarnas Bewertungsrutsch

Vor einem Jahr wurde der Bezahldienst Klarna aus Schweden mit mehr als 40 Milliarden Euro bewertet und war Europas wertvollstes Start-up. Diesen Titel trägt Klarna immer noch, die Bewertung tendiert nun aber Richtung 15 Milliarden Euro. Der Fall steht für einen rasanten Werteverfall in einer Branche, die lange gehypt wurde und nun auf Notfall-Modus schaltet.
Kleinere Zahlen: Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski muss einen drastischen Bewertungsverlust von Europas wertvollstem Fintech hinnehmen

Kleinere Zahlen: Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski muss einen drastischen Bewertungsverlust von Europas wertvollstem Fintech hinnehmen

Foto: SUPANTHA MUKHERJEE / REUTERS

Es ist nicht einmal 12 Monate her, da standen die Risikokapitalgeber bei Klarnas Co-Gründer Sebastian Siemiatkowski Schlange. Der Bezahldienstleister aus Schweden wurde bei jeder neuen Finanzierungsrunde mit frischem Geld förmlich geflutet und brachte es mit einer Bewertung von 45 Milliarden Euro zum wertvollsten Fintech Europas. Ein Börsengang als lukrativer Exit für die Investoren schien nur eine Frage der Zeit. Geld für weiteres Wachstum aufzutreiben, war kein Problem, denn billiges Geld war weltweit in Massen vorhanden.

Vorbei. In Zeiten rasant steigender Inflation und rasch steigender Zinsen in den USA steht die gesamte Start-up-Branche vor einer Neubewertung . Die Frage, wann junge Unternehmen selbst Geld verdienen, steht nun im Vordergrund. Stars wie Klarna geraten unter Kostendruck, vielen kleineren und jüngeren Unternehmen droht das Aus.

So muss auch Klarna massiv die Kosten senken. Im Mai kündigte Siemiatkowski an, jeden zehnten der 7000 Beschäftigten zu entlassen. Die steigende Inflation und der Krieg in der Ukraine hätten das Geschäftsklima massiv verschlechtert, begründete das Unternehmen die radikale Maßnahme.

Doch damit sind die Probleme nicht ausgestanden. Klarna bekommt zwar weiterhin Geld, aber weniger als erhofft: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" dürfte das Unternehmen in seiner nächsten Finanzierungsrunde lediglich 500 Millionen Dollar einsammeln - ursprünglich hatte das Unternehmen auf eine Milliarde Dollar gehofft. Auch die Bedingungen haben sich nach einem Bericht des Finanznachrichtendienstes Bloomberg  deutlich verschlechtert: Nach Abschluss der Finanzierungsrunde dürfte die Bewertung von Klarna nur noch rund 15 Milliarden Dollar betragen. Dies ist immer noch eine stolze Summe, aber nur noch ein Drittel der Bewertung aus dem Sommer 2021. Klarna wollte die Berichte von WSJ und Bloomberg nicht kommentieren.

Das schwedische Zahlungsunternehmen steht damit als prominentes Beispiel dafür, wie stark sich die Bedingungen für Fintechs und andere Start-up-Unternehmen in den vergangenen Wochen verschlechtert haben. Während an den Börsen vor allem Technologieunternehmen unter Druck geraten, sind es in der Start-up-Branche vor allem junge Technologiefirmen, die nur noch mit Mühe neue Geldgeber finden. Welchen Unternehmen jetzt das Geld auszugehen droht und was die Zeitenwende für die deutsche Gründerszene bedeutet, erfahren Sie in unserem wöchentlichen Podcast: Gehen der deutschen Gründerszene das Geld und die Luft aus?

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