Kai Lange

Der Montag im Überblick Freiwillige Kämpfer und eine Anklage gegen Markus Braun

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Anklage gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, einer Warnung vor dem NFT-Hype und einem Gespräch mit einem Unternehmer, der freiwillig in den Krieg in die Ukraine zieht.

Während die Welt auf neue Verhandlungen für einen Waffenstillstand hofft, sammeln sich rund um Kiew zahlreiche freiwillige Kämpfer. Sie wollen als Teil der "Internationalen Legion" die Ukraine gegen Putins Truppen verteidigen und riskieren dabei ihr Leben. Einer von ihnen ist der georgische Unternehmer David Katsarava, der seine Familie und seine Firma in seiner Heimatstadt Tiflis zurückgelassen hat und mehr als 2000 Kilometer nach Kiew in den Krieg gezogen ist.

"Wenn wir jetzt nicht gemeinsam die Freiheit der Ukraine verteidigen, dann sind Georgien und Moldawien als nächste dran" sagt Katsarava im telefonischen Interview mit manager magazin. Der 45-jährige Familienvater erklärt, warum er sein altes Leben schon zwei Mal hinter sich gelassen hat – und auf welche Weise russische Besatzer auch in Georgien eine "bewegliche Berliner Mauer" errichtet haben. "Putins System funktioniert durch Furcht und Einschüchterung", sagt der ehemalige Tourismus-Manager Katsarava. "Wir werden Putin nur stoppen, wenn wir furchtlos sind."

David Katsarava mit freiwilligen Mitkämpfern in einem Wald bei Kiew: "Wir werden Putin nur stoppen, wenn wir furchtlos sind"

David Katsarava mit freiwilligen Mitkämpfern in einem Wald bei Kiew: "Wir werden Putin nur stoppen, wenn wir furchtlos sind"

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Anklage gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun: Knapp zwei Jahre haben die Münchner Staatsanwälte ermittelt, um im Fall Wirecard Licht in einen der größten Bilanzskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu bringen. Sie haben dabei 340 Firmen, 450 Personen und 1100 Konten überprüft. Das Ergebnis ist eine knapp 500 Seiten dicke Anklageschrift. Die Ermittler werfen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, seinem Bilanzchef sowie dem Wirecard-Statthalter in Dubai unter anderem Bilanzfälschung, Untreue und gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Braun, der seit Juli 2020 in Untersuchungshaft sitzt, sieht sich als Opfer und weist die Vorwürfe zurück. Der ehemalige Dax-Konzern Wirecard musste im Juni 2020 wegen eines Bilanzlochs von knapp 2 Milliarden Euro Insolvenz anmelden, tausende Anleger verloren ihr Geld.

  • Neue Kampfjets für die Bundeswehr: Die Bundesregierung hat 100 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr bereitgestellt. Nun sollen laut Regierungskreisen die alten Tornado-Kampfflugzeuge durch F-35 Tarnkappenjets ersetzt werden. Der F-35-Jet des US-Herstellers Lockheed Martin gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt.

  • Ford und Volkswagen weiten Zusammenarbeit aus: Der US-Autobauer Ford will ein zweites E-Auto auf Basis der von Volkswagen entwickelten Elektroplattform MEB für den europäischen Markt bauen. Das teilten beide Konzerne am Montag mit. Ford will bis 2024 insgesamt drei neue E-Autos und vier neue Elektrotransporter entwickeln.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Meine Empfehlung für den Abend:

Profilbilder als Wettobjekt: Ein Programmiererduo generierte die 10.000 Cryptopunks im Jahr 2017, als Profilbilder für soziale Netzwerke wie Twitter. Wer zum Preishoch kaufte, hat rund die Hälfte seines Geldes verloren

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Mininyx Doodle / Alamy / mauritius images

  • Haben Sie sich schon immer gewünscht, ein digitales Kunstwerk ganz allein für sich zu besitzen? Die sogenannte NFT-Technologie macht es möglich: Wer einen "Non-fungible Token", also ein nicht austauschbares Zeichen als Besitznachweis erwirbt, kann sich dank dieses Eintrags in der Blockchain als Besitzer eines Kunstwerks fühlen. Dank der NFTs kann man auch ein Tausendstel Anteil an einem echten Andy Warhol oder den Bruchteil eines Zahnes eines Tyrannosaurus Rex erwerben – vorausgesetzt, der Besitzer gibt diese Sammlerstücke zur NFT-Auktion frei. Unser Kollege Mark Böschen beschreibt, welch skurrile Blüten der NFT-Hype inzwischen treibt: Wie im Wahn haben Anleger mehr als 44 Milliarden Dollar in die digitale Zockerware gesteckt. Der Traum vom raschen Reichtum dank NFT wird für viele im Fiasko enden, warnt Böschen. Denn nur wenige Profis kassieren ab.

Herzlich, Ihr Kai Lange