Christoph Rottwilm

Der Tag im Überblick Kinderräder, Haustierbedarf und Fleisch, Fleisch, Fleisch

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Fahrrädern aus Wien, Energie aus Kohle und einem drohenden Rauswurf aus dem Commerzbank-Vorstand.

Wer in den vergangenen Monaten einen Fahrradladen besucht hat, weiß: Dort fanden sich nicht selten mehr Kunden als Fahrräder. Die Corona-Krise hat das Geschäft kräftig angekurbelt. Die soziale Distanz, der Rückzug ins Private, dazu ein erhöhtes Klimabewusstsein – viele treibt es gerade auf den Sattel.

Auch die Nachfrage nach Kinderrädern der Marke Woom stieg in der Pandemiezeit an, und zwar so sehr, dass gebrauchte Bikes dieses Typs zurzeit mitunter teurer sind als neue. Woom ist ein Fahrrad-Start-up aus Wien, das meine Kollegin Mirjam Hecking besucht hat: Der Industriedesigner und gelernte Medizintechniker Christian Bezdeka und der ehemalige Staubsaugervertreter Marcus Ihlenfeld trafen sich vor einigen Jahren in der österreichischen Hauptstadt und gründeten ihre Firma - wo sonst - in einer Garage.

Gepusht von namhaften Investoren etwa aus der Textildynastie Brenninkmeijer (C&A) machten sie das Unternehmen schnell zur am schnellsten wachsenden Fahrradschmiede Europas: Woom verkauft inzwischen in 30 Ländern mehr als 200.000 Räder pro Jahr. Nächstes Ziel: Weltmarke - wobei es hilfreich ist, wenn Promis wie zuletzt Priscilla Chan, Gattin von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, ihren Nachwuchs auf Woom-Bikes präsentieren. Die komplette Gründer-Story hat Kollegin Hecking hier für Sie aufgeschrieben: Der große Woom-Boom 

Woom-Boom: Die Gründer Markus Ihlenfeld (M.) und Christian Bezdeka (r.) und Geschäftsführer Guido Dohm

Woom-Boom: Die Gründer Markus Ihlenfeld (M.) und Christian Bezdeka (r.) und Geschäftsführer Guido Dohm

Foto:

Wolfgang Wolak / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

Treffen im TV: Die Kandidaten Olaf Scholz (SPD, l.), Armin Laschet (CDU, r.) und Kandidatin Annalena Baerbock beim "Triell" am Sonntagabend

Treffen im TV: Die Kandidaten Olaf Scholz (SPD, l.), Armin Laschet (CDU, r.) und Kandidatin Annalena Baerbock beim "Triell" am Sonntagabend

Foto: Pool / Getty Images
  • Die Energiewende und der Klimaschutz sind auch zentrales Thema im aktuellen Wahlkampf, selbst wenn es dazu im zweiten "Triell", dem Aufeinandertreffen der Kandidaten Laschet, Scholz und Baerbock im TV, am vergangenen Sonntagabend kaum neue Erkenntnisse gab. Falls Sie die Fernsehdebatte verpasst haben sollten, hier finden Sie unsere Zusammenfassung und hier einen kleinen Video-Zusammenschnitt.

  • Zudem wird im Wahlkampf zunehmend über das Thema Rente gestritten. Laut SPD-Kandidat Olaf Scholz sollen Rentenniveau und Renteneintrittsalter weit über 2025 hinaus stabil bleiben. Ein Versprechen, das die Union für unseriös hält, wie unser Schlaglicht auf diesen Teil der Vorwahldebatten zeigt.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Und noch einmal Klimaschutz: Dass sich Fleischkonsum und der Kampf gegen den Klimawandel nicht gut vertragen, hat sich herumgesprochen. Aber dass es so drastisch ist, ist vielleicht nicht jedem klar: Die 20 größten Fleischkonzerne der Welt stoßen zusammen mehr schädliche Gase aus als ein Industrieland wie Deutschland insgesamt. Allein innerhalb der vergangenen 50 Jahre hat sich die Fleischproduktion weltweit verdreifacht. Und Fonds, Banken und andere Investoren pumpen Jahr für Jahr neue Milliarden in das Geschäft. All das und noch einiges mehr lässt sich nachlesen im neuen "Fleischatlas", den die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz und der deutschen Ausgabe der "Le Monde Diplomatique" herausgegeben hat. Mein Kollege Felix Stippler hat ihn für Sie gelesen - hier finden Sie seine Highlights.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm