Christoph Rottwilm

Der Mittwoch im Überblick Gas aus Sibirien und Wasserstoff aus Australien

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Frühwarnstufe im Notfallplan, Wasserstoff aus Australien, miesen Wirtschaftsprognosen und der großen Frage, was Anleger jetzt tun sollten.

Der Streit zwischen dem Westen und Russland um die Bezahlung russischer Gaslieferungen schwelt weiter. Zur Erinnerung: Russlands Präsident Wladimir Putin hatte angekündigt, künftig nur noch Rubel als Zahlungsmittel für russisches Gas zu akzeptieren. Nachdem verschiedene Länder dieses Ansinnen bereits zurückgewiesen haben, scheint Moskau ein wenig einzulenken. Am heutigen Mittwoch jedenfalls teilte das russische Präsidialamt mit, die Umstellung auf Rubel solle nicht abrupt, sondern schrittweise erfolgen.

Dennoch steht ein bedrohliches Szenario im Raum, das auch in der Wirtschaft viele nervös macht: Putin könnte kurzerhand den Gashahn zudrehen, wenn seine Rechnungen nicht wie gewünscht in Rubel beglichen werden. Allein in Deutschland entfällt etwa die Hälfte des Gasverbrauchs auf Importe aus Russland. Kein Wunder also, dass die Politik Vorbereitungen trifft: In Berlin rief Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck heute die Frühwarnstufe des bundesweiten Notfallplans Gas aus. Was das bedeutet, haben wir hier für Sie aufgeschrieben.

Ein Unternehmen, das im Streit um Öl und Gas aus Russland zwischen den Fronten steht, ist Wintershall Dea. Die größte deutsche Gas- und Ölfirma mit Sitz im niedersächsischen Celle betreibt drei Töchter gemeinsam mit dem russischen Gasriesen Gazprom. 63 Prozent der Vorräte an Erdöl und -gas von Wintershall Dea liegen in den Tiefen Sibiriens. Damit wird das Unternehmen zum Problemfall, auch für die Muttergesellschaft, den Dax-Konzern BASF, der mehr als 70 Prozent der Anteile hält. BASF-Chef Martin Brudermüller würde gerne den baldigen Börsengang von Wintershall Dea vorbereiten. Stattdessen muss er sich nun mit einer Milliardenabschreibung auf die trockengelegte Pipeline Nord Stream 2 herumschlagen. Der Firmenwert von Wintershall Dea ist nicht zuletzt deshalb bereits eingebrochen, wie die Kollegen Martin Noé und Dietmar Student berichten .

Problemtochter: Für BASF-Chef Martin Brudermüller wird Wintershall Dea zur Last

Problemtochter: Für BASF-Chef Martin Brudermüller wird Wintershall Dea zur Last

Foto:

Jann Höfer

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Russland-Connection gefährdet Tunnelbau: Mit einer Länge von 18 Kilometern soll der Fehmarnbelttunnel unter der Ostsee die deutsche Insel Fehmarn mit dem dänischen Lolland verbinden. Er wäre damit der längste und tiefste kombinierte Eisenbahn- und Straßentunnel der Welt und gilt schon jetzt als eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte des Jahrzehnts. Doch seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ungewiss, wann das Projekt vollendet werden kann. Zu den Subunternehmen, die am Tunnelbau beteiligt sind, gehört auch NLMK Dansteel. Hinter der Firma steht der Oligarch Wladimir Lisin, der drittreichste Mann Russlands. Lisin steht zwar nicht auf der Sanktionsliste des Westens. Dennoch birgt die Konstellation das Potenzial, das gesamte Projekt ins Stocken zu bringen, berichtet Kollege Helmut Reich.

Meine Empfehlung für den Abend:

"Würde lieber Bargeld halten": Vermögensverwalter Jochen Wermuth sieht weiterhin Risiken am Aktienmarkt

"Würde lieber Bargeld halten": Vermögensverwalter Jochen Wermuth sieht weiterhin Risiken am Aktienmarkt

Foto:

PR

  • Der russische Überfall auf die Ukraine hat die Börsen in heftige Turbulenzen versetzt. Erst ging es steil abwärts mit den Aktienkursen, zuletzt haben sie sich wieder erholt. Was sollen Anleger jetzt tun? Handelt es sich beim jüngsten Kursanstieg um eine klassische "Bullenfalle" , von der sich jeder Investor fernhalten sollte – oder ist das Schlimmste am Aktienmarkt tatsächlich schon überstanden? Ratschläge dazu gibt es ungefähr so viele, wie es Investmentprofis gibt. Nur wenige kommen aus berufenem Munde. Das Gespräch, das mein Kollege Mark Böschen mit Jochen Wermuth geführt hat, ist insofern wirklich lesenswert. Wermuth beriet schon in den 1990er-Jahren das russische Finanzministerium, baute den dortigen Zweig der Deutschen Bank mit auf und traf Präsident Wladimir Putin mehrfach persönlich. Ein echter Russland-Kenner also, der heute seine eigene Vermögensverwaltung betreibt. Und der auf die Gretchenfrage eine klare Antwort hat: "Ich würde lieber Bargeld halten, falls der Markt noch mal um 30 oder 50 Prozent einbricht." 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm