Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Knappe Rohstoffe und ein Urteil mit Sprengkraft

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Rohstoff-Risiken der deutschen Autoindustrie, einer Aufsteigerin bei Infineon und einem Urteil, das die Autowelt alarmieren sollte.

Liebe Leserin, lieber Leser,

darf es noch ein Verbrenner sein, oder ist die Zeit bereits reif für den Wechsel? Wer sich im neuen Jahr ein neues Auto kaufen will, stellt sich unweigerlich diese Frage. Bis 2030 sollen 40 Prozent der weltweit verkauften Neuwagen elektrisch angetrieben sein. Die Politik will die Wende zur Elektromobilität rasch durchzuziehen: Doch sind die Autohersteller überhaupt in der Lage, den Wechsel in dieser Zeit zu stemmen?

Dabei geht es nicht nur um Reichweite, genügend Ladesäulen und bezahlbare Elektroautos. Damit die Verkehrswende gelingt, braucht es gigantische Mengen an kritischen Rohstoffen für die Batteriezellen. Lithium, Nickel oder Kobalt sind knapp und begehrt: Autohersteller wie Volkswagen oder Mercedes-Benz nehmen die Versorgung nun selbst in die Hand – sie gründen Partnerschaften oder beteiligen sich an Minenprojekten, um die Versorgung zu sichern.

Dennoch bleibt die Lage kritisch. "Für die angekündigten Gigafabriken reichen die Rohstoffe niemals", warnt Berater Wolfgang Bernhart im Interview mit meiner Kollegin Anna Driftschröer. Es komme nicht nur auf die Menge, sondern ähnlich wie bei Rohöl auch auf die Qualität der Rohstoffe an. Und in vielen Fällen werden Erze gefördert, für die es noch keinen industriellen Raffinerieprozess gebe. "Es ist alles auf Kante genäht", warnt Bernhart. Was Deutschlands Autobauer jetzt tun müssen, um später mitten im Elektroboom nicht ohne die nötigen Rohstoffe dazustehen, lesen Sie hier.

Wertvolle Vorkommen: Solen mit Lithiumcarbonat in Chile. Das Rennen um die Rohstoffe für Elektroauto-Batterien ist im vollen Gang – und mit Risiken verbunden, sagt Berater Wolfgang Bernhart

Wertvolle Vorkommen: Solen mit Lithiumcarbonat in Chile. Das Rennen um die Rohstoffe für Elektroauto-Batterien ist im vollen Gang – und mit Risiken verbunden, sagt Berater Wolfgang Bernhart

Foto: John Moore / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Inflation in Deutschland gesunken: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember auf 8,6 Prozent gesunken. Im November hatte sie noch 10 Prozent betragen. Vor allem die gesunkenen Öl- und Gaspreise haben zu dem Rückgang geführt. Dennoch ist die Teuerung weiterhin auf hohem Niveau: Für das abgelaufene Gesamtjahr 2022 rechnet das Statistische Bundesamt mit einer durchschnittlichen Inflation von knapp 8 Prozent, dem höchsten Level seit der Wiedervereinigung 1990. Welch dramatische Auswirkungen Inflation entfalten kann, zeigt sich aktuell in der Türkei: Dort beträgt die Inflationsrate 64 Prozent.

  • Zahl der Arbeitslosen geht zurück: Trotz Ukrainekrieg, Inflation und Wirtschaftskrise ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Jahr 2022 zurückgegangen. Im Schnitt waren 2,4 Millionen Menschen im Vorjahr ohne Job. Das sind knapp 200.000 weniger als im Jahr 2021. Damit zeigt sich der Arbeitsmarkt robuster als erwartet.

  • Verschmutzungsrechte bringen Bund mehr als 13 Milliarden Euro ein: Der Handel mit Emissionsrechten hat Deutschland im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen in Höhe von 13,2 Milliarden Euro beschert. Dies liegt vor allem am höheren Preis: Wer eine Tonne CO₂ in die Luft bläst, musste 2022 dafür durchschnittlich 80 Euro zahlen. Im Vorjahr waren es noch rund 52 Euro gewesen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Warum ein Urteil gegen Tesla die Autowelt alarmieren sollte: Der Elektroautobauer Tesla muss in Korea eine Geldstrafe von 2,2 Millionen Dollar zahlen, zu der ihn die koreanische Kartellbehörde verdonnert hat. Das klingt nach einer Kleinigkeit für Tesla, ist es aber nicht: Die Behörde bemängelt, dass die Reichweite der von Tesla verkauften Elektroautos in der Praxis deutlich geringer sei als versprochen. Und dieses Thema hat Sprengkraft, dann auch in Deutschland und Österreich ziehen bereits Anwälte vor Gericht – nicht nur gegen Tesla. Ob sich die oftmals geschönten Reichweitenangaben für die Hersteller zu einem teuren Bumerang entwickeln können, hat unser Kollege Claas Tatje analysiert: Der amtlich bestrafte Reichweitenbluff im fernen Korea sollte jedenfalls auch hierzulande die Hersteller alarmieren.

  • Die richtige Strategie in diesem Jahr: "Die Essenz der Strategie besteht darin zu entscheiden, was nicht zu tun ist", schrieb der Harvard-Vordenker Michael Porter. In Zeiten der Krise gilt das umso mehr. Wenn auch Sie zu Jahresbeginn Ihr Wissen zu wichtigsten Themen im Management auffrischen wollen, sind Sie bei unserer "Winter School" genau richtig: Unsere Kollegen vom Harvard Business manager stellen Ihnen kompakt die wichtigsten Artikel zu den Themen Teamführung, Strategie, Diversity und Management vor.

Meine Empfehlung für den Abend:

Zielbewusst: Magdalene Böbel gibt bei Infineon 120 Chipfachleuten die Richtung vor

Zielbewusst: Magdalene Böbel gibt bei Infineon 120 Chipfachleuten die Richtung vor

Foto: Daniel Delang für manager magazin
  • Eine Expertin für Dekarbonisierung: Unter den 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft zählt sie zu den jüngsten – und steht dort gemeinsam mit neun weiteren Kolleginnen auf der Watchlist für höhere Aufgaben: Magdalene Böbel, die mit gerade mal 32 Jahren das Thema Dekarbonisierung bei Infineon zum großen Geschäft ausgebaut hat, zählt zu den Toptalenten der deutschen Wirtschaft. Derzeit gibt Lena, wie sie alle nennen, rund 120 Chipfachleuten in der Infineon-Sparte "Power & Isolation" die Richtung vor. Dabei geht es um Bauteile für optimale Stromverteilung: Seit die studierte Chemikerin Böbel die Verantwortung für die integrierten Schaltkreise trägt, werden immer mehr davon in E-Autos oder Batteriespeichern verbaut. Umsatz und Gewinn der Sparte weisen steil nach oben, ebenso wie Böbels Karrierechancen. Wie weit ihre Reise noch gehen kann, hat Böbel unserer Kollegin Eva Müller erzählt: Der persönliche Einblick zeigt, wie stark junge Topmanagerinnen inzwischen für Wandel in der deutschen Wirtschaft sorgen.

Herzlich, Ihr Kai Lange

PS: Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.